 |
| |
»Was habe ich davon?« -
|
Ein Gemeindepfarrer erzählt Unser Leben ist entscheidend geprägt von dem, was wir tun und von dem, was wir erfahren. Das gilt für Arbeit und Freizeit, für den Werktag und für den Sonntag. Es gilt in der Familie wie im Freundeskreis, im Miteinander wie in der Auseinandersetzung mit anderen. Es gilt für unser Menschsein und für unser Christsein. Nicht selten fragen wir uns dann: »Was bringt mir das?«, »Was habe ich davon?« Aber können wir unser Tun und unsere Erfahrungen so kurzfristig abrechnen, wie es diese Fragen andeuten? Kann man im Leben alles von einem Augenblick zum anderen abrechnen? Das Leben ist kein Sammelband von Abrechnungen. Es ist ein Weg zu einem Ziel. Gott selber, unsere Lebensgemeinschaft mit ihm, ist dieses Ziel. Wenn wir unseren Lebensweg als Christen zu gehen versuchen, werden wir auch Glaubenserfahrungen sammeln. Sie werden sich auf unser Leben auswirken, werden es prägen, aber nicht einfach von heute auf morgen. Im Laufe der Zeit werden uns diese Erfahrungen tragen, immer mehr tragen. Ich kann nicht nach dem Ende eines mitgefeierten Gottesdienstes am Kirchenportal fragen: »Was habe ich jetzt davon?« Aber wenn die Mitfeier des Gottesdienstes zu einer festen Größe in meinem Leben geworden ist, dann werde ich erfahren, welche prägenden Kräfte von ihm ausgehen und in mein Leben einwirken. Mir persönlich ist es immer wieder eine unverzichtbare Erfahrung, in der Eucharistiefeier der Gemeinde die Wahrheit des Herrenwortes zu erleben: »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.« (Mt 18, 20) Nach jahrzehntelanger Erfahrung
|
|
 |
| |
muß ich sagen: »Hier ist die Quelle meines Optimismus.« Das schlimme Fehlen dieser Erfahrung hat mir vor einiger Zeit ein Kind bestätigt: »Immer wenn bei uns in der Kirche ein Fest ist, müssen wir wegfahren.« »Ich brauche das Wort Gottes, denn damit muß ich wieder eine ganze Woche leben«, bekennt ein Mensch, für den ein Sonntag ohne Gottesdienst kein Sonntag ist. Nur das stetige Hinhören auf dieses Wort schenkt uns die Erfahrung, daß der Mensch auch von jedem Wort aus Gottes Mund lebt (vgl. Mt 4,4). Es ist nicht unser unabwendbares Schicksal, orientierungslos durch die Welt taumeln zu müssen. Es sind nicht wenige Menschen, die bezeugen, daß sie das Wort Gottes nötig haben, um zu sich selber zu finden. Über Gott zu sich kommen, das ist nicht ein Augenblick, sondern ein Weg. »Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir.« Die Feier der Eucharistie ist auch die Feier unserer eigenen Zukunft: »Wer aber dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit.« (Joh 6, 58) In einer von großer Zukunftsangst geprägten Zeit stellt uns die Mitfeier des Gottesdienstes auf ein Fundament der Hoffnung. In mir kann eine Gelassenheit aus dem Glauben wachsen, die mich mit Zuversicht leben läßt. »Die Mitfeier des Gottesdienstes stimmt mich versöhnlich«, sagte mir ein Mann, den ich fragte, warum er zum Gottesdienst komme. - »Der Friede sei allezeit mit euch«, sagt der Priester. Das ist kein leeres Versprechen. Denn Jesus Christus hat Frieden gestiftet zwischen Gott und den Menschen. Sein Sterben am Kreuz hat uns mit Gott versöhnt. Aus der Feier der Eucharistie wachsen uns entscheidende Kräfte zu. Aber in diese Feier müssen wir uns einbringen, sonst können wir diese Erfahrung nicht machen.
|
|
|
|