Jugendliche Christen mit Fahnen im Altarraum des Freisinger Mariendomes bei der Jugendwallfahrt des Erzbistums München und Freising
Was Katholiken glauben
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Glauben

Viele Menschen meinen, Glaube sei heute schwerer, weil wir scheinbar Gott nicht mehr brauchen, um die Welt zu verstehen und das Leben zu bewältigen. Unsere Wissenschaft macht rasante Fortschritte und entschlüsselt die Natur mehr und mehr. Aber je größer unser Weltbild und Menschenbild wird, umso größer wird auch der Schöpfer, Gott. Nur für den, der zufrieden ist mit dem, was er unmittelbar sieht und hört, gibt es keine Fragen darüberhinaus.

Glaube sieht weiter...

So aber kann die Wirklichkeit, in der wir leben, nicht voll erfaßt werden. Auch die Frage nach dem Sinn unseres Lebens findet so keine befriedigende Antwort. Eine tragfähige Antwort ist für den Glaubenden die Gewißheit, daß wir bis über den Tod hinaus von Gott geliebt und angenommen sind. Ohne die Weitergabe dieser Liebe bleibt menschliches Leben kalt und arm. Glauben widerspricht nicht der Vernunft. Vielmehr bringt uns die Vernunft bis zu dem Punkt, wo unser Leben über sich hinausweist und sich Fragen stellen, die mit Wissenschaft allein nicht beantwortet werden können.


Ich glaube Dir

Das über den Verstand hinaus weiterführende Wissen, gründet für Christen in der Offenbarung, die Jesus Christus uns geschenkt hat. Er, der von Gott kommt, hat uns geoffenbart, wie Gott ist und wie er zu uns steht. Letztlich glauben Christen nicht an „etwas", nicht einmal an bestimmte Wahrheiten und Glaubenssätze, sondern an Jesus Christus. An ihm geht kein Weg vorbei. Deshalb ist es wichtig zu erfahren, was er gesagt und getan hat. Davon ist uns im „Neuen Testament" der Bibel berichtet. Jesus hat gesagt und gezeigt, daß Gott alle Menschen liebt, und daß er will, daß die Menschen diese Liebe weitergeben. Glaube heißt also zu allererst vertrauen, daß Gott uns liebt. Das Glaubenbekenntnis, das „Credo" zählt auf, was Gott für uns getan hat und tut: Er ist wie Vater und Mutter zu uns; er hat alles erschaffen; in Jesus ist Gott ein Mensch wie wir geworden; mit uns und für uns ist er gestorben; gleichzeitig hat er für immer den Tod besiegt; durch die Kirche ist er uns bleibend verbunden; er vergibt unsere Schuld und schenkt uns das Ewige Leben.

Nicht Sache des Gefühls

Mancher klagt: Ich kann nicht glauben und er meint: Ich fühle nichts, spüre Gott nicht, merke nichts in mir. Aber so wenig Vertrauen „Vertrauensseligkeit" ist, so wenig ist Glaube nur „Gefühl". Vertrauen gründet dagegen auf Erfahrung und muß sich vernünftig begründen lassen. Glauben und Vernunft stehen nicht im Widerspruch. Aber übersteigen kann und muß der Glaube die Vernunft: Ein „begriffener" Gott wäre nicht Gott.

