Die Pfarr- und Wallfahrtskirche von Marzoll wurde auf dem ältestem Siedlungsgebiet des Reichenhaller und Salzburger Beckens nach der letzten Eiszeit errichtet. Die Siedlungsfunde reichen zurück in die Jungsteinzeit (2200 - 1800 v. Chr) und Bronzezeit (1800 - 750 v. Chr.), wie die ältesten Funde es nachweisen.
Marzoll war in der Römerzeit eine Siedlung mit einem großen und reichen Landgut (villa rustica), was die aufgefundenen Gebäudefundamente, Gebäudeumrisse aber vor allem die kunstvollen Mosaikfußböden aus den Ausgrabungen am Fuß des Schloßbergs beim Reischlbauern in den Jahren 1959 - 1962 aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. deutlich nachweisen.
Weitere Funde (wie z.B. das Reihengräberfeld mit ca. 300 Bestattungen) am Hochfeld in Weißbach aus dem 6. Jahrhundert schließen eine Siedlungskontinuität aus der Römerzeit in die baiuwarische Besiedlungszeit nicht aus.
Der Ortsname Marzoll wird nach neuesten Namenuntersuchungen auf den lateinischen Namen MARCIANUS zurückgeführt. Ort und Kirche werden zum ersten Mal 798 in den Salzburger Güterverzeichnissen Notitia Arnonis 788 - 790 und Breves Notitiae 798 - 800 des Erzbischofs Arn von Salzburg aufgeführt.
Die Kirche wird ohne Namenspatron "ad Marciolas" genannt und ein "Snelvach de Marciolis" schenkte einen Wald in der Nähe der Kirche dem Salzburger Erzbischof.
Die Kirche selbst war eine bischöfliche Eigenkirche mit Landbesitz. Die Kirche war in dieser Zeit wahrscheinlich eine Holzkirche (wie bei vergleichbaren Kirchen nachgewiesen) und ggf. auf Steinmaterial aus der Römerzeit aufgebaut. Wahrscheinlich war die Kirche zunächst dem Hl. Laurentius geweiht. Die erste massive Kirche aus Mauerwerk war ein romanischer Saalbau mit Halbrundapsis im Osten und einem Turm im Westen. Sie entstand um 1140 n. Chr. und wurde am 8. September 1142 durch Bischof Hartmann aus Brixen (1140 - 1164) auf den Namen Valentin geweiht.
St. Valentin war Bischof und Märtyrer ( + 268 n. Chr.) aus Terni bei Rom, Reliquien werden noch heute bei jedem Patrozinium am 14. Februar in einer kostbaren silbernen Fassung gezeigt.
Später wurde die romanische Apsis abgebrochen und an das Langhaus ein gotischer Chor um 1430 angebaut. Die Kirche wurde am 4. Juli 1437 von Bischof Johann II Ebser (1429 - 1438) erneut geweiht. Später wurde das Langhaus um ein Joch verlängert, der Haupteingang nach Westen versetzt, mit einem gotischen Hauptportal versehen, das Langhaus auf den vorhandenen Mauern eingewölbt und ein neuer Glockenturm mit Spitzhelm in Naturstein-Nagelfluhmauerwerk aufgebaut.
In den Jahren 1714/15 wurde auf der Nordseite der Kirche durch den Anbau der Sakristei, der Oratorien für die Hofmarksherren, die Portalvorhalle sowie mit der Allerseelenkapelle die heutige Grundrißform erreicht. Der gotische Spitzhelm wurde in den Jahren 1746 - 1748 abgetragen und durch eine schön proportionierte Doppelzwiebel ersetzt. (Turmhöhe ca. 40 m)
Damit war die äußere Erscheinung der Kirche, wie wir sie heute sehen, hergestellt.
Die Kirche war die Grablege der Besitzer der "
Hofmark Marzoll und Schwarzbach". Die Grabmahle der früheren Familien sind heute in der Vorhalle aufgestellt.
Aus der gotischen Zeit sind heute noch Wandmalereien im Altarraum an der Westwandinnenseite freigelegt und erhalten.
Die heutige innere Erscheinung der Kirche ist durch das Barock bestimmt. Die eleganten Formen und Ornamente stukkierte der Wessobrunner Meister Benedikt Zöpf in den Jahren 1747 - 1750. Der heutige Hochaltar wurde vom Salzburger Hoftischler Simon Thaddäus Baldauf 1729 aufgerichtet. Die beiden Heiligenfiguren der hl. Laurtentius (links) und des hl. Ullrich (rechts) auf dem Hochaltar stammen vom Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger.
Das Altarbild mit der Darstellung des hl. Valentin im Bischofsornat und Krummstab stammt von einem unbekannten Maler. Die Bilder der Kreuzwegtafeln malte Benedikt Werkstätter aus Salzburg in den Jahren 1748/49. Die Figur des hl. Valentin am Chorbogen in der Nähe des rechten Seitenaltars wurde von Hans Waldburger aus Salzburg 1626 geschnitzt. Die vorhandene Orgel wurde 1892 neu eingebaut, die alte Salzburger Egedacherorgel verkauft. Dazu wurde die Empore ("Porkirche") um ein Joch verbreitert. Das kunstvolle barocke Abschlußgitter unter der Empore stammt vom Reichenhaller Hammerschmied Georg Haßlauer aus dem Jahre 1650.
Die heutigen drei Glocken wurden 1950 gegossen und 1951 geweiht. Sie sind gewidmet:
- Maria
- Valentin
- die dritte Glocke ist die Sterbeglocke.
Der hl. Valentin wird vor allem um Fürbitte zur Heilung von Epilepsie (hinfallende Krankheit - Fraisen) angerufen. Die erste überlieferte Heilung wird von einem 12 jährigen Knaben aus Thalgau 1496 und des Wolfgang Erlich aus Wals berichtet. Die Wallfahrt blühte vor allem im 17. u. 18. Jahrhundert auf und machte St. Valentin zur wohlhabensten Kirche im Umkreis. Die letzte wundersame Heilung eines 15 jährigen Bauernmädchens wird aus dem Jahr 1861 berichtet.
Die Sekularisation des Augustiner Chorherrn Stifts St. Zeno im Jahre 1803, der auch die seelsorgerliche Betreuung und Verwaltung von St. Valentin oblag, brachte auch für Marzoll einen erneuten Einschnitt. Im Jahre 1809 wurde die Kirche zu einer selbständigen Pfarrei erhoben und 1807 eine Pfarrstiftung für dem Besitz der Kirche eingerichtet. Seit 1979 wird St. Valentin wieder von St. Zeno seelsorgerlich betreut.
Die letzte Innenrenovierung erfolgte in