Die Kirche
Als Jesus begann, den Menschen von Gott zu erzählen, sammelte er zugleich Freunde und Schüler, Männer und Frauen um sich, mit denen er zusammen durch das Land zog. Gemeinsam erlebten und hörten sie Jesus. Lebenswahrheiten sind keine Theorien. Sie werden erlebt. Ihre Tragfähigkeit bewährt sich im Alltag. Ihre Bestätigung erfahren sie im Tun. Das gilt auch für den Glauben. Niemand glaubt für sich allein. Gerade in Überzeugungen, auf denen das Leben aufbaut, brauchen Menschen gegenseitige Stütze und Bestätigung.
Ein auserwähltes Volk
Darum, so schildert es die Bibel, hat Gott von Anfang an ein Volk erwählt und mit ihm einen Bund geschlossen und immer wieder erneuert; ein Bündnis gegen Tod und Untergang, einen Bund für das Leben.
Gott sprach zu Noah und seinen Söhnen:
Hiermit schließe ich einen Bund mit euch und euren Nachkommen. Und das ist das Zeichen dieses Bundes: „Meinen Bogen (den Regenbogen) setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde."
In Jesus erneuert Gott diesen Bund. Gleichzeitig gibt er ein neues Zeichen: Das Abendmahl, die Gegenwart Jesu unter den Gestalten von Brot und Wein... „Dies ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes."
Wenn Gott einzelne Menschen beruft, dann im Dienst für das Ganze. Auch das auserwählte Volk Israel, bzw. die Kirche sind nur auserwählte Werkzeuge, über die sich Gott allen Menschen zuwendet und mitteilt. Gott will keine „geschlossene Gesellschaften,“ sondern „das Heil der ganzen Welt.“ Das Wohlwollen Gottes reicht bis an die Grenzen der Erde und darüber hinaus. Der griechische Begriff „katholisch" bedeutet: weltweit, erdumfassend. Aber solche Ziele erreichen Menschen nur in solidarischer Gemeinschaft, die sie im Leben und Glauben trägt und stützt. Darum ist die Kirche für katholische Christen nicht Last und Zwang, sondern Hilfe.
Jesus lebt in der Kirche
Kirche bedeutet für Christen aber noch mehr. Sie ist nicht nur eine soziologische Größe, eine Institution, die den Glauben durch die Zeit trägt, sie ist nicht nur eine Lebenshilfe und psychologische Stütze. Jesus hat Menschen zusammengerufen. Er hat sie untereinander verbunden, ein Netz geknüpft, Verbindungen geschaffen und sie zu einer Einheit zusammengeschweißt, deren Herz und Seele, deren Leben und Kraft er selbst ist. Man kann sagen: Die Kirche ist der weiterlebende Christus. Paulus schreibt in der Bibel:
Kirche ist ein lebendiger Leib.
Jesus ist das Haupt, wir sind die Glieder.
Kirche ist ein Organismus, der auf dieser Erde wirkt und zugleich in den Himmel reicht: Auch die verstorbenen Christen leben weiter und gehören zu diesem Leib dazu. Die ersten Apostel und die Kinder, die gerade gestern getauft wurden: Sie alle sind vereint in diesem einen lebendigen Leib. „Das Haupt", ist Jesus. Er wirkt in und durch die Kirche.
Die Heiligen der Kirche
Die Verstorbenen im Himmel, die für immer bei Gott leben, nennen Christen „Heilige.“ Unter ihnen ragen am meisten heraus Maria, die Mutter Jesu und die Apostel. Auch im außerchristlichen Bereich bekannt und teils auch verehrt sind zum Beispiel der hl. Franziskus, die hl. Elisabeth, der hl. Martin oder der hl. Nikolaus. Aber wenn Katholiken Heilige „verehren“, dann ist das grundverschieden von jeder Gottesverehrung. Gott allein gebührt Anbetung. Alles andere ist Götzendienst. Heilige sind und bleiben Geschöpfe Gottes, die ihre Heiligkeit nicht dem eigenen Bemühen und der eigenen Leistung verdanken, sondern allein Gott, dem sie sich in ihrem Leben geöffnet haben. Sie haben Gott – wie es die Bibel nennt – in sich eine Wohnung gegeben. Paulus schreibt: Gott wohnt in ihrem Herzen wie in einem Tempel. Anders als die Umgangssprache heute nennt Paulus allerdings alle getauften Menschen „Heilige". Denn in allen ist Gott gegenwärtig! Heute bezeichnet die Kirche jene Menschen „Heilige", in deren Leben und Tun Gott durchscheint und seine hilfreiche Gegenwart erfahrbar wird. Es liegt auf der Hand, daß ein solches Urteil normalerweise erst nach dem Ende eines Lebens gefällt werden kann.
