Kardinal Wetter fordert Erneuerung der Kirche
Die Zeichen der Zeit erkennen und den Willen Gottes entdecken
Emeritierter Erzbischof seit 25 Jahren Kardinal – Pontifikalamt im Liebfrauendom
München, 23. Mai 2010. Einen Appell zur Erneuerung der Kirche richtete Kardinal Friedrich Wetter zum Pfingstfest, an dem alle christlichen Konfessionen die Herabkunft des Heiligen Geistes feiern, an Gläubige, Priester und Bischöfe im Münchner Liebfrauendom. Der Kardinal feierte aus Anlass des 25. Jahrestages seiner Kardinalsernennung am Pfingstsonntag, 23. Mai, das Pontifikalamt in Konzelebration mit Erzbischof Reinhard Marx, den Weihbischöfen Engelbert Siebler, Bernhard Haßlberger und Franz Dietl sowie den beiden früheren Generalvikaren Gerhard Gruber und Robert Simon. „Die Geschichte lehrt uns: Erneuerungen der Kirche haben stets von innen begonnen, mit der Umkehr der Herzen“, sagte Wetter in seiner Predigt.
Der Heilige Geist, der in Zeichen von Sturm und Feuer auf die Apostel in Jerusalem herabkam, wirke auch heute in vielfältiger Weise, sagte Wetter. „In der Gabe des Heiligen Geistes schenkt sich uns Gott selbst. Durch den Geist wird er in einer für uns unbegreiflichen Weise gegenwärtig.“ Gott wohne durch seinen Geist in der Kirche und in jedem Christen. Es gehöre zum katholischen Glauben, dass die Kirche heilig sei. In letzter Zeit seien Vorgänge offenkundig geworden, die mit Heiligkeit nicht zu tun hätten, sondern deren Gegenteil, nämlich Versagen und Sünde. „Die Kirche ist nicht heilig durch uns, sondern durch die Gegenwart des Heiligen Geistes in ihr“, so der Kardinal. „Darum müssen wir jeden Tag beten: Vergib uns unsere Schuld!“
Jesus fordere dazu auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen und den Willen Gottes zu entdecken. Die Vorgänge der letzten Wochen und Monate zeigten, dass sich die Kirche erneuern und ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen müsse. „Die Kirche muss sich erneuern, das heißt, wir müssen uns erneuern.“ Die Kirche brauche vom Geist Gottes erneuerte Herzen, die Gott schon durch den Propheten Ezechiel versprochen habe: „Ich schenke euch ein neues Herz und legen einen neuen Geist in euch…“ (Ez 36,26).
Die Kraft des Heiligen Geistes zeige der Kirche und der ganzen Welt, dass Christus der Herr sei. Diese Macht sei nicht Gewalt, die zerstört, sondern Liebe, die aufbaut. Vor allem die Priester und Bischöfe forderte Wetter auf, in ihrem Leben die Liebe Christi aufleuchten zu lassen: „Nicht herrschen, sondern dienen; nicht auf uns bedacht sein, sondern für andere da sein; bescheiden und hilfsbereit andern gegenübertreten. Das betrifft alle, besonders jedoch uns, die Diener der Kirche.“ Die eigene Hilflosigkeit und Zerbrechlichkeit dürfe nicht mutlos machen, sagte der Kardinal. Im Talmud, dem Hauptwerk jüdischer Lebensordnung, heiße es, Gott fülle zerbrochene Gefäße. Was Gott an Pfingsten in Jerusalem begonnen habe, tue er auch heute: „Er gießt seinen Geist in unsere zerbrochenen Herzen und füllt sie mit seiner Gegenwart.“ (ua)