Jugendliche Christen mit Fahnen im Altarraum des Freisinger Mariendomes bei der Jugendwallfahrt des Erzbistums München und Freising
Was Katholiken glauben
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Das Gebet

Miteinander reden ist das Normale. Es ist kaum zu ertragen, wenn Menschen, die miteinander leben, sich nichts mehr zu sagen haben. Andererseits müssen Menschen, die sich gern haben, nicht dauernd miteinander sprechen. Liebende können einander auch ohne Worte „verstehen". Es genügt, wenn sie sich einander nahe wissen. Aber die Erfahrung zeigt: Empfindungen möchten auch in Worten ihren Ausdruck finden.

Gebet ist Beziehung

Wichtiger aber als Worte ist das Interesse aneinander, die Wachheit und Offenheit füreinander. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Gott und Mensch. Worte sind nicht das Entscheidende. Manche sagen: Ich kann nicht beten; ich weiß nicht, was ich sagen soll. So warnt Jesus vor denen, die viele Worte machen, aber ihr Herz nicht wirklich Gott öffnen. Daher kann auch der sich mit Gott im Gebet verbunden fühlen, der keine Worte findet und nicht weiß, „was er sagen soll!" „Seine Seele in die Sonne halten", auch das ist Gebet.

Gott hat das erste Wort

Normalerweise umschreibt man das Beten als „Sprechen mit Gott". Manche Christen verstehen dies so, als müßten sie reden und sind verunsichert, wenn Gott nicht „antwortet". In Wirklichkeit aber eröffnet Gott das Gespräch. Gott hat das erste Wort. Antworten ist dann leichter. Er spricht zu Menschen nicht nur in den Worten der Bibel, sondern in allem, was uns begegnet: In den Ereignissen des Tages, in den Menschen, mit denen wir zusammentreffen; in den Kleinigkeiten des Alltags. Alles das kann eine An-Frage, eine An-Rede und ein An-Spruch Gottes sein, auf die ich antworten und reagieren kann. Der Glaube an Gott macht den Menschen bereit, in allem mehr zu hören und mehr zu sehen, als es auf den ersten Blick scheint. Der Betende läßt das Leben um ihn herum, Menschen und Ereignisse, Dinge und Gedanken in sich einsinken. Er schaut tiefer. So kann die Welt und das Leben durchsichtig auf Gott werden.
Gebet ist antwortender Glaube

Darum ist es sogar gut, wenn am Anfang des Gebetes das Schweigen steht. In der Stille wird das Hören leichter. So werden die Themen – von Gott – durch unsere Erlebnisse vorgegeben. Darum geht der Stoff nie aus. Immer wieder bietet sich Anlaß vor allem für Dank und Lob und auch für das Bitten. Im Gebet geht es nicht vorrangig darum, daß der Mensch Gott an seine Not erinnern müßte. Gott weiß, was wir brauchen. Vielmehr ist es wichtig, daß der Mensch sich daran erinnert, daß er Gott braucht, daß er ihm dankt und ehrt für all das, was er uns tut. Das Bittgebet mag uns Menschen näher liegen, Gott angemessener ist der Lobpreis.

Könnten Sie folgendes Gebet nachvollziehen?
„ Gott, guter Vater,
ich möchte immer mehr erfahren,
daß Du mir nahe bist.
Mach mich hellhörig für Deine Stimme
in allem, was mir begegnet und gib mir
die Kraft, zu tun, was ich als gut
und richtig erkannt habe.“


Erhört Gott Gebete?

Die Erhörung des Gebetes kann ganz anders ausfallen, als Menschen es sich wünschen. Oft ist das, was einem zum Guten geschieht, nicht das, was man sich zunächst erhofft und vorgestellt hat. Schnell argwöhnt man dann: Gott hat mich nicht erhört. Andererseits scheuen sich Gläubige oft, zu gestehen, daß ihr Gebet erhört worden sei. Es ist eine gute Regel, jedes Bittgebet und jede Klage mit dem Wort Jesu zu beenden: „Vater, nicht mein Wille, sondern Dein Wille geschehe!" Gott weiß am Besten, was gut für uns ist. Das wichtigste Gebet der Christen ist das Gebet, das Jesus selbst sie zu beten gelehrt hat. Das „Vater unser" lautet:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

AMEN.

Ich kann nicht beten!
Suchen Sie Kontakt zu Menschen, die beten oder zu einem Seelsorger, zu einer Seelsorgerin. Warum jemand nicht beten kann, es aber gerne möchte, welche Art des Betens ihm vielleicht möglich ist, welche Zugänge zum Gebet für ihn geeigneter sein können – das sind Fragen, die sich leichter im Gespräch klären lassen.



Es gibt keine menschliche Beziehung ohne Gespräch.
Es gibt keine Beziehung zu Gott ohne Gespräch.
Das Gespräch mit Gott nennen Christen „Gebet“.



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