Illustration Pfarrei



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L88
Meiner Ansicht nach ist nämlich das innerliche Gebet nichts anderes als ein Freundschaftsverkehr, bei dem wir uns oftmals im geheimen mit dem unterreden, von dem wir wissen, dass er uns liebt.

Und sei es auch, dass ihr ihn noch nicht liebt; denn da wahre Liebe und dauerhafte Freundschaft notwendig eine Übereinstimmung der Gemüter voraussetzen, zwischen dem Herrn aber, der bekanntlich keinen Fehler an sich haben kann, und uns, die wir fehlerhaft, sinnlich und undankbar sind, eine solche Übereinstimmung nicht besteht, so könnt ihr es doch vielleicht dahin bringen, ihn so vollkommen zu lieben, dass eure Liebe der seinigen gleich kommt. Weil ihr aber seht, wie wichtig seine Freundschaft für euch ist und wie sehr er euch liebt, so ertragt die Pein, die ihr empfindet, wenn ihr viel bei einem Freund weilt, der so verschieden von euch ist.

V139
Betrachtet jetzt die Worte eures Meisters: "der du bist im Himmel." Meint ihr, es liege wenig daran, zu wissen, was der Himmel ist und wo ihr euren himmlischen Vater suchen müsst?... Dort wo Gott ist, ist auch der Himmel... Meint ihr, es sei für eine zerstreute Seele wenig, diese Wahrheit zu begreifen und zu erkennen, dass sie nicht zum Himmel aufsteigen und laut rufen muss, um sich mit ihrem Vater zu unterhalten? Wie leise sie auch spricht, er ist so nahe, dass er sie hört... Sie muss nur in die Einsamkeit gehen und ihn in ihrem eigenen Innern anschauen.
Einem so guten Gast gegenüber darf sie nicht fremd tun; in aller Demut soll sie mit ihm wie mit ihrem Vater sprechen, ihn wie ihren Vater bitten, ihm all ihre Mühen und Leiden anvertrauen und ihn um Hilfe angehen. Seid nicht ängstlich, wie manche Leute, die meinen es sei Demut! Nein es ist wahrhaftig nicht demütig, wenn ihr eine Gnade zurück weist. Nehmt das Geschenk an in dem Bewusstsein, dass ihr es nicht verdient, und freut euch daran!


In mir ist der Himmel. In mir ist einer, mit dem ich über alles reden kann, wie schön ist das!

V140
Das wäre mir eine schöne Demut, wenn der Herrscher des Himmels und der Erde in meinem Haus zu Gast wäre, ich aber wiese seine Gnade ab und freute mich nicht mit ihm! Wenn ich aus Demut weder antworten noch mit ihm Zusammensein, noch seine Geschenke annehmen wollte, sondern ihn allein ließe! Ja, eine schöne Demut wäre dies, würde er mich auffordern und ersuchen, etwas von ihm zu erbitten, ich aber bliebe aus Demut lieber arm... Er ist euer Bräutigam, bittet ihn um sein Wort, euch auch als seine Bräute zu behandeln.

Vor ihm brauche ich keine Hemmungen zu haben.
...Man nennt es "Gebet der Sammlung", weil die Seele dabei all ihre Vermögen sammelt und mit ihrem Gott in ihr Inneres einkehrt... Denn wenn sie gesammelt in ihrem Inneren verweilt, kann sie an die Person Christi denken, sich den Sohn Gottes in ihrem Inneren vorstellen, ohne dass der Verstand ihn auf dem Kalvarienberg, im Ölgarten oder an der Geißelsäule suchen muss und müde wird.
...Wer sich auf diese Weise in den kleinen Himmel seiner Seele, wo der Schöpfer des Himmels und der Erde wohnt einschließen und sich daran gewöhnen kann, nicht mehr nach außen zu schauen und sich nicht mehr an Orten aufzuhalten, wo sich die äußeren Sinne nur zerstreuen, der sei überzeugt, dass er einen ausgezeichneten Weg geht.

Ich will mit ihm allein in meinem Innern sein.
V145
Richtet euern Blick auf euch selbst, und schaut, wie gesagt, in euer Inneres, dort werdet ihr euern Meister finden, der euch nicht im Stich lässt. Er wird euch vielmehr um so größere Liebe erweisen, je weniger äußeren Trost ihr erfahrt, Er ist barmherzig und diejenigen, die traurig und verachtet sind, lässt er niemals im Stich, wenn sie nur ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen. . . Wenn ihr es glaubt, warum grämt ihr euch dann zu Tode?

