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Umfrage zur Bischofssynode
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Empfehlungen des Zukunfsforums

RS37874_3. Vollversammlung Zukunftsforum 05-scr

Generalvikar Peter Beer auf dem Zukunftsforum
Aussagen des diözesanen Zukunftsforums (2008-2010) vor dem Horizont des Vorbereitungsdokuments zur außerordentlichen Bischofssynode „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ vom 5.-19. Oktober 2014

Der vatikanische Fragebogen kennt 9 Fragenkomplexe. Diese sind: 1. Zur Verbreitung der Heiligen Schrift und des Lehramtes der Kirche in Bezug auf die Familie, 2. Zur Ehe nach dem Naturrecht, 3. Die Familienpastoral im Kontext der Evangelisierung, 4. Zur Pastoral für Gläubige in schwierigen Ehesituationen, 5. Zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften, 6. Zur Erziehung der Kinder in irregulären Ehesituationen, 7. Zur Offenheit der Eheleute für das Leben, 8. Zur Beziehung zwischen Familien und Individuum, 9. Weitere Herausforderungen und Vorschläge.

Im Zukunftsforum haben sich bereits wichtige Aussagen ergeben, die mit Fragenkomplexen des vatikanischen Fragebogens zusammenhängen. Diese zeigen sich folgendermaßen:

Fragenkomplex 3 im Fragebogen: Die Familienpastoral im Kontext der Evangelisierung


Hier wird gefragt nach:
Erfahrungen mit Ehevorbereitung, Impulse für den Evangelisierungs-auftrag der Eheleute, Bewusstsein der Familie als „Hauskirche“
Gebetsformen mit Bestand in der Komplexität heutigen Lebens
Umsetzung der Berufung der Familien zur Glaubensweitergabe angesichts des Generationenkonflikts
Formung von Familienspiritualität durch Ortskirchen und Bewegungen
Ganzheitliche Sicht von Ehe und Familie – der Beitrag der Betroffenen
Pastorale Aufmerksamkeit für „Paare am Anfang“ und „Paare in der Krise“
Das Zukunftsforum sah bereits 2010 die Notwendigkeit, sich diesen Fragestellungen zu widmen und hat für die Erzdiözese folgende pastorale Zielsetzung empfohlen:
Intensivierung der Ehe- und Familienpastoral (Empfehlung 8.2)


Ehe/Beziehungen und Familie sind erster Ort der Glaubensweitergabe:
Ziel ist, die Bindungs- und Liebesfähigkeit der Menschen zu sehen, zu fördern und zu schützen (Beziehungspastoral). Die grundlegendsten religiösen Vollzüge werden in der Familie gelernt und gelebt (Beziehung, Freude am Geschenk des Lebens, Vertrauen, Verlässlichkeit, Solidarität, Leben in Gemeinschaft, Rituale, Gebete, etc.)
Als Konsequenz braucht es eine Stärkung der Ehe-Familien- und Beziehungspastoral, z.B. durch Seelsorger/innen auf „mittlerer Ebene“ (Landkreis/Dekanat) und den Ausbau von Kindertagesstätten zu Familienkompetenzzentren
Damit soll die Erzdiözese erreichen, dass …
…Eltern-Kind-Bindung unterstützt wird, sowie die Beziehungsfähigkeit in der (Post)Adoleszenz, in der Partnerschaft und im Miteinander der Familie
…Ehe-/Paarbeziehung als Fundament der Familie gestärkt werden,
…Angebote für Familien vernetzt und besser wahrgenommen werden,
…Familienseelsorge ausgebaut wird
Kardinal Marx hat diese Empfehlung des Zukunftsforums mit folgenden Aussagen kommentiert:

Ehe-, Familien- und Beziehungspastoral: All das kann ich unterstreichen. Die Familie ist ein Schlüssel; achtzig Prozent der Evangelisierung geht über die Familie, die große Mehrheit unter den Gläubigen ist über die Familie Christ geworden. So wird es auch in Zukunft sein, deshalb ist das ein entscheidender Punkt auch für die Neuevangelisierung. Für mich sind besonders die Familienpastoral, die Ehepastoral und in einer gewissen Weise die Beziehungspastoral als Vorbereitung für eine Bindungsfähigkeit junger Menschen von großer Bedeutung. Diese Anregungen sollten unbedingt auch aufgegriffen werden im Ressort 4. (Februar 2012)

Fragenkomplex 4 im Fragebogen: Zur Pastoral für Gläubige in schwierigen Ehe-Situationen


Hier wird gefragt nach:
Zusammenleben „ad experimentum“
Lebensgemeinschaften ohne religiöse oder zivile Anerkennung
Getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene als pastorale Realität vor Ort; entsprechende Pastoralpläne
Alle genannten betreffend: Leben von Getauften in „irregulärer“ Situation
Anfragen von wiederverheirateten Geschiedenen an die Kirche nach den Sakramenten der Eucharistie und der Versöhnung
Nichtigkeitserklärung des Ehebandes als Beitrag zur Problemlösung
Pastoralpläne für diesen Bereich; Verkündung der Barmherzigkeit Gottes an getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene und Unterstützung ihrer Glaubenswege
Das Zukunftsforum sah bereits 2010 die Notwendigkeit, sich diesen Fragestellungen zu widmen und hat für die Erzdiözese folgende pastoralen Zielsetzungen empfohlen:

Wiederverheiratete Geschiedene als vollwertige Glieder der Gemeinschaft der Glaubenden (Empfehlung 3.14)


Pastorales Ziel soll sein, alle Menschen zu eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen und eine ehrliche Verantwortungsethik an die Stelle einer einseitigen Gesetzesethik zu setzen. Liebe und Vergebung werden dabei als Grundwerte der katholischen Kirche an oberster Stelle gestellt und alles andere nachgeordnet.
Gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse werden ernst genommen und berücksichtigt. Im Denken und Handeln der Kirche und ihrer Lehre werden sie adäquat umgesetzt.
Dabei werden wiederverheiratete Geschiedene als vollwertige Glieder der Gemeinschaft der Glaubenden begriffen. Es findet keine Ausgrenzung aufgrund ihres Scheiterns mehr statt.
Erreicht werden soll:
Wiederverheiratete Geschiedene werden im Scheitern ihrer ersten Ehe ernst genommen.
Es wird ihnen die Möglichkeit eines Neubeginns geschenkt. Sie werden nicht mehr mit einem irreversiblen Makel belegt, der ihnen eine volle Mitgliedschaft in der Versammlung der Gemeinde zur Eucharistie verweigert.
Es wird in Zukunft nicht mehr der Eindruck erweckt, als dass das Scheitern in einer Partnerschaft gleichzusetzen sei mit einem mangelnden Verständnis des Glaubens der Kirche.
Die Kirche begegnet den Betroffenen als versöhnende Kirche.
Wiederverheiratete - Geschiedene“ – Wege der Versöhnung suchen (Empfehlung 8.3)


Pastorales Ziel soll sein, einen Weg der Versöhnung mit der Kirche für Wiederverheiratete-Geschiedene zu suchen und Segens- oder Gebets-feiern bei zweiter Eheschließung anzubieten.
Damit soll erreicht werden, dass, wiederverheiratete Geschiedene mitsamt ihrer Not und ihrer fragmentarischen Geschichte vor Gott und in der Kirche leben können und Unterstützung auf dem Weg zu neuer Hoffnung (in der zweiten Ehe) durch die Kirche erfahren.
Kardinal Marx hat diese Empfehlungen des Zukunftsforums mit folgenden Aussagen kommentiert:


Auch bei diesem Thema müssen wir bekennen, dass wir das nicht hinreichend gut vermitteln, dass wiederverheiratet Geschiedene dazugehören, dass es nicht um Ausgrenzung geht. Wir werden auch weiterhin – ich habe das ja auch in Interviews gesagt – daran arbeiten, ob es Wege gibt, wie wir mit einer zweiten Ehe umgehen können. Da gibt es ein riesiges Thema. Die Kirche wird sicher niemals die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe ändern. Das kann ich voraussagen. Die Frage ist: Wie gehen wir mit einem Scheitern um? Wie können wir diese zweite Beziehung sehen? Man kann es nur auf die pastorale Situation hin anschauen. Darüber werden wir weiter nachdenken, darüber haben wir auch in Rom gesprochen, darüber haben wir auch in der Deutschen Bischofskonferenz geredet. Das ist nicht so einfach, wie es jetzt manchen erscheint. Diese Grundaussage der Unauflöslichkeit der Ehe ist ein hohes Gut. Das sollte nicht angetastet werden. Aber das heißt nicht, dass wir keinen neuen Anlauf machen müssten, die Situation der Geschiedenen und Wiederverheirateten kirchlich neu in den Blick zu nehmen. (Oktober 2011)
Fragenkomplex 5 im Fragebogen: Zu gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften


Hier wird gefragt nach:
Zivile Gesetzgebung zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Verbindungen
Haltung der Ortskirche gegenüber dem Staat und gegenüber Betroffenen
Pastorale Aufmerksamkeit gegenüber den Betroffenen
Glaubensweitergabe an Kinder, die von gleichgeschlechtlichen Paaren adoptiert sind
Das Zukunftsforum sah 2010 die Notwendigkeit, sich diesen Fragestellungen zu widmen und hat für die Erzdiözese folgende pastoralen Ziele empfohlen:

Homosexuell veranlagte Menschen als vollwertige Glieder der Gemeinschaft der Glaubenden anerkennen“ (Empfehlung 3.13)


Pastorales Ziel soll sein, alle Menschen zu eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen und eine ehrliche Verantwortungsethik an die Stelle einer einseitigen Gesetzesethik zu setzen.
Gesellschaftliche Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse werden ernst genommen und berücksichtigt. Im Denken und Handeln der Kirche und ihrer Lehre werden sie adäquat umgesetzt.
Dabei werden homosexuell veranlagte Menschen als vollwertige Glieder der Gemeinschaft der Glaubenden begriffen. Es findet keine Ausgrenzung aufgrund ihrer Veranlagung statt.
Ihr Bedürfnis, in Liebe mit einem anderen gleichgeschlechtlichen Partner verbunden zu sein und diese in entsprechender Weise zu erfahren, wird ernst genommen und zuerkannt.
Damit soll die Diözese erreichen:
Homosexuelle, unverheiratete und Wiederverheiratete werden nicht mehr ausgegrenzt und stigmatisiert. Sie werden vorurteilsfrei so genommen wie sie sind und in der Findung des ihnen entsprechenden Lebensentwurfes unterstützt.
Integration homosexuell empfindender Menschen (Empfehlung 8.7)


Pastorales Ziel soll sein, die seelsorglichen Fragen und die Unterstützung eines gelingenden Lebens homosexueller Männer und Frauen in die Konzepte und Zielsetzungen bereits vorhandener Seelsorge-einrichtungen offen und ausdrücklich zu implementieren.
Damit soll die Diözese erreichen, dass sich homosexuelle Männer und Frauen menschlich und geistlich in der katholischen Kirche beheimatet fühlen.
Kardinal Marx hat diese beiden Empfehlungen des Zukunftsforums mit folgenden Aussagen kommentiert:


Mir ist sehr wichtig – das ist etwas, was wir vor zwanzig, dreißig Jahren nicht wahrgenommen haben –, dass die Kirche hier eine Geschichte hat, wo sie sagen muss: „Wir haben das Thema nicht immer in richtiger Weise angesprochen und auch nicht den richtigen Ton gefunden.“ Ich habe das in Interviews gesagt und noch einmal klargestellt: Homosexuelle Menschen sind vollwertige Mitglieder der Kirche. Die einfachsten Formulierungen können manchmal zu großen Überraschungen führen. Zum Beispiel: „Jeder Mensch ist Kind Gottes.“ Unsere biblische Überlieferung sagt uns, dass jeder Mensch Bild des lebendigen Gottes ist, und zwar alle. Ich zähle hier gern alle Gruppen und Religionen auf, die mir einfallen, und sage zum Schluss: „Selbst Ihr Nachbar.“ Jeder Mensch ist Bild des lebendigen Gottes. Ein so revolutionärer Satz ist noch nie auf dieser Welt gesprochen worden. Das ist der revolutionärste Satz – so sagt es Paul Kirchhof, der große Verfassungsrichter –, den ich jemals auf dieser Welt gehört habe. Da kommt selbst die Französische Revolution nicht mit. Und, das gilt hier eben auch, das ist zu übersetzen ins Leben hinein, das ist klar. Für die Kirche bleibt aber, dass die homosexuelle Beziehung nicht akzeptiert wird. Und das bleibt die Lehre der Kirche: Die gelebte Sexualität gehört in die Beziehung zwischen Mann und Frau in der verbindlichen Gemeinschaft der Ehe. Jeder ist und bleibt natürlich ein sexuelles Wesen, geschlechtlich geprägt, auch der Zölibatäre, jeder bleibt Mann und Frau – das hat auch eine tiefere Bedeutung. Insofern würde ich hier empfehlen: Wir brauchen hier wohl eine Erneuerung im Sinne der Entwicklung einer katholischen „Gender-Theologie“, dass wir nicht der Vorstellung erliegen, Sexualität, Mann und Frau, seien einfach Rollen, die austauschbar sind. Der Heilige Vater hat es ja in Berlin gesagt: „Es gibt Weisungen der Natur.“ Ich denke: Der liebe Gott hat sich was dabei gedacht, dass es Männer und Frauen gibt. Was er uns damit sagen will, das erkunden wir immer neu. Aber es ist etwas Positives, Gutes. Was hat uns der liebe Gott da sagen wollen? „Ach, das brauche ich für die Fortpflanzung?“
Hat er das gemeint? Er hat sicher mehr sagen wollen: Mann und Frau sind aufeinander bezogen, sie ergänzen sich in einer notwendigen und bereichernden Weise.
Ein homosexueller Mensch wird vollwertig anerkannt, die homosexuelle Beziehung können wir nicht akzeptieren wie eine Ehe. Auch da kann man nicht jeden Fall über einen Kamm scheren; man kann in der pastoralen Situation auch nur den Einzelnen anschauen mit seinem Leben. Wir müssen uns pastoral bemühen, dass wir den Grundsatz deutlich unterstreichen, dass Homosexuelle nicht nur geduldet sind, sondern zu uns gehören, und dass sie auch Aufgaben wahrnehmen können in der Kirche, in der Pfarrei. (Oktober 2011)
Fragenkomplex 7 im Fragebogen: Zur Offenheit der Eheleute für das Leben:


Hier wird gefragt nach:
Kenntnis der Lehre von „Humanae Vitae“ zur verantworteten Elternschaft
Akzeptanz dieser Lehre; Aspekte, die Akzeptanz erschweren
Förderung von natürlichen Methoden der Geburtenregelung
Relevanz dieser Thematik bei Bußsakrament und Eucharistieempfang
Gegensätze zwischen kirchlicher Lehre und weltlicher Erziehung
Förderung einer für Nachkommenschaft offenen Mentalität
Das Zukunftsforum sah 2010 die Notwendigkeit, sich diesen Fragestellungen im Zusammenhang mit anderen Spannungsfeldern zu widmen und hat für die Erzdiözese folgende pastorale Zielsetzungen empfohlen:
Priorisierung in den Spannungsfeldern „sakramentale priesterliche Dienste – Priestermangel“ und „kirchliche Sexualmoral – Lebenswirklichkeit“ (Empfehlung 5.3)


[in eckigen Klammern die nicht unmittelbar für den Fragebogen relevante Benennung des Spannungsfeldes „priesterliche Dienste“ und priesterliche Lebensform]
Grundlage für die pastorale Zielsetzung ist es, im Blick auf die „Hierarchie der Wahrheiten“ klare Prioritäten zu formulieren.
[Das Spannungsfeld zwischen „sakramentalen priesterlichen Diensten“ (Eucharistie, Krankensalbung, Versöhnung) und Priestermangel wird in geeigneten Dialogräumen offen diskutiert. Die Frage nach der priesterlichen Lebensform wird in diesen Diskurs mit einbezogen.]
Das Spannungsfeld zwischen kirchlicher Sexualmoral und der Lebenswirklichkeit der Menschen wird zunehmend auch bei kirchlichen Mitarbeiter/innen deutlich.
Es findet darüber ein angstfreier, offener und wertschätzender Diskurs statt. Am Evangelium orientierte Lösungen werden gefunden.
Damit soll die Erzdiözese erreichen, dass sie Dialogräume anbietet, die auch diese letztlich weltkirchlichen Fragen offen und mit allem Ernst, den die gegenwärtige Stunde gebietet, aufgreift.
Kardinal Marx hat diese Empfehlung des Zukunftsforums mit folgenden Aussagen kommentiert:


[Es wäre sicher wichtig, noch einmal das Profil des priesterlichen Dienstes deutlich zu machen. Das ist ja auch in der Arbeitsgruppe zwischen Bischofskonferenz und Zentralkomitee ein wichtiges Thema. Es scheint mir durchaus wichtig zu sein, zu überlegen, wie wir neu deutlich machen können, warum wir Priester in der katholischen Kirche haben und sie brauchen, was also ihre Aufgabe ist und wie ihre Lebensform heute gelebt und profiliert werden kann. Hier wäre sicher auch der Priesterrat mit einzubeziehen.]
Über die kirchliche Sexualmoral und die Lebenswirklichkeit habe ich intensiv mit dem Jugendforum gesprochen. Aber das Thema ist nicht einfach erledigt. Deutlich zu machen, dass die katholische Sexualmoral eine positive Sicht der Sexualität hat, wäre in der Verkündigung und Fortbildung weiter aufzugreifen. Das Anliegen ist sicher wichtig. (Februar 2012)
Aufbruch der Spaltung beim Thema „Sexualität“ zwischen Lehramt und Lebenspraxis (Empfehlung 8.8)


Das Zukunftsforum empfiehlt folgendes pastorale Ziel:
Die reale Spaltung beim Thema Sexualität zwischen Lehramt und vielen Katholiken in Beurteilung und Verhalten zum Thema Sexualität muss aufgebrochen werden durch
- eine Veränderung von Äußerungen im kirchlichen Umfeld zugunsten einer Verantwortungsethik statt einer Verbotsethik
- durch die Eröffnung eines ergebnisoffenen, angstfreien und argumentativ geführten Gesprächs zum Thema Sexualität
Damit soll erreicht werden, dass mehr Gläubige und Suchende sich wieder mit Kirche und ihren Positionen beschäftigen.
Sinnvolle Wertevermittlung zum Thema Sexualität (Empfehlung 8.9)


Das Zukunftsforum empfiehlt 2010 folgendes pastorales Ziel für die Erzdiözese

Aufbau bzw. Ausbau und mehr Öffentlichkeitswirksamkeit von Aufklärungs- und Beratungsangeboten für Sexual- und Beziehungsfragen für Jugendliche und junge Erwachsene (unabhängig von ihrer kirchlichen Bindung!) unter Verzicht auf die Zeigefingermoral. Also: Es muss offen auf die reale Lebenswelt der jungen Menschen eingegangen werden. z.B. Es bedarf einer Vermittlung des verantwortungsvollen Umgangs mit Sexualität und einer von kirchlicher Seite aus grundsätzlich positiven Wertung der Sexualität, auch vor der Ehe. Ein Schwerpunkt muss auf die Frage gelegt werden: Wie kann ich Beziehung auch im jungen Alter ernsthaft und gut leben?
Es müssen sowohl Angebote im Bereich der individuellen Beratung (Einzel- und Paarangebote), also auch Angebote im Bereich der Gruppenarbeit (Jugendgruppen und Schulklassen) entwickelt werden. Nicht nur Krisenintervention, sondern auch Begleitung in Fragen der Beziehungsgestaltung: z.B. Wie führe ich als 17 Jährige/r eine Beziehung?
Damit soll in der Erzdiözese erreicht werden, dass die Kirche Zugang zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhält und damit die Chance auf einen tatsächlichen Dialog. Die kirchliche Position wird bei jungen Menschen bekannt und neu ernstgenommen.
Kardinal Marx hat diese beiden Empfehlungen des Zukunftsforums mit folgenden Aussagen kommentiert:


Wir haben ja – dafür bin ich den Jugendlichen, dem BDKJ und dem Jugendamt sehr dankbar – das Thema Sexualität beim Jugendforum ausführlich diskutiert. Daran knüpfte sich die Forderung, dies weiter zu behandeln. Das Jugendforum hat gute Arbeit geleistet – nicht so, dass alle am Ende einer Meinung waren, als sie die Veranstaltung verlassen haben. Aber wer weiß schon die Auffassung des Lehramts? Ich muss als Lehramt sozusagen durchaus kritisieren: Warum können wir nicht das, was die Kirche sagt, besser kommunizieren? Warum kommt das nur als Verbot an? Es ist natürlich auch so: in allen Bereichen gibt es eine Spaltung zwischen Lebenspraxis und Lehramt. Das gibt es überall. Es gibt überall Spannung zwischen dem, was sein soll, und dem, was ist. Wissen wir, was sein soll, und akzeptieren wir, was sein soll? Was soll denn sein nach dem großen Entwurf der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche? Dass ein Mann und eine Frau zueinander gehören, Mann und Frau von Ewigkeit her füreinander bestimmt sind. Dass diese Beziehung eine Krönung findet durch die leibliche Hingabe der beiden, nicht nur die geistige, und dass diese Verbindung offen ist für Leben. Das ist die große Konzeption, und die bleibt richtig, die ist wahr. Ich habe bei den Jugendlichen gemerkt – auch wenn das einer anders gesehen hat –, wenn man sagt: „Das ist die Zielrichtung“, dann sagen sie: „Das ist richtig, das wollen wir doch auch.“ Deswegen sollen wir das auch stark machen, und sagen: „Dafür stehen wir.“ Man sollte nicht ständig sagen: „Die Sexualmoral der katholischen Kirche ist vorsintflutlich.“ Nein, ist sie nicht! Sondern, sie hat als Ziel: Sexualität ist nicht wie Essen und Trinken, sie ist eine personale Verbindung von Mann und Frau, die verbindlich ist, nicht heute so, morgen so. Und diese Verbindung ist grundsätzlich offen für Leben.

Was machen wir, wenn das nicht funktioniert? Man kann nicht einfach sagen: „Dann ist jemand endgültig abgeschrieben.“ Aber das ändert nichts daran, dass wir gerade in dieser Zeit daran festhalten sollten: diese große Idee, was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen, das ist so. „Dein Ja sei ein Ja, dein Nein sei ein Nein!“ Dass das gut ist und es dem Menschen gut tut, nicht unter Vorbehalt zu leben: „Wir leben zusammen, solange es gut geht; wenn es schwierig ist, können wir es uns noch anders überlegen.“ Nein: Es befreit den Menschen, zu seinem Jawort zu stehen. Es gilt bei diesem Thema freilich, diese Fragen immer wieder gerade bei jungen Menschen aufzugreifen und zu fragen: „Wie steht ihr zu diesem großen Thema?“, nicht in dem Sinne: „Habt ihr euch angepasst an den Mainstream?“, sondern: „Was ist das Neue des Evangeliums?“ Die Frage ist: Wie können wir diese positive Sicht deutlicher machen? Wie können wir helfen, sie zu leben? Und wo können wir, wo es nicht gelingt, barmherziger miteinander umgehen? Das ist selbstverständlich, das kommt ja noch an anderer Stelle, aber nicht einfach: „Die Kirche ist auf dem falschen Weg, ihre ganze Lehre ist verkehrt, sie passt nicht in die Zeit.“ Ich klage uns selber an, dass wir das manchmal in einer Rhetorik rüberbringen, wo die Menschen diese positive Botschaft nicht erkennen, dass sie fragen: „Was ist da gemeint? Warum sagt ihr das? (Oktober 2011)
























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