Kriegs- und Einmarschberichte dokumentieren das Kriegsende in Oberbayern
Gefragte Dokumentation des Erzbistums für Geschichtsforschung vor Ort
München, 5. Mai 2010. Die Kriegs- und Einmarschberichte der Pfarrer des Erzbistums München und Freising bilden eine wichtige Quelle für die Geschichtsforschung zum Kriegsende 1945 in Oberbayern. Wie der Direktor des Archivs des Erzbistums, Peter Pfister, im Blick auf den 65. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai mitteilte, war die Nachfrage nach der im Jahr 2005 erschienenen Dokumentation so groß, dass jetzt ein Nachdruck erforderlich wurde. Jeder Pfarrei, jedem Ort und jedem einzelnen Interessierten soll der Zugang zu diesen Dokumenten ermöglicht werden.
Im Juni 1945 hatte der Generalvikar im Auftrag des damaligen Erzbischofs von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber, alle Seelsorger des Erzbistums angewiesen, über die letzten Kriegsmonate sowie über Ablauf und Begleitumstände des Einmarsches der US-Armee in den einzelnen Seelsorgsbezirken zu berichten. Die rund 560 im Archiv des Erzbistums erhaltenen Berichte bieten eine Fülle von Informationen. Die Pfarrer waren unmittelbare Zeugen der konkreten Ereignisse vor Ort. Die Berichte ermöglichen so eine teilweise neue Sicht auf die epochale Wende des Jahres 1945. Unter anderem ist hier von den letzten Kampfhandlungen und vom Ringen um das Hissen der weißen Fahne am Kirchturm die Rede, ebenso von Reaktionen der Bevölkerung auf die „Todesmärsche“ von KZ-Häftlingen und von den ersten Begegnungen zwischen Einheimischen und US-Soldaten. Zugleich sind die Berichte aufschlussreiche Zeugnisse dafür, wie Krieg und Kriegsende von den Geistlichen und der bayerischen Bevölkerung überhaupt bewertet wurden.
Die vom Archiv des Erzbistums herausgebrachte Gesamtedition umfasst 1.498 Seiten in zwei Teilbänden und bietet die vollständigen Texte aller erhaltenen Berichte. Außerdem finden sich darin eine Einleitung zu deren Entstehung und Quellenwert und ein historischer Überblick über Kriegsende und Neubeginn in Bayern. Die Dokumentation ermöglicht es, das Kriegsende nahezu Ort für Ort nachzuvollziehen.
Seit ihrer ersten Veröffentlichung 2005 haben die Kriegs- und Einmarschberichte vielfache Beachtung gefunden. Inzwischen ist es Standard, sie beim Abfassen einer Orts- oder Pfarrgeschichte heranzuziehen und auszuwerten. Textausschnitte und Abbildungen wurden auch in Geschichtsbücher für die bayerischen Schulen aufgenommen. Besonders erfreut zeigt sich Pfister, dass sich in den letzten fünf Jahren viele junge Menschen – Schülerinnen, Schüler und Studierende – mit diesen Texten beschäftigt haben. Herausragend ist in diesem Zusammenhang das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte „Denkwerk-Projekt - Die letzten und die ersten Tage. Amerikaner und Bayern begegnen sich“. In Rahmen des Projekts haben Schulklassen aus Vaterstetten, Bad Aibling, Traunstein und Wasserburg mit den Kriegs- und Einmarschberichten gearbeitet und ihre Aussagen mit Dokumenten der US-Militärregierung verglichen. Daraus entstanden ein „Geschichtsbuch von Schülern für Schüler“ zum Kriegsende im Landkreis Ebersberg und eine Wanderausstellung, die bereits an mehreren Orten gezeigt wurde. Informationen dazu gibt es auch unter
www.erzbistum-muenchen.de/dioezesanarchiv.
Die Edition ist zum Preis von € 29,90 über jede Buchhandlung erhältlich: Peter Pfister (Hrsg.), Das Ende des Zweiten Weltkriegs im Erzbistum München und Freising. Die Kriegs- und Einmarschberichte im Archiv des Erzbistums München und Freising, Regensburg 2005. (rg/ua)