Glaube bewährt sich im Leben

„Kehrt um und tut Buße, denn das Reich Gottes ist nahe!" Mit dieser Forderung rief Jesus von Nazareth vor rund 2000 Jahren Menschen in seine Nachfolge. Umkehr und Buße sind bis heute zentrale Forderungen des Glaubens. Umkehr meint dabei die Hinwendung und die Zukehr zu Gott. Wenn ein Mensch sein Angesicht und sein Herz Gott offen zuwendet, steht er in Beziehung und lebendigem Austausch mit Gott. Das verändert sein Leben. Er erkennt deutlicher, wo Fehler und Schatten sein Leben verdunkeln. Das kann schmerzlich sein und unbequem. Sein Leben entsprechend zu ändern und daran zu arbeiten: das meint der Begriff „Buße tun". Buße ist im christlichen Verständnis nicht Strafe und Vergeltung, sondern Neuanfang und Verbesserung. Der Glaube muß das Leben durchdringen und sich im Alltag auswirken. Die Gläubigen sollen den Willen Gottes in der Welt zu verwirklichen suchen und die Liebe, die Gott schenkt, weitergeben. Die Bibel sagt im Jakobusbrief: „Der Glaube ist ohne Werke tot". Deshalb gehört zum gelebten Glauben auch das Mittun im öffentlichen und gesellschaftlichen Leben, zum Beispiel der Einsatz für Friede und Gerechtigkeit, für Menschenrechte und die Bewahrung der Schöpfung.

Krisen des Glaubens

Es gibt im Glauben auch und immer wieder Krisen, vor allem, wenn ein kindliches Gottesbild – notwendigerweise – abgelöst wird durch einen reifen, erwachsenen Glauben! Oder wenn Schicksalsschläge und Enttäuschungen an der Liebe Gottes zweifeln lassen, oder gar zum Verlust des Glaubens führen. Krisen aber sind Reifestadien, die – wenn man sie besteht – den Glauben vertiefen und wachsen lassen. Dazu hilft es, wenn man mit anderen seine Fragen und Zweifel austauscht, wenn man die Gemeinschaft gläubiger Menschen sucht.

Wenn ich nur glauben könnte!
Nicht wenige Menschen tun sich schwer mit dem Glauben. Sie haben Probleme mit den Inhalten, verstehen das eine nicht und zweifeln an anderem. Andere vermissen das Gefühl des Glaubens, obwohl sie das gerade erleben möchten. Darüber zu reden kann helfen. Erfahrungen austauschen bringt weiter. Die christlichen Kirchen bieten vielfältige Veranstaltungen an: Bildungsangebote, Glaubenswochenenden, Besinnungs- und Einkehrtage, Exerzitien, Meditationskurse, Kloster auf Zeit …


Ein Mann wurde hoch
oben in einem Turm
gefangen.
Seine Frau überlegte,
wie sie ihn befreien
könnte.
Sie bestrich die Fühler
eines Käfers mit Honig
und band an das
Hinterbein einen hauchdünnen
Seidenfaden.
Unterhalb des
Turmfensters, hinter dem
der Gefangene saß, setzte
sie das Tier an die Mauer.

Dem Honig folgend kroch
der Käfer den Turm
hinauf.
Der Gefangene bemerkte
das Tier, nahm es auf, sah
den Faden und zog daran.
An den Faden war ein
Bindfaden geknüpft,
daran ein Garn, an dem
war ein Tau befestigt.
An dem konnte sich der
Gefangene schließlich in
die Freiheit abseilen.


Ohne Glaube ist der Mensch eingeschlossen in reine Innerweltlichkeit; er sieht nicht den weiten Horizont der Hoffnung und auch keinen Weg über den Tod hinaus. Der Glaube führt in die Freiheit. Dieser Glaube wächst aus kleinen Ansätzen. Selbst kleine, unscheinbare Dinge – wie der Käfer in der Erzählung – können über sich hinausweisen und zu einem Anknüpfungspunkt werden, der mir nach und nach die Welt des Glaubens erschließt. In alltäglichen Dingen kann ich die Fürsorge und Hinwendung Gottes erkennen. Sie werden zu Zeichen seiner Liebe. Wer vertraut und sich auf Gott einläßt, wird mehr und mehr erkennen, wie tragfähig der Glaube ist und daß der Glaube ein Weg in die Freiheit ist.



Glaube ist antwortende Liebe.
Glauben heißt:
Sein Leben auf Gott bauen.

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