Erzbistum München und Freising
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Kardinal Wetter fordert Katholiken zu gesellschaftlichem Engagement auf

„In ganz unbequemer Weise in die Politik einmischen“
Für Schutz des ungeborenen Lebens und Respekt vor dem Alter
Warnung vor dem Geschäft mit der menschlichen Sexualität
Fürstenfeldbruck, 12. März 2005 (IKR) Katholiken sollen sich mehr als bisher „in ganz unbequemer Weise in das politische und gesellschaftliche Geschehen einmischen“. Dazu hat unter Hinweis auf Abtreibung, Euthanasie und Vermarktung der Sexualität der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, aufgerufen. Alle müssten als „Bauleute“ an einer Gesellschaft mitarbeiten, in der die Liebe das entscheidende Prinzip ist, sagte der Kardinal am Samstag, 12. März, bei einem Gottesdienst für die Mitglieder des Diözesanrates der Katholiken des Erzbistums in der Kirche der ehemaligen Zisterzienserabtei Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck.

Der Kardinal forderte ein stärkeres Engagement für den Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens gegen Abtreibung und für Respekt vor alten Menschen, gegen Euthanasiepläne. Er sprach sich auch für mutiges Handeln gegen eine Verzweckung und Vermarktung der menschlichen Sexualität vor allem bei Kindern und Jugendlichen aus. Die Kultur des Lebens sei immer gefährdet. Jede Generation sei aufgerufen, dieses hohe Gut aufzubauen und lebendig zu halten.

Zu den wieder angestiegenen Abtreibungszahlen in Deutschland sagte der Kardinal, obgleich die höchste Rechtsprechung Abtreibung generell als Unrecht bezeichne, gelte Schwangerschaftsabbruch weithin als legitim und als eine Art Recht. Auf der Ebene der Vereinten Nationen werde sogar gefordert, Abtreibung als „Menschenrecht“ zu legitimieren. Auf dieser Baustelle, „die Abriss und Demontage als Aufbau maskiert“, müssten Christen die Unantastbarkeit des Lebens in Erinnerung bringen. Die derzeit in Deutschland geltende Regelung von Abtreibungen müsse unter dem Aspekt des Lebensschutzes endlich überprüft werden, wie es das Bundesverfassungsgericht bereits 1993 aufgetragen habe.
Der Kardinal sieht auch Tendenzen für einen „rücksichtslosen Verteilungskampf zwischen Jung und Alt“ in Deutschland. Respekt vor alten Menschen stehe schon gar nicht mehr zur Debatte. Wer die Berichte über Zustände in deutschen Pflege- und Altenheimen lese, müsse ernsthaft fragen, ob dafür nicht „die Demontage unseres Menschenbildes“ die Ursache sei. Längst habe die Euthanasiediskussion die Menschen im Alter erreicht. Unter ganz menschenfreundlich klingenden Worten und unter Beschwörung dramatischer Ausnahmesituationen werde „der gezielt gewollte Tod als große Erlösung und als humane Lösung schlechthin empfohlen“. Die Pfarreien sollten sich bei ihren Besuchsdiensten für alte Menschen und im ehrenamtlichen Engagement für Pflegevereine von solchen Trends nicht beirren lassen.

Scharf kritisierte Wetter eine „von den Medien mit suggestiver Wucht“ verbreitete und unterstützte „Verzweckung der menschlichen Sexualität“. „Das Geschäft mit der Versuchlichkeit des Menschen ist ein Riesenmarkt“, sagte er wörtlich. Dadurch werde gerade bei jungen Menschen der Prozess der Reifung brutal abgewürgt. Schon Kinder würden auf ein rein funktionales, allein auf persönliches Vergnügen ausgerichtetes Verständnis von Sexualität eingestellt. Außerdem offenbare sich eine schlimme Sprachlosigkeit. Hier sei Demontage des Menschen, nicht sein Aufbau am Werk. Ausdrücklich lobte der Kardinal in diesem Zusammenhang den Katholischen Deutschen Frauenbund in Passau. Der Frauenbund habe hartnäckig und mit guten Argumenten gegen sexistische Kleinanzeigen in der Heimatzeitung protestiert und dadurch ein ermutigendes Beispiel gegeben. Wörtlich sagte Wetter: „Schützen wir unsere Kinder und Jugendlichen vor Verführung und Ausbeutung.“ Ihnen müsse geholfen werden, wieder über „Keuschheit und Reinheit“ zu sprechen. Es gehe dabei nicht um Prüderie, sondern um ein ganzheitliches Verständnis der menschlichen Sexualität. „Die Keuschheit ist auch die beste Vorbereitung auf die Ehe“, sagte der Kardinal. (wr)