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Kloster Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck

Kloster Fürstenfeld, Fürstenfeldbruck
Die ehemalige Zisterzienser-Abteikirche Mariä Himmelfahrt
Prachtvolles Zeugnis des bayerischen Barock
 
Rund 20 km südwestlich von München liegt das ehemalige Zisterzienserkloster Fürstenfeld (im Süden der Kreisstadt Fürstenfeldbruck). Die große Abteikirche gehört zu den prachtvollsten Kirchenbauten des bayerischen Barock.
 
Das Patrozinium:
Dass die Gottesmutter Maria am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, ist seit dem Mittelalter verbreitete Glaubensüberzeugung. Seit dem 5. Jahrhundert wird dies in Jerusalem am 15. August in einem Fest – dem Hochfest Mariä Himmelfahrt – gedacht. Seit dem 7. Jahrhundert ist das Fest auch in Rom bezeugt. Von hier aus verbreitete es sich in der westlichen Kirche. Fast alle Klosterkirchen des Zisterzienserordens feiern an diesem Hochfest ihr Patrozinium. 1950 erklärte Papst Pius XII. die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel zum Dogma.
 
Geschichte des Klosters:
Weil Herzog Ludwig II. („der Strenge“) von Bayern seine Gemahlin unter dem – unberechtigten - Verdacht der Untreue hinrichten ließ, erhielt er vom Papst eine Sühneleistung auferlegt. So gündete der Herzog 1263 „auf des Fürsten Feld“ an der Amper ein Kloster des strengen Zisterzienserordens, das Mönche des niederbayerischen Aldersbach besiedelten. Als ‚Hauskloster‘ der Wittelsbacher stand es stets in besonderer Gunst der bayerischen Herrscherfamilie.

1691 wurde der Grundstein zum barocken Neubau von Klosteranlage und Kirche gelegt. Nach der Aufhebung des Klosters in der Säkularisation von 1803 wurde die bisherige Klosterkirche 1816 zur königlichen Landhofkirche ernannt. Heute ist sie in Besitz des Freistaats Bayern und dient als Nebenkirche der Pfarrei St. Magdalena in Fürstenfeldbruck. Die Klostergebäude werden u.a. als Polizeischule und als Stadtmuseum genutzt. Im Klosterkomplex liegt auch das moderne „Veranstaltungsforum Fürstenfeld“ und der „Klosterladen“.


Die Kirche:
Der Baumeister Giovanni Antonio Visacardi entwarf im Auftrag des Kurfürsten Max Emanuel den barocken Neubau des Klosters gleichsam als einen „bayerischen Escorial“, dessen Zentrum natürlich die Klosterkirche bildete. Ihr Bau begann im August 1700. 1723 stand der Chor vollendet, 1731 wurde die Krypta geweiht, am 16. Juli 1741 schließlich die ganze Kirche.
Die mit ihrer dreistöckigen Säulenarchitektur sehr imposante Fassade trägt drei große Figuren: Christus als Welterlöser und seitlich die Ordenspatrone Benedikt (links) und Bernhard von Clairvaux (rechts).

Der 80 m lange Innenraum wird von einem großen Tonnengewölbe überspannt. Beidseits flankieren ihn hohe Kapellen. Halbsäulen betonen die Wandpfeiler. Der Gesamteindruck ist der eines überaus prachtvollen Festsaals.


Ausstattung:
Den Stuck schufen italienische Künstler unter Leitung von Francesco und Jacopo Appiani.
Die zahlreichen Fresken stammen von Cosmas Damian Asam. Die fünf Deckenbilder des Langhauses verbinden zentrale Stationen der Erlösung der Menschheit durch Christus mit Szenen aus dem Leben des heiligen Bernhard von Clairvaux: Verkündigung an Maria – Traum der Mutter Bernhards; Geburt Christi – Bernhards Vision von der Geburt Christi; Auferstehung – Predigt Bernhards vor dem Herzog von Aquitanien; Himmelfahrt – Eintritt Bernhards und seiner Gefährten in den Zisterzienserorden; Sendung des Hl. Geistes – Frömmigkeit des hl. Bernhard in der besonderen Hinwendung zum Gekreuzigten und zu Maria. Beidseits der großen Bilder sind heilige Zisterzienser dargestellt. Die Deckenbilder im Chor zeigen u.a. Maria in der himmlischen Herrlichkeit und die Stiftung des Klosters.

Egid Quirin Asam schuf 1736 die beiden mittleren Seitenaltäre St. Sebastian und St. Peter und Paul. Die Künstler des großartigen Hochaltars sind dagegen in der kunsthistorischen Forschung immer noch umstritten. Der Aufbau bezieht die Fenster der Apsis ein. Vier große Figuren zeigen die Eltern Marias (Joachim und Anna) sowie ihre Base Elisabeth und deren Mann Zacharias. Über dem Altarbild „Mariä Himmelfahrt“ von Johann Nepomuk sind im Auszug plastisch die Personen der göttlichen Dreifaltigkeit dargestellt, die Maria empfangen.

Der spätbarocke Kreuzaltar mit dem mittelalterlichen Kruzifix steht seit 1978 wieder am Eingang zum Chor. Seitlich davon zwei große Figuren von Roman Anton Boos (1765/66): der Klosterstifter Herzog Ludwig II. (links) und sein Sohn Kaiser Ludwig der Bayer (rechts), ein großer Förderer des Klosters.
Die Kirche besitzt zwei besonders verehrte Marienfiguren: die am Chorbogen aufgestellte, sitzende „Traubenmadonna“ (um 1470/80, vom mittelalterlichen Hochaltar) und die frühgotische Sandsteinmadonna (14. Jh.) am hintersten rechten Seitenaltar.
Die Orgel von Johann Georg Fux (1736/37) ist in allen wesentlichen Teilen original erhalten. Sie erklingt in den Gottesdiensten und bei Konzerten, die regelmäßig in der Klosterkirche stattfinden.

Allgemeine Hinweise:
Die Kirche ist für Besichtigungen geöffnet:
  • von Mai bis September: Dienstag bis Sonntag jeweils von 11.00 bis 18.00 Uhr bzw. bis zur Abendmesse; Montag nur tagsüber Vorhalle bis zum Gitter 
  • von Oktober bis April: an Sonn- und Feiertagen von 13.30 bis 16.30 Uhr
    an Werktagen: tagsüber Vorhalle bis zum Gitter 
Führungen können bestellt und Fragen beantwortet werden:
jeweils donnerstags und freitags im Pfarrbüro bei Frau Dr. Klemenz

Nähere Informationen:
- Thomas Bachmair / Peter Pfister / Hugo Schnell: Ehemalige Zisterzienserabteikirche Fürstenfeld (= Kleine Kunstführer 10006), 12. Auflage, Regensburg 1999.
- Peter Pfister (Hg.): Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld (= Große Kunstführer 39), 2. Auflage, Regensburg 1998.

Diese und weitere Literatur ist im Klosterladen (rechts von der Kirche neben dem Stadtmuseum) erhältlich.


Regelmäßige Gottesdienste:
Sonn- und Feiertage: 11.00 Uhr, von Mai bis September (außer in den Sommerferien) auch 19.00 Uhr

Kontakt:
Kath. Pfarramt St. Magdalena, Kirchstraße 4, 82256 Fürstenfeldbruck
Tel. 08141/5016-0; Fax 08141/5016-50


Dr. Roland Götz
Archiv des Erzbistums München und Freising