In besonderer Weise gilt all das von Maria, der Mutter Jesu. Sie ist in ihrem Glauben und Vertrauen allen Christen ein besonderes Vorbild. Katholiken nennen sie darum „Urbild der Kirche". Die Heiligen „verehren" Christen am besten, indem sie ihrem Beispiel folgen. Weil in deren Leben und Handeln Gott selbst sichtbar wird, verehren wir in den Heiligen letztlich Gott selbst.Heiligenverehrung verdrängt Christus nicht aus der Mitte des Glaubens, sondern führt zu ihm hin.
Die eine und die vielen Kirchen
Es liegt auf der Hand, daß eine so verstandene Kirche eine Einheit sein muß. Die in der Geschichte erfolgten Trennungen und Spaltungen sind eine schwere Hypothek. Die Einheit des Leibes Christi wiederherzustellen ist die dringlichste Aufgabe aller Christen. Einheit meint nicht Uniformität. Der Glaube kann und muß sich in verschiedenen Ausdrucksformen verwirklichen. In den Grundwahrheiten jedoch kann kein Gegensatz bestehen. Für die katholische Kirche ist der Papst der Garant der Einheit. Für ihn gilt, was Jesus Petrus zugesichert hat:
„Du bist Petrus
und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen,
und die Mächte der Unterwelt
werden sie nicht überwältigen.
Alles, was du auf Erden binden wirst,
das wird auch im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch
im Himmel gelöst sein."
Kirche und Reich Gottes
Das Reich Gottes ist nah! Diese Zusage steht am Beginn der Predigttätigkeit Jesu. Reich Gottes meint: Gott selbst ist da. Schon jetzt ist ein Leben möglich, in dem Gottes Gesetze gelten: Liebe, Barmherzigkeit, Freundlichkeit, Frieden, Geschwisterlichkeit. Anfanghaft ist es schon da; wie ein Same, wie ein Keim: Es wird wachsen, groß werden und sich durchsetzen.
Die Kirche ist Dienerin dieses Reiches. Sie ist dessen Platzhalterin. Sie hält die Erinnerung wach. Sie hat die Hoffnung auf diese Zukunft hochzuhalten. Sie soll denen den Rücken stärken, die es wagen, sich auf Gott und sein Reich einzulassen. Wenn das Reich Gottes in der Welt wächst, kann die Kirche kleiner werden. Wo Gott selbst seinen Fuß hinsetzt, kann und muß die Kirche zurücktreten.
So wie ein kleiner blauer Farbtropfen in einem großen Glas blauer Tinte „untergeht", so ist es paradoxerweise Ietztlich Ziel und Aufgabe der Kirche, sich in ihrer irdisch-geschichtlichen Gestalt überflüssig zu machen.
Aus einem Brief an die kgi:
In einem ersten Brief schreibt ein Student: „Ich wäre durchaus bereit, mich mit Jesus auseinanderzusetzen. Aber mit Kirche bleiben Sie mir bitte vom Hals!"
Ein dreiviertel Jahr später: „In N. habe ich eine Gruppe gläubiger Menschen gefunden. Im Kontakt mit ihnen haben sich manche Schwierigkeiten wie von selbst gelöst. Nun weiß ich, daß Glaube ohne Kirche auf Dauer nicht möglich ist!"
Wie lerne ich Kirche kennen?
Kirche lernt man vor allem mit und in ihrem Tun kennen und weniger aus Büchern, Zahlen und Statistiken. Kirchliches Tun geschieht vor allem in der Liturgie, im gottesdienstlichen Feiern. Besuchen Sie Gottesdienste, schauen und hören Sie zu. Fragen Sie auch nach kirchlichen Gruppierungen und Gemeinschaften (zum Beispiel für Jugendliche, junge Ehen und Familien oder ältere Menschen).
Kirche zeigt sich aber auch in sozial-caritativen Angeboten wie in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegeheimen, Kinderhorten und vielfältigen Beratungseinrichtungen. Über diese Dienste und die Menschen in ihnen lernen Sie Kirche kennen.
Informieren Sie sich in den Pfarrgemeinden nach deren sozialen Initiativen, bei denen Sie ehrenamtlich mitarbeiten könnten.