Kirche von innen in farbiger Ausleuchtung
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Stadtpfarrkirche St. Sylvester, München-Schwabing


Einer der ältesten Kirchenorte Münchens
Der Heilige Sylvester als Patron der Tiere in Haus und Hof

In Alt-Schwabing, am Rand des Englischen Gartens (Biedersteiner Straße 1), liegt die reizvolle Baugruppe der Pfarrkirche St. Sylvester, in der die kleine alte Schwabinger Dorfkirche mit einem größeren Neubau von 1925/26 verbunden ist.


Das Patrozinium:
Ältester Patron der Schwabinger Kirche dürfte der Hl. Johannes der Täufer gewesen sein, der dann von der Märtyrin und Schiffer-Patronin Ursula abgelöst wurde. Der Hl. Sylvester ist seit 1655 als Nebenpatron nachweisbar. 1897 wurde die neue Schwabinger Ursulakirche errichtet, und schließlich 1921 eine Pfarrei bei der alten Kirche: Deren Hauptpatron war nun der Hl. Sylvester.

Über Papst Sylvester I. (314-335) besitzen wir nicht sehr viele historische Nachrichten. In der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian scheint er sich standhaft bewährt zu haben. Sein Pontifikat ist geprägt von einer weltgeschichtlichen Wende: Der Hinwendung des römischen Kaiser Konstantins I. (306-337) zum Christentum. Der Kaiser förderte in außerordentlichem Maß Bau und Ausstattung von Kirchen in Rom, u.a der Lateranbasilika und der Peterskirche. Papst Sylvester starb am 31. Dezember 335 und wurde in einer der römischen Katakomben bestattet. Diese trägt vermutlich seit dem 6. Jahrhundert seinen Namen. Er ist einer der ersten Heiligen, die nicht aufgrund eines Martyriums, sondern als „Bekenner Jesus Christus“ verehrt wurden.

Eine durch Jahrhunderte sehr verbreitete Legende besagt, der noch heidnische Kaiser Konstantin sei vom Aussatz befallen gewesen und von Papst Sylvester – an den er sich nach einem Traum wandte - durch die Taufe geheilt worden. Daraufhin habe der Kaiser das Christentum gefördert, ja dem Papst und allen seinen Nachfolgern sogar die Herrschaft über die Stadt Rom und die ganze Westhälfte des Reiches übertragen, während er sein politisches Machtzentrum in den Osten, nach Konstantinopel verlegte. Weitere Legenden handeln von der Überwindung eines Drachens (Sinnbild des Sieges des Christentums über das Heidentum) und von der Wiedererweckung eines von heidnischen Magiern durch Beschwörung getöteten Ochsen: Dies führte zur Verehrung Sylvesters auch als Viehpatron.


Zur Geschichte Schwabings:
Das Dorf Schwabing ist (mit einer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 782) um Jahrhunderte älter als die Landeshauptstadt München, in die es 1890 eingemeindet wurde. Kirchlich gehörte diese Fischer-, Schiffer- und Bauernsiedlung lange zum Gebiet der Pfarrei Sendling. Erstmals ist eine Kirche in Schwabing als Filiale von Sendling in einer Freisinger Bistumsbeschreibung von 1315 bezeugt. Die Seelsorge wurde lange durch einen Kooperator vom fernen Sendling aus geleistet. 1811 wurde Schwabing zur selbstständigen Pfarrei erhoben (mit damals rund 650 Pfarrangehörigen). Das rasche Anwachsen der Bevölkerung ließ schon Mitte des 19. Jahrhunderts Pläne zu einer Erweiterung der Pfarrkirche entstehen. 1894-97 wurde dann im Westen der Pfarrei die neue Pfarrkirche St. Ursula gebaut, die fortan Mittelpunkt des pfarrlichen Lebens war. Bei der alten Ursula-Kirche errichtete man 1920 einen eigenen Kuratie-Bezirk und im Jahr darauf die Stadtpfarrei unter dem Patrozinium St. Sylvester.