B94
Dem Herrn liegt soviel daran, das wir ihn lieben, und uns bemühen, zu ihm zu kommen, dass er nicht aufhört, uns wieder und wieder zu rufen, damit wir zu ihm finden. Und dieses Stimme ist so lieblich, dass die arme Seele vergeht, wenn sie dann nicht tut, was die Stimme ihr befiehlt... Diese Stimmen dringen zu uns aus Worten, die wir von guten Menschen hören, oder aus Gebeten, aus Lektüre guter Bücher, sowie aus vielen anderen Dingen... seien es Krankheiten, Mühsale oder irgend eine Wahrheit, die er uns in den Augenblicken lehrt, wo wir im Gebet sind. . . Verzagt nicht, wenn ihr dem Herrn nicht antworten könnt. Seine Majestät ist geduldig genug, um viele Tage und. Jahre zu warten, besondere wenn er Beharrlichkeit und guten Willen sieht.

Einer will mich..,
B94
Weil jene Seele sich schon seinen Händen überlässt, und die große Liebe sie dazu drängt, sich soweit hinzugeben, daher kommt es, dass sie nichts anderes weiß und wünscht, als dass Gott mit ihr mache, was er will... Er will, dass sie, ohne zu wissen wie ihr geschieht, geprägt von seinem Siegel hervor gehe. Denn wahrlich, die Seele vollbringt dort nicht mehr als das Wachs, wenn jemand ihm das Siegel aufdrückt. Das Wachs drückt es sich nicht selber auf, es ist nur bereit, die Prägung zu empfangen ...0 Güte Gottes, dass alles zu deinen Lasten gehen muss! Du wünscht nur unseren Willen und wünschst nichts weiter, als dass das Wachs gefügig sei.

...Beim Abendmahl sagt seine Majestät: "Mich hat herzlich verlangt..." "Aber wie Herr! Schreckt dich denn nicht der qualvolle, furchtbare Tod, den du erleiden sollst?' "Nein. Denn meine Liebe zu den Seelen und meine Sehnsucht nach ihrer Erlösung ist unvergleichlich viel stärker als diese Schmerzen."

…Er möchte mich wirklich bei sich haben.

B138
Denn obwohl es wahr ist dass dies Dinge sind, die der Herr gibt wem er will, so würde er doch, wenn wir Seine Majestät liebten,: wie er uns liebt, sie jedem geben. Er sehnt sich nach nichts anderem, als dass er jemanden hat, dem er es geben kann; denn seine Reichtümer werden dadurch nicht geringer.

B140
Anscheinend ist es der Wunsch unseres Herrn, alle möchten erkennen, dass jene Seele schon ihm gehört und dass niemand an sie rühren soll... Denn solange sich die Seele nicht frevelhaft und vermessen von ihrem Bräutigam trennt, wird er sie verteidigen wider die ganze Welt, ja gegen die ganze Hölle,

Er wird mich verteidigen gegen die ganze Hölle.

B196
Der Herr sprach zu ihr, es sei nun an der Zeit, dass sie seine Dinge als die ihrigen betrachte, und er für die ihrigen sorgte.

L114
Hört ihr Verstand auf tätig zu sein, so ist ihnen dies etwas Unerträgliches; und wird vielleicht gerade dann ihr Wille unvermerkt gefördert und gekräftigt.
Wir müssen bedenken, dass der Herr nicht auf Dinge sieht, die keine Fehler sind, wenn sie auch in unseren Augen als solche erscheinen. Gott kennt unser Elend und unsere armselige Natur besser als wir selbst. Er kennt auch das Verlangen der Seele, immer an ihn zu denken und ihn zu lieben, und gerade dieser Wille ist es, was seine Majestät von uns fordert. Jener Kummer aber, den wir uns machen, dient nur dazu, die Seele zu beunruhigen; und wenn sie vorher eine Stunde unfähig war, etwas Gutes zu tun, so wird sie es nachher vier Stunden lang sein. Sehr oft nämlich rührt diese Unfähigkeit von körperlichem Unwohlsein her. Ich habe in dieser Hinsicht sehr viele Erfahrung gemacht und weiß also, dass es wahr ist; ich habe sorgsam darauf acht gegeben und mich nachmals mit geistlichen Personen darüber besprochen. Wir sind so armselige Menschen, dass unsere arme, in diesen Körper eingekerkerte Seele an seinem mannigfachen Elend teilnimmt. Die Veränderungen der Witterung und der Umlauf der Körpersäfte üben oftmals einen solchen Einfluss auf die Seele, dass sie ohne ihre Schuld nicht tun kann, was sie will, sondern auf alle mögliche Weise leidet, und je mehr man in solchen Zeiten der Seele Gewalt antun will, desto mehr verschlimmert sich das Übel und desto länger hält es an. Man muss darum unterscheiden und sehen, ob die Unfähigkeit zu betrachten in den erwähnten Umständen ihren Grund habe, um in diesem Falle die arme Seele nicht weiter zu quälen. Man begreife es alsdann, dass man krank ist und verlege die Stunde des Gebetes, was sehr oft mehrere Tage hindurch geschehen müssen. Man ertrage so gut, als man es vermag, dies Verbannung; denn für eine Seele die Gott liebt, ist es gewiss ein überaus hartes Los, zu sehen, dass sie in einem solchen Elend lebt und nicht tun kann, was sie will, weil sie bei einem so schlimmen Wirte, wie dieser Leib ist, wohnen muss. Ich sagte, man müsse unterscheiden, weil nämlich bisweilen auch der böse Feind Ursache dieses Zustandes sein kann.

Darum ist es nicht immer gut, bei großer Zerstreuung und Verwirrung des Verstandes vom Gebete abzulassen, noch auch die Seele zu martern, indem man sie zu etwas zwingen will, was ihr unmöglich ist. Man wende sich dann zu äußeren Beschäftigungen, als da sind werke der Liebe oder fromme Lesung. Bisweilen wird aber die Seele auch dazu nicht fähig sein.


Nichts soll mich unruhig machen

L115
Alsdann diene sie aus Liebe zu Gott dem Körper, damit auch dieser wieder recht oft der Seele diene. Man gestatte sich nach dem Rate des Beichtvaters Erholung durch heilige Gespräche oder ergehe sich im Freien. Die Erfahrung, die in allem eine Hauptsache ist, wird uns zu erkennen geben, was gut für uns ist; und tun wir das, so ist Gott mit allem zufrieden.

Er wird mir eingeben, was ich tun soll.
Sein Joch ist ja süß; und um die Seele zu fördern, ist es wichtig, sie nicht mit Gewalt sondern sanft zu leiten. Ich sage es also noch einmal; denn es schadet nicht, wenn ich es auch noch so oft wiederhole: viel ist daran gelegen, dass man sich wegen Trockenheit, Unruhe oder Zerstreuung der Gedanken nicht ängstige oder betrübe.
Wer die Freiheit des Geistes erringen und nicht immer betrübt sein will, der schrecke nicht zurück vor dem Kreuze. Er wird dann sehen, wie der Herr es ihm tragen hilft, welche Zufriedenheit er dabei genießen und welch großen Gewinn er aus allem ziehen wird. Ist es doch klar, dass wir dem Brunnen kein Wasser geben können, wenn seine Quelle versiegt ist. Hat er aber Wasser, dann allerdings ist es wahr, dass wir nicht nachlässig sein dürfen, daraus zu schöpfen; denn da will Gott durch eben dieses Mittel die Tugend in uns vermehren.

L213
Gott trägt mehr Sorge für uns als wir selbst, und er weiß auch, wozu ein jeder tauglich ist. Warum will sich einer noch selbst regieren, der seinen Willen schon ganz an Gott hingegeben hat.
... Es bleibe die Seele, obwohl vertrauend in seine Freigebigkeit, dennoch ergeben in seinen Willen. Da es ihr gestattet ist, zu den Füßen Christi zu weilen, gehe ihre Sorge nur dahin, nicht von da zu weichen, sondern auszuharren, in welcher Weise es auch sein mag. Sie ahme die Magdalena nach, bis Gott auch sie, wenn sie einmal erstarkt ist, in die Einsamkeit führt.

V196
In einem solchen Zustand wendet, so gut ihr könnt, die Gedanken von eurer Erbärmlichkeit ab und richtet sie auf die Barmherzigkeit Gottes, auf die Größe seiner Liebe und auf die Leiden, die er für uns erduldet hat. Handelt es sich um eine Versuchung, in der ihr steht, so werdet ihr das zwar nicht fertig bringen, denn sie lässt eure Gedanken nicht zur Ruhe kommen und lenkt sie gerade auf das, was euch noch mehr zermürbt. Aber es ist schon viel, wenn ihr die Versuchung als solche erkennt.


Auch mein Versagen bleibt jetzt weit weg. Es macht mich nur unruhig.

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Hier finden Sie einige kurze Sätze aus dem Text, zur fortlaufenden Meditation:

In mir ist der Himmel, mit ihm kann ich über alles reden.

Vor ihm brauche ich keine Hemmungen zu haben

Ich will mit ihm allein in meinem Innern sein.

Einer will mich. Er möchte mich wirklich bei sich haben.

Nichts soll mich unruhig machen

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