Jugendliche Christen mit Fahnen im Altarraum des Freisinger Mariendomes bei der Jugendwallfahrt des Erzbistums München und Freising
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Offenbarung

Wenn Gott die Menschen liebt, dann ist es naheliegend, daß er auch zu ihnen spricht. Liebe ohne Ansprache, Austausch, Mitteilung in Gesten und Worten ist undenkbar. Daher sind Christen überzeugt: Gott spricht Menschen an.

Das erste Wort: Die Schöpfung

Nicht nur Worte sprechen an, sondern auch Erlebnisse, Ereignisse oder Bilder. Auch Gottes Wort ist mehr als das gesprochene Wort.Wenn Gott „spricht", schafft und wirkt er. Ein erstes Wort Gottes ist bereits die Schöpfung. „Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht!“ „Gott sprach und es wurde:“ So heißt es bei allen Schöpfungstaten Gottes. „Gott sah alles an, was er gemacht hatte und es war sehr gut.“ In ihrer Schönheit und Fülle verweist die Schöpfung auf den, der sie gemacht hat. Die Welt ernährt die Menschen, fordert sie heraus, gibt ihnen Raum zur Entfaltung und Bewährung. So erfährt der Mensch schon in und durch die Schöpfung, in der er lebt, zugleich auch Gottes Wohlwollen.


Propheten künden von Gott

Andere Worte spricht Gott durch alle Zeiten hindurch und in allen Religionen durch die Herzen und die Einsicht wacher, sensibler, hellsichtiger Menschen. Deutlicher als andere sehen sie (voraus), wie eine menschliche Welt aussehen muß. Auf diese Weise erkennen und deuten sie den Willen Gottes. Im Judentum, Christentum und Islam nennt man solche Menschen „Propheten". Zu Recht läßt die Bibel diese Männer und Frauen sagen: „So spricht der Herr, unser Gott!"


Jesus, das Wort Gottes

Es ist nicht immer einfach, Gottes Willen zu erkennen und zu erspüren. Wer Gott verstehen möchte, muß oft auch tasten, vermuten und versuchen. Wiein jedem menschlichen Gespräch bleibt Platz für Irrtum, Einbildung oder gar Mißdeutung und Eigenmächtigkeit. Es zeigt die mitfühlende Liebe Gottes, daß er selbst Mensch unter Menschen geworden ist, um so von sich selbst zu erzählen. Christen sagen: Gott hat sich in Jesus ge“offen"bart. Er hat sein Inneres offengelegt. Das „Wort Gottes" schlechthin ist Jesus von Nazareth. Von ihm schreibt Johannes:

„Das Wort (Gott) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt". Und später, in einem Brief: „Was von Anfang an war (nämlich Gott, ist zugleich das), was wir gehört haben, was wir geschaut und mit unseren Händen betastet haben (Jesus von Nazareth), das verkünden wir. Vom Wort des Lebens sprechen wir. Denn das Leben ist erschienen. Wir haben gesehen und bezeugen euch das ewige Leben, das beim Vater war..."

Christen wissen aber auch: Wie Gott sich in Jesus offenbart, das entspricht nicht menschlichen Vorstellungen von einem allmächtigen, ewigen Gott im Himmel: Ein Gott, der Ieidet, alIzu menschlich ist, gar gekreuzigt wird? „Eine Torheit für Heiden" ist das, schreibt Paulus und „ein Ärgernis für die Juden“.

Gott redet mit

In Jesus haben wir Gottes Wort. Dieses Wort ist ein Menschenleben. Mehr: Ein menschliches Leben. Damit offenbart Gott noch einmal den Sinn des Lebens, den Grund einer ganzen Schöpfung: Gott liebt und er sucht das Gespräch. Liebe bedeutet Offenheit und damit Verletzlichkeit. Wer feinfühlig ist, erleidet Schmerzen. Wer sich mitteilt, gibt etwas von sich weg. Wer liebt, ist bereit zu sterben, wenn es sein muß. In der Liebe erweisen sich diese Erfahrungen jedoch nicht als Verlust, sondern als Gewinn. Hingabe und Selbstverwirklichung sind keine Gegensätze. Selbst glücklich werden und andere lieben, das gehört zusammen. Jesus hat es vorgelebt.

Gottes Wort: Die Bibel

Die Lebenserfahrung, die Glaubenseinsichten und prophetischen Deutungen vieler Generationen sind erst mündlich weitergegeben und im Laufe der Zeit auch schriftlich festgehalten worden. Davon zeugt das Alte Testament. Das Neue Testament erzählt vom Leben und Sterben Jesu. Beide Testamente zusammen, das Alte und das Neue Testament, sind die Bibel der Christen.
Wenn Christen vom Wort Gottes sprechen, meinen sie vor allem diese Bibel. Die Bibel ist das Fundament christlichen Lebens. Da diese Worte in der Bibel in Buchstaben übersetzte Lebens- und Glaubenserfahrung sind, genügt es auch nicht, sie nur zu hören oder zu lesen. Wer sie verstehen will, muß sie ins Leben „zurückübersetzen". Glauben ist wie Vertrauen, Hoffnung und Liebe nicht eine Theorie, sondern Leben. Man muß sie „tun", um zu erfahren, was Glaube, Hoffnung und Liebe ist. Dann wird man bestätigt finden, daß Gottes Wort satt macht und daß Menschen nicht vom Brot alleine leben, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.

Wo finde ich Gottes Wort?
Für Christen ist Gottes Wort in der Bibel enthalten. Die wenigsten werden diese Bibel in der Originalsprache lesen können und wollen. Übersetzungen sind aber immer auch Interpretation. Wortwahl und Sprachstil spielen für das Verständnis von Texten eine wichtige Rolle. Die von Wissenschaftlern der großen christlichen Kirchen gemeinsam erarbeitete Übersetzung ist die sogenannte „Einheitsübersetzung“. Informationen über solche verschiedenen Bibelausgaben, u.a.a. über Schul- und Kinderbibeln sowie über begleitende Literatur erhalten Sie beim Katholischen Bibelwerk, Silberburgstr. 121 in 70176 Stuttgart.



Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten. In dieser Endzeit hat er zu uns gesprochen durch seinen Sohn Jesus von Nazareth.

aus: Brief an die Hebräer 1,1
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