Die Kirche:
Wohl schon im frühen Mittelalter stand am erhöhten Isarufer der erste Kirchenbau, von dem sich jedoch keine Reste erhalten haben. Aus der Zeit um 1200 stammt heute noch an der alten Kirche der massive untere Teil des Turms (bis in etwa 12 m Höhe). Um 1300 erfolgte eine Erweiterung der romanischen Kirche in gotischem Stil. Die Barockisierung brachte 1654-64 eine Erhöhung, Neuwölbung, Stuckierung des Kirchenraums und die Errichtung neuer Altäre mit sich.

Nach Plänen des Architekten Hermann Buchert entstand an der Nordseite der alten Kirche - durch einen niedrigeren Zwischentrakt mit dieser verbunden - ab 1925 der achteckige Neubau, der am 24. Oktober 1926 von Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber geweiht wurde. Bemerkenswert ist das harmonische Nebeneinander von altem und neuem Kirchenbau, das der kleineren alten Kirche ihre Eigenständigkeit beläßt.


Ausstattung:
Der einschiffige Raum der alten Kirche besitzt frühbarocken Stuck in geometrischen Formen. Der Hochaltar aus dem Jahr 1655 zeigt im Hauptbild von Kaspar Amort das Martyrium der Kirchenpatronin Ursula und ihrer Gefährtinnen; die Seitenfiguren (vom Wessobrunner Matthias Schütz, wohl 1673) stellen den Hl. Sylvester (links) und den Münchener Stadtpatron, den Hl. Benno dar. Die Gemälde der Seitenaltäre (1663/68) zeigen (rechts) den Hl. Sylvester als Fürbitter über der Silhouette Schwabings und Münchens sowie (links) die Erlösung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer durch das Messopfer.

Um 1770 kamen mehrere bedeutende Werke des großen Rokoko-Bildhauers Ignaz Günther und seiner Werkstatt in die Kirche: Eine Verkündigungsgruppe (an der linken Chorwand), die Figur des Apostels Judas Thaddäus (linke Langhauswand) und (heute an der Südwand der neuen Kirche) silbern gefasste Büsten der Heiligen Benedikt und Barbara. Aus der 1898 abgebrochenen Schwabinger „Leprosenkirche“ St. Nikolaus (beim Spital für ansteckende Krankheiten) sind zwei schöne Statuen der Heiligen Nikolaus und Elisabeth von Konstantin Pader (1647) in die alte Ursula-Kirche gekommen (rechte Langhauswand).

Im Gewölbe der neuen Kirche zeigen sogenannte „Kasein-Malereien“ von Ernst Kozicz (1939/40) die Kreuzesvision des Kaisers Konstantin und die unter dem Pontifikat Papst Sylvesters den Christen gewährte freie Religionsausübung sowie sechs Szenen von Leben, Leiden und Auferstehung Jesu. Die neubarocke Ausstattung der neuen Kirche umfasst drei Altäre. Das Hochaltarbild von Matthäus Schiestl (1927) zeigt Papst Sylvester vor Christus kniend in Fürbitte für Schwabing; die Seitenfiguren der Hl. Bischöfe Nikolaus (links) und Korbinian stammen aus dem 18. Jahrhundert (wohl von Meinrad Guggenbichler), ebenso der Gottvater im Auszug (wohl von Christian Jorhan d.Ä.). Die beiden Nebenaltäre sind Maria (rechts) und Joseph gewidmet. Die niedrige Zwischenkirche beherbergt u.a. die Taufkapelle und erlaubt mit ihren Arkaden reizvolle Durchblicke zwischen alter und neuer Kirche.


Literatur:
  • Hans Rohrmann, Kirche St. Sylvester München-Schwabing (IP-Kunstführer), Germering [2001] - [hieraus stammen auch die beiden Bilder dieser Seite]

Kontakt:
Kath. Pfarramt St. Sylvester, Biedersteiner Straße 1, 80802 München
Tel. 089/330074-3;
Fax 089/330074-55
E-Mail: St-Sylvester.Muenchen@erzbistum-muenchen.de
Hompage: www.st-sylvester.de

Dr. Roland Götz
Archiv des Erzbistums München und Freising


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