Die 1955 geweihte Pfarrkirche St. Laurentius in München-Gern war einer der wegweisenden Kirchenbauten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - weit über die Diözesangrenzen hinaus: Wesentliche Merkmale der Kirche sind der freistehende Altar als räumlicher Mittelpunkt und geistiges Zentrum. Damit waren zu einem sehr frühen Zeitpunkt bereits wesentliche Elemente der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vorweggenommen. Inzwischen zählt die Münchener Pfarrkirche St. Laurentius längst zu den „Klassikern“ der Kirchenarchitektur des 20. Jahrhunderts.
Programmatischer Kirchenbau:
Die nicht sehr große Kirche und die durch einen gedeckten Gang mit ihr verbundenen Nebengebäude (Jugendräume, Gemeindesaal, Pfarrhaus) liegen unauffällig in einer Senke auf einem Wiesengrundstück mit altem Baumbestand nahe dem Nymphenburger Kanal.
Der Verzicht auf Dominanz beim Bau einer neuen Kirche in der Großstadt hatte programmatischen Charakter. Anstelle eines Kirchturms hängen drei Glocken in einem an die Nordost-Ecke angefügten gemauerten Bogen. Das vergoldete Kreuz auf dem Südgiebel macht das Gebäude als Kirche kenntlich. Bescheiden ist auch das Material des Baus: Ziegel, die außen unverputzt sichtbar blieben und im Inneren weiß geschlämmt sind.
Der Entwurf stammt von den Architekten Emil Steffann und Siegfried Östreicher. Die Kirchenweihe erfolgte am 27. November 1955 durch Kardinal Wendel.
Der schmale, niedrige Vorraum dient an seiner Nordseite zugleich als Sakramentskapelle; nach Osten schließt sich die gewölbte Taufkapelle an. Vom Vorraum aus öffnet sich der Blick durch fünf große Rundbögen in den hohen, querrechteckigen Kirchenraum, der nach Westen durch eine Apsis erweitert ist.
Der freistehende Altar ist auf einem Stufenpodest weit in die Mitte des Kirchenraums vorgeschoben, so dass er auf drei Seiten von den Kirchenbänken umgeben wird. Er wird so zugleich als räumlicher Mittelpunkt und geistliches Zentrum der Kirche erfahrbar, um das sich die zum Mahl geladene Gemeinde versammelt. In der Apsis steht die halbrunde Bank für die Liturgen. Diese Anordnung nahm fast zehn Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die liturgischen Veränderungen der nachkonziliaren Liturgiereform vorweg.
Die Ausstattung der Kirche:Der durch seine Proportionen und sein „menschliches Maß“ wirkende Kirchenraum besitzt nur wenige, doch besonders sorgfältig gestaltete Ausstattungsstücke.
Hervorgehoben und zugleich deutlich geschieden sind der Altar als Ort der Eucharistiefeier und der Ort des Wortgottesdienstes mit einem bronzenen Lesepult von Max Faller.
Der eucharistischen Anbetung dient der Tabernakel (von Fritz Schwerdt), hinterfangen von einem Lebensbaum-Mosaik von Karl Knappe (ausgeführt von der Mayer’schen Kunstanstalt, München).
Der eigens für die Taufspendung geschaffene liturgische Ort besitzt in seinem eingetieften Zentrum einen Taufbrunnen aus Jurastein (von Georg Probst) mit ständig fließendem Wasser. Darüber schwebt eine Heiliggeist-Taube von Max Faller, von dem auch der bronzene Osterleuchter stammt. Seine Reliefs zeigen den Zug des Volkes Gottes von seinen irdischen Wohnstäten hin zum neuen Jerusalem und zur Herrlichkeit Gottes. Die zur Taufe benötigten Öle werden in einer Wandnische verwahrt.
Eine Holzfigur des 15. Jahrhunderts am Durchgang vom Vor- zum Hauptraum zeigt den Kirchenpatron Laurentius. Die Marienstatue, die seitlich des Altarpodiums mit einer Gelegenheit zum Anzünden von Kerzen aufgestellt ist, entstand um 1500 und ist eine Leihgabe der Pfarrei Weihenlinden-Högling.
Nähere Informationen:- Pfarrgemeinde St. Laurentius 1954-1964, München 1964
- Birgit-Verena Karnapp, Kirchen. München und Umgebung nach 1945, München-Berlin 1996, 53-55
Kontakt:
Kath. Pfarramt St. Laurentius, Nürnberger Straße 54, 80637 München
Tel.: 089 / 159397-0; Fax: 089 / 159397-17
Fotonachweise:- Das erste Foto (Außenansicht) ist entnommen aus: "Kirchliche Kunst der 50er und 60er Jahre in Bayern, Sachsen, Württemberg und der Pfalz." Kalender der LIGA Bank für das Jahr 2002, Regensburg 2002, hier Foto für Kalenderblatt August.
- Das zweite Foto (innenansicht) findet sich in: Birgit-Verena Karnapp 1996 (siehe oben), S. 53.
Dr. Roland Götz
Archiv des Erzbistums München und Freising