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Zwischenstopp, Rückblick, Vorausblick.
Teresa hat keine systematische Lehreverfasst. Ihre Gedanken sind oft spontan, Aussagen über das Gebet über ihre Bücher verteilt. Die hier vorleigende Sammlung ist ein Versuch, Zitate nach berstimmten Themen zu sammeln und nach Stationen des geistlichen Lebens zu ordnen (bestätigende Texte am Anfang, die eine Überwindung kosten später).Im Folgenden beginnt eine Reihe von zentralen Aussagen über die Seelenkräfte, dem wissenschaftlichen Stand der Zeit Teresas entsprechend: "Gedächtnis - Wille - Verstand". Teresa schreibt ihnen eine gewisse Eigenständigkeit zu, ja, sie spricht sogar von der "Zweiteilung" der Seele.In einem Bild beschreibt Teresa eine menschliche Wirklichkeit, die uns hilft unsere Wirklichkeit großzügiger zu sehen.B72
Stellt euch vor, die Sinne und Seelenkräfte sind Bewohner einer Burg.., Diese Bewohner wären hinaus gegangen und trieben sich tagelang, jahrelang mit Fremden herum, mit den Feinden dieser Burg. Nachdem sie einmal draußen sind, gewahren sie endlich ihre Verlorenheit und nähern sich wieder der Burg. Sie gehen zwar nicht wieder hinein - denn die Gewohnheit des Umherstreunens lässt sich schwer überwinden-, doch sind sie keine Verräter mehr und schweifen rings um den Wall herum. Und wie der große König, der in dieser Burg wohnt, ihren guten Willen sieht, will er sie, in seiner großen Barmherzigkeit wieder zu sich holen. Wie ein guter Hirte mit einem sanften Pfeifen lockt, so sanft, dass sie es beinahe selber nicht gewahren, lässt er sie seine Stimme hören, damit sie nicht länger umherirren, sondern zurück kehren. Und eine solche Macht hat das Pfeifen des Hirten, dass sie die Dinge draußen, welche sie entfremdet hatten, liegen und stehen lassen und sich in die Burg begeben.
Mir scheint, dass ich es nie so verständlich gemacht habe, wie jetzt. Es ist eine große Hilfe, wenn Gott einem diese Gnade erweist, damit man ihn im Innern suche (wo er besser zu finden ist als in den Geschöpfen und wo die Begegnung uns mehr Nutzen bringt - wie der hl. Augustinus sagt, der ihn fand, nachdem er ihn vielerorts gesucht hatte). Aber denkt nicht, es könne durch den Verstand erworben werden, indem man sich bemüht, Gott in seinem Innern zu denken, oder man schaffe es mit der Einbildungskraft, indem man sich ausmalt, wie er in uns ist. Das ist recht und gut und eine hilfreiche Form der Meditation; denn sie ist auf Wahrheit begründet, auf der Wahrheit, dass Gott in uns selber ist. Denn in dieser Weise meditieren, das kann jeder -Gottes Beistand immer vorausgesetzt. Aber was ich meine, vollzieht sich auf andere Weise. Denn manchmal befindet sich dieses Schlossgesinde, bevor es noch an Gott zu denken begonnen hat, bereits in der Burg, und ich weiß weder wo noch wie es das Pfeifen seines Hirten hörte, das nicht mit den Ohren zu vernehmen ist. Denn es ist nicht zu hören, aber man hat das deutliche Gefühl, als werde man sanft in das Innere zurückgezogen.
Wer es erlebt, wird es gewahren. Ich kann es nicht besser erklären. Ich glaube gelesen zu haben, dass es wie bei einem Igel oder bei einer Schildkröte ist, wenn sie sich einziehen. Wer das geschrieben hat, der hat es gut verstanden. Doch während diese Tiere sich einziehen, wann sie wollen, haben wir es nicht in der Hand, den Zustand, von dem wir reden, nach Belieben herbeizuführen. Er tritt nur ein, wenn Gott uns diese Gnade erweisen will. Und ich habe den Eindruck, als ließe seine Majestät, wenn er es tut, es solche Menschen erfahren, die sich schon angeschickt haben, den Dingen der Welt den Abschied zu geben. Ich sage damit nicht, dass diejenigen, die in einem Stande leben, der dies nicht zulässt, die Trennung vom Irdischen vollzogen haben müssten. Ihre Sehnsucht danach ist es, was den Herrn veranlasst, sie eigens zurufen, damit sie auf die inneren Dinge achten. Und darum glaube ich, dass seine Majestät, wenn wir ihn nur tun lassen, demjenigen, den er einmal zum Hören gelockt hat, nicht nur dies zum Geschenk machen will.
Kurzkommentar
Auch hier finden wir ein gewisses dem „Verstand gegenüberstehen“. Teresa empfiehlt sich vom Grübeleien zu distanzieren und schließlich sogar die „Gedanken wie Narren umher springen zu lassen.“
L126
Jene, die viel mit dem Verstände nachsinnen können und in einem Gegenstande reichen Stoff zu Erwägungen und eine Fülle von Gedanken finden, mögen auch noch die folgende Mahnung beachten. Ihrer bedürfen jene nicht, die, wie dies bei mir der Fall war, mit dem Verstande nicht tätig zu sein vermögen. Diese sind bloß zu ermuntern, dass sie Geduld tragen, bis der Herr ihrem Verstande Licht und Beschäftigung gibt; denn aus sich vermögen sie so wenig, dass ihnen ihr Verstand eher zum Hindernis als zur Förderung dient.
Was aber die ersteren betrifft, so sage ich, sie sollen nicht die ganze Zeit des Gebetes mit Nachsinnen zubringen. Es ist zwar diese Gebetsweise sehr verdienstlich; weil sie aber zugleich sehr angenehm ist, so meinen solche Seelen, sie dürften gar nicht Sonntag halten und keinen Augenblick von der Arbeit ausruhen. Dies scheint ihnen gleich Zeitverlust zu sein. Ich aber halte solchen Verlust für großen Gewinn. Sie sollen sich nur, wie ich schon gesagt habe, Christum vorstellen und, ohne den Verstand zu ermüden,
Da mögen sie ihm ohne mühsam zusammengesetzte Worte vortragen und ihm bekennen, wie gerechte Ursache er hätte, sie in seiner Gegenwart gar nicht zu dulden. So soll man bald die eine, bald die andere Übung vornehmen, damit die Seele keinen Überdruss bekommt, wenn (L127) sie immer die nämliche Speise genießen muss.
L109
Von denen, die erst das innerliche Gebet zu üben beginnen, kann man sagen, dass sie jenen gleichen, die das Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Dies geschieht, wie gesagt, nur mit großer Mühe von ihrer Seite; denn sie müssen mit ermüdender Anstrengung ihre Sinne einsammeln, was bei deren gewohntem Umherschweifen etwas sehr Hartes ist. Sie müssen sich nach und nach gewöhnen, nicht sehen und hören zu wollen und ihren in dieser Beziehung gefassten Entschluss während der Gebetsstunden in Ausführung zu bringen. Deshalb müssen sie die Einsamkeit aufsuchen und da abgesondert von allem über ihr vergangenes Leben nachdenken. Dies sollen zwar alle häufig tun, sowohl jene, die auf der ersten, als auch jene, die auf der letzten Gebetsstufe stehen; doch gilt es, wie ich noch sagen werde, von den einen mehr als von den anderen...
L160
... während das Vermögen, das frei bleibt uns so sehr beunruhigt und ermüdet, verschaffen uns die anderen Vermögen, die mit Gott verbunden sind, eine so große Ruhe.
Nachdem ich mich viele Jahre lang bemüht hatte, fand ich endlich als das beste Mittel, was ich schon bei der Erklärung des Gebetes der Ruhe gesagt hatte, dass man nämlich auf das Gedächtnis nicht mehr achte als auf einen Narren. Man lasse ihm seine Eigenart; denn nur Gott kann ihm diese benehmen, und zuletzt ist diese Kraft hier doch nur eine Sklavin. Ertragen wir sie also mit Geduld... Manchmal nämlich gefällt es Gott, Mitleid mit dem Gedächtnis zu haben, wenn er sieht, wie verirrt und unruhig es ist und welch Verlangen es hat, mit den anderen Kräften vereint zu sein. Seine Majestät gestattet alsdann, dass es sich an dem Feuer der göttlichen Liebe verbrennen, wovon die anderen Kräfte schon zu Asche geworden sind.
Kurzkommentat:
Trotzdem empfiehlt Teresa, seine Gedanken zu binden, etwa mit einem Buch (ohne die „Seele zu erschrecken“!)
V134
Sehr hilfreich ist es auch ein Buch zur Hand zu nehmen. Dadurch lernt man leichter, die Gedanken zu sammeln, um gut mündlich zu beten. So gewöhnt man allmählich die Seele auf sanfte und geschickte Weise an das betrachtende Gebet, ohne sie zu erschrecken. Bedenkt, dass sie sich schon vor Jahren von ihrem Bräutigam getrennt hat; um sie zur Heimkehr zu bewegen, muss man sehr klug mit ihr verfahren. So sind wir nun einmal wir Sünder: Unsere Seele und unsere Gedanken sind so sehr daran gewöhnt, ihr eigenes Vergnügen oder besser gesagt, ihr Leid zu suchen, dass die arme Seele sich selbst nicht erkennt und es großer Mühe und Geschicklichkeit bedarf, bis sie ihr zu Hause wieder lieb gewinnt . Wenn wir dies unterlassen und sie nicht Schritt für Schritt wieder zurück führen, werden wir nie etwas erreichen.
. . .Wenn ihr ihn nicht verlasst, wird auch er euch nicht verlassen.