Der Advent steht im Licht von Weihnachten. So wie die Fastenzeit für Ostern, ist er die Vorbereitungszeit für Weihnachten, und das im doppelten Sinn: die vier Wochen im Dezember sind eine Zeit der Vorbereitungen für all die familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen, die Weihnachten mit sich bringt. Der Advent ist auch die Zeit, sich vorzubereiten auf das Fest, bei dem die Tatsache gefeiert wird, dass Gott zu den Menschen gekommen ist, bei ihnen weilt und wiederkommen wird in Herrlichkeit.
Die große Bedeutung und Bekanntheit verdankt der Advent vor allem der Strahlkraft der Weihnachtstage. Der 24.12. ist der Zielstrich beim Countdown eines jeden Adventskalenders, er ist auch der Schlusspunkt vorweihnachtlicher Geschäftsorgien. Das Warten der Kinder aufs Christkind hat 1903 den Münchner Verleger Gerhard Lang auf die Idee eines gedruckten Adventskalenders gebracht. Aber es ist immer noch das Ereignis der Christnacht, auf das hin der Advent ausgerichtet ist.
Dies alles spiegelt sich auch beim aktuellen und überliefertem Brauchtum rund um den Advent wider. Adventskalender werden in inflationären Stückzahlen produziert, die Bandbreite reicht von völlig sinnentleerten Dreingaben des Einzelhandels bis hin zu wirklichen „Weihnachtswegweisern“. Der Adventskranz zeigt sich bis heute erstaunlich kommerz-resistent. Er ist vor allem in Kirchen und in Wohnungen zu finden und kommt immer dann zur Geltung, wenn Ruhe einkehrt. Die Klopfernächte und das Klöpfeln haben mit dem christlichen Weihnachten an sich nichts zu tun; sie gehen auf heidnischen Volksglauben zurück. In den drei Donnerstagen vor Weihnachten sollten Winterunholdinnen durch Lärmumzüge vertreiben werden. Zuletzt wurde an die Fenster geklopft, um eine Gabe zu erhaschen. Im Erzbistum haben im Jahr 2003 Jugendliche des Sportvereins Isen klöpfelnder Weise Geld für eine Ordensfrau gesammelt, die in Afrika tätig ist. Sie haben Brauchtumsforschern, professionellen Found-Raisern und Theologen gezeigt, wie uraltes Brauchtum, vorweihnachtliche Spendenbereitschaft und gelebte Nächstenliebe zusammengebracht werden können.
Georg Ratzingers Weihnachtserinnerungen: So war der Advent meiner Kindheit
Motiv aus: "... ein helles Licht - Erfüllung des Lichts", Hausgottesdienst der bayrischen Diözesen 2008