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Märtyrer unserer Zeit dem Vergessen entreißen - Blutzeugen im Erzbistum München und Freising


Dem Diözesanrat der Katholiken ist es ein wichtiges Anliegen, dem Gedenken an die Märtyrer im Erzbistum München und Freising im 20. Jahrhundert Kontinuität zu verleihen und es zu intensivieren. Vor allem die Erinnerung an das Leben und Sterben von Menschen, die, weil sie ihrem christlichen Gewissen gefolgt sind, von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, soll belebt werden.

Der Vorstand des Diözesanrates hat zur Umsetzung dieses Anliegens einen AK Märtyrer eingerichtet.

Im Jahr 2010 jährt sich der 65. Todestag von acht Märtyrern der Erzdiözese München und Freising: Von den Nationalsozialisten verfolgt, verhaftet, ermordet [mehr]

Wer ist ein Märtyrer?

Der Begriff Martyrer heißt übersetzt Zeuge. Die Christen der ersten Generationen legten, nachdem sie den Glauben angenommen hatten, Zeugnis von Jesus Christus ab, zunächst durch Worte und in der Verkündigung, durch die Unterweisung und in der Predigt.

In der Mitte des 2. Jahrhunderts, als Christen wegen ihrer Zeugenschaft im römischen Reich verfolgt wurden, wurde der Begriff Martyrer genauer gefasst. Alle Christen, die um ihres Glaubens willen bedrängt wurden, gelitten haben und den Blutzeugentod erlitten, hießen nun Martyrer. Diese Terminologie setzte sich erstmals um 160 im Martyrium des Bischofs Polykarp durch. Der des Glaubens wegen hingerichtete Christ wurde als Martyrer bezeichnet. Sein Sterben ist Zeugnis für Christus.

Das deutsche Martyrologium besteht aus vier Kategorien:

1. Größenwahn und Ideologie von Blut und Boden, Machthunger und verbrecherische Menschenverachtung prägten die Zeit des Nationalsozialismus. Die versteckten Angriffe nicht nur auf die katholische Kirche sowie die Aushöhlung des am 20. Juli 1933 geschlossenen Konkordats zwischen der deutschen Reichsregierung und dem Heiligen Stuhl provozierten eine Auseinandersetzung mit dieser Terrorherrschaft. Millionen wurden geschunden und gequält, getötet und ermordet. Soldaten wurden in kaum lösbare Gewissenskonflikte gestürzt und in die Untaten des Zweiten Weltkriegs und der Gewalt verstrickt. Gleichwohl wuchs die Zahl derjenigen, die sich über Hitlers Verbrechen empörten, von Jahr zu Jahr. Auch aus Gründen des Glaubens schlossen sich Menschen zusammen, um als "Zeugen für Christus" zu widerstehen. 170 Priester aus deutschen Bistümern und den Jurisdiktionsbereichen der Visitatoren starben – häufig in Konzentrationslagern, Zuchthäusern und Gefängnissen –, dazu 58 Ordensmänner aus 23 Orden bzw. Kongregationen, vier Ordensfrauen, zwei Mitglieder von Instituten des geweihten Lebens sowie 120 Laien, 106 Männer und 14 Frauen. Während die Priester in der Regel gut erforscht sind, betritt das "deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts" bei den Laien weithin historisches Neuland.

2. Die chronologisch weiträumiger gefasste Kategorie der Blutzeugen aus der Zeit des Kommunismus darf ebenso wenig dem Vergessen anheim fallen. Nach der Oktoberrevolution 1917 in Rußland kam es auf Grund der Trennung von Staat und Kirche zu einer fortschreitenden Auflösung der Institution der römisch-katholischen Kirche. Unter Stalin, seit 1927 Diktator der Sowjetunion, mussten viele Menschen ihr Leben einbüßen. Zwei rußlanddeutsche Bischöfe und über 70 Priester starben um ihres Glaubens willen in den dreißiger Jahren eines gewaltsamen Todes. Darüber hinaus wurden über 30 Donauschwaben – Bischöfe, Priester und Laien –, die unter dem kommunistischen Staatspräsidenten Tito oft grausam ermordet worden waren, in das Martyrologium aufgenommen.

3. Die Kategorie der Reinheitsmartyrien stellt 61 schutzlose weibliche Jugendliche, Ordensschwestern und Frauen vor allem aus den Ostgebieten vor, die in der Kraft des Glaubens ihren unsittlichen Angreifern die Stirn geboten haben, dabei aber tödlich verletzt wurden. Weitere 12 männliche und zwei weibliche Beschützer der bedrohten Frauen bilden ein bisher wenig beachtetes Phänomen. Indem sie sich den Rotarmisten gegen Ende des Zweiten Weltkriegs unerschrocken widersetzten, um Schutzbefohlenen das Leben zu retten, wurden sie zu Opfern blutiger Rache.

4. Die Blutzeugen aus den Missionsgebieten thematisieren den Zusammenhang von Mission und Martyrium. In unserem Jahrhundert zogen Tausende in verschiedene Länder aller Kontinente, um das Evangelium Jesu Christi unter den Bedingungen ihrer Zeit zu verkündigen. Nicht wenige von ihnen mussten dabei bestehende Animositäten der Stammesreligionen aus dem Weg räumen oder ideologischen Machenschaften trotzen. Allein 116 Patres und Brüder, 60 Ordensfrauen sowie die Missionsärztin Johanna Decker aus Nürnberg gaben – in China, Nordkorea, Papua-Neuguinea, auf den Philippinen, in der Demokratischen Republik Kongo, in Simbabwe, Namibia und Brasilien – ihr Leben für die einmal erkannte Wahrheit.

Zur Bedeutung des Martyrologiums

Der Brauch, den Todestag der Martyrer schriftlich festzuhalten, ist schon im 3. Jahrhundert bezeugt. Er veranlasste die Zusammenstellung von Kalendern für Ortskirchen, aus denen dann für größere Gebiete bestimmte Martyrologien hervorgingen. Ein Martyrologium ist also eine Zusammenstellung der Todestage der Blutzeugen der Kirche.
Das älteste Martyrologium ist bereits zu Beginn des 5. Jahrhunderts entstanden. Durch alle Jahrhunderte wurden diese Martyrologien erweitert und vervollständigt.
Papst Johannes Paul II. hat in seinem Apostolischen Schreiben über die Vorbereitung des Jubiläumsjahres 2000 vom 10. November 1994 alle Ortskirchen dazu aufgerufen, das Martyrologium des 20. Jahrhunderts auf den heutigen Stand zu bringen.

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