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Geschichte der Erzdiözese


Fast 1100 Jahre lang war nicht München, sondern die alte Bischofsstadt Freising der geistliche Mittelpunkt des Bistums. Zusammen mit Salzburg, Regensburg und Passau hat der heilige Bonifatius im Jahr 739 das Bistum Freising errichtet.



Anfänge des Glaubens
Christlichen Glauben gab es in dieser Gegend schon lange vor Bonifatius. Römische Soldaten und Kolonisten waren die ersten, die das Kreuz als Zeichen des Heils in das Gebiet unserer Heimat brachten. Später kamen iro-schottische Wandermönche von der grünen Insel herüber. In dem Augenblick, da im 6. Jahrhundert der festgefügte Stamm der Baiern ins Licht der Geschichte rückt, ist ihnen das Christentum nicht mehr fremd.

Korbinian von Freising
Mit Sicherheit war das Herrschergeschlecht der Agilolfinger von Anfang an christlich. Die Herzöge dieses Hauses bemühten sich mit allem Nachdruck um eine feste kirchliche Organisation ihres Landes. Herzog Grimoald holte den fränkischen Bischof Korbinian nach Freising, und als dieser eintraf, stand schon die Domkirche neben der herzoglichen Pfalz. Bonifatius konnte im Auftrag Papst Gregors III. einem Bistum feste rechtliche Formen verleihen, die lange vorbereitet waren. Im heiligen Korbinian hat die Diözese Freising von Anfang an ihren geistlichen Vater gesehen. Er kam um 724 vom Frankenreich, aus der Gegend um Paris, an die Herzogspfalz an der Isar. Für kurze Zeit musste er nach Mais bei Meran fliehen, kehrte aber wieder zurück und starb um 730 in Freising. Die Erzdiözese München und Freising verbindet seit 1992 eine enge Freundschaft mit ihrer französischen Partnerdiözese Evry, deren Bistumspatron ebenfalls der heilige Korbinian ist.

Freisinger Kultur und Mission
Nach der formellen Gründung von 739 erlebte das junge Bistum rasch eine hohe kulturelle Blüte. Vor allem unter dem großen Bischof Arbeo (764 - 783) wurde der Freisinger Domberg zum Mittelpunkt altbayerischer Gelehrsamkeit, in der sich antikes Erbe und neue bodenständige Kräfte begegneten. Eine Reihe von Klöstern, darunter das berühmte Kloster Tegernsee, förderten Kultur und Seelsorge in allen Teilen der Diözese. Kaum in sich selbst gefestigt ging von der Freisinger Kirche schon früh eine ansehnliche Missionstätigkeit im Bereich der ostalpenländischen Slawen aus, zuerst in Innichen (769), später in Kärnten und Krain.

Mittelalter
Die Ungarnkämpfe des 10. Jahrhunderts brachten einen schweren Rückschlag für Bistum und Klöster. In dieser Zeit saß auf dem Freisinger Bischofsstuhl der heilige Lantbert (937- 957). Das Volk verehrte ihn als eine große Betergestalt und betrachtete die Rettung des Dombergs in schwerer Kriegszeit als Frucht seines Gebetes. Lantberts Nachfolger, Bischof Abraham (957- 994), gelang es, die Ausbildung der Kleriker, die Seelsorge im Volk, Mission und wissenschaftliche Bildung wieder auf eine hohe Stufe zu führen. Aber schon bald litt das Bistum im Investiturstreit unter neuen Wirren. Als sich Bischof und Gegenbischof bekämpften, schrieb ein Mönch in Weihenstephan verzweifelt, niemand könne mehr unterscheiden, wo Recht und Unrecht sei.

Es fehlte der Freisinger Kirche im Mittelalter aber auch nicht an großen Bischöfen, die immer wieder einen geistlichen Durchbruch erzielten. Der bedeutendste unter ihnen ist Bischof Otto I. (1138 - 1158). Er war nicht nur der berühmteste Geschichtsschreiber des hohen Mittelalters, sondern in erster Linie Seelsorger, dem die Priesterausbildung und die pastorale Betreuung des Volkes als höchste Verpflichtung galten. Im späten Mittelalter machte sich Johannes Grünwalder als Generalvikar (1423) und Bischof (1448-1452) um die Reform der Klöster im Bistum verdient. Auf dem Konzil von Basel galt er als geschätzter Theologe.

Glaubensspaltung und kirchliche Erneuerung
Im Zeitalter der Reformation blieb der gesamte Bereich des Bistums Freising katholisch. Nur die freie Grafschaft Haag und die Herrschaft Hohenwaldeck um den Schliersee waren für kurze Zeit zur evangelischen Konfession übergetreten. Die Religionspolitik der bayerischen Herzöge verhinderte eine weitere Ausbreitung des neuen Bekenntnisses. Die Reformgedanken des Tridentinischen Konzils kamen in breiterem Umfang erst unter Bischof Veit Adam (1618-1651) zum Durchbruch. Vornehmster Repräsentant des barocken Freising wurde Bischof Johann Franz Eckher (1696-1727). Er hat durch die Brüder Asam dem Dom ein neues Gewand geben lassen. Aber die Einrichtung eines guten Seminars, die Förderung karitativer Werke und die Hirtenreisen durch das Bistum waren ihm nicht weniger wichtig, als seine Liebe zur Kunst und Geschichte.


Das neue Erzbistum
Mit dem Ende der alten Reichskirche war 1803 auch der Abend des Bistums Freising angebrochen. Nach dem Tod des letzten Fürstbischofs Joseph Konrad von Schroffenberg (1789-1803) blieb die Diözese 18 Jahre ohne Oberhirten. Mit dem Bayerischen Konkordat von 1817 und der Veröffentlichung der Cirkumskriptionsbulle von 1821 trat das neue Erzbistum München und Freising die Nachfolge der alten Freisinger Diözese an. Das neue Erzbistum gewann um diese Zeit mit dem gesamten Rupertiwinkel einen beachtlichen Gebietszuwachs. Da Diözesan- und Landesgrenzen in Einklang gebracht wurden, kamen einige Pfarreien auf Tiroler Gebiet zu Brixen und Salzburg. München erhielt dafür aber fast alle in Bayern gelegenen Gebiete des alten Erzbistums Salzburg, des Bistums Chiemsee und die ehemalige Fürstpropstei Berchtesgaden.

Seitdem haben 13 Erzbischöfe die Kirche von München und Freising geleitet. Kardinal Michael von Faulhaber (1917-1952) führte sie durch die schwere Zeit des Dritten Reiches. Kardinal Joseph Wendel (1952-1960) hat den Eucharistischen Weltkongress von München ausgerichtet. Kardinal Julius Döpfner (1961-1976) war während seiner Amtszeit zugleich einer der vier Moderatoren auf dem II. Vatikanischen Konzil und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal Joseph Ratzinger (1977-1982), der jetzige Papst Benedikt XVI., konnte 1980 Papst Johannes Paul II. in München begrüßen.

Erneuerung der Seelsorge und Stärkung der Stellung der Frauen
Kardinal Friedrich Wetter leitete seit 1982 die Diözese. Dabei setzte er Schwerpunkte bei der inneren und auch äußeren Erneuerung der Kirche. So hat er zur Erneuerung der Seelsorge unter anderem das „Pastorale Forum“ einberufen, das in vier Sitzungsperioden zwischen 1991 und 1994 wichtige Fragen der Zukunft der Gemeinde aufgegriffen und an die Seelsorgepraxis weitergegeben hat. Kardinal Wetter hat auch den entscheidenden Anstoß zur grundlegenden Sanierung der durch Bomben im Zweiten Weltkrieg schwer geschädigten und beim schnellen Aufbau durch viele Mängel beeinträchtigten Münchner Frauenkirche gegeben. Anlässlich der 500-Jahrfeier der Weihe der Frauenkirche kamen mehrere zehntausend Menschen zu festlichen Gottesdiensten in die erneuerte Kathedrale. Auch der Freisinger Mariendom, einer der ältesten und bedeutendsten deutschen Dome, wurde in Wetters Amtszeit grundlegend saniert.

Während der Amtszeit von Kardinal Wetter wurden drei Personen seliggesprochen, die in jüngster Vergangenheit im Erzbistum wirkten: die Begründerin der weltweit verzweigten Kongregation der Armen Schulschwestern und Pionierin des Modernen Schulwesens in Deutschland, Karolina Gerhardinger, im Jahr 1985, der populäre Sozialapostel und Männersseelsorger Münchens und Kämpfer gegen den Ungeist des Nationalsozialismus, Jesuitenpater Rupert Mayer, (anlässlich der Seligsprechung von Pater Rupert Mayer kam sogar Papst Johannes Paul II. 1987 zum zweiten Mal nach München) und der aus Berchtesgaden stammende, in der Volksfrömmigkeit verwurzelte Redemptoristenpater Kaspar Stanggassinger im Jahr 1988.

Besonders wichtig war dem Kardinal die Stellung der Frauen in der Kirche. Er berief die erste Frau in einem bayerischen Bistum in die leitende Funktion einer Ordinariatsrätin und setzte eine eigene Frauenkommission ein, die frauenspezifische Themen behandelt. Gleichzeitig verbesserte er die Kontakte zu allen Frauen und Männern in künstlerischen Berufen. So gab er dem traditionellen „Aschermittwoch der Künstler“ ein neues öffentlichkeitswirksames Profil. Der kirchliche Charakter dieses Tages als Beginn der 40-tägigen Vorbereitungszeit auf das Osterfest wurde so wieder mehr Menschen bewusst gemacht.

Mit dem Amtsantritt des neuen Erzbischofs Reinhard Marx am 2. Februar 2008 endete nach 25 Jahren die Amtszeit von Kardinal Friedrich Wetter als Oberhirte des Erzbistums München und Freising. Papst Benedikt XVI. hatte mit Wirkung vom 2. Februar 2007 seinen Amtsverzicht als Erzbischof von München und Freising angenommen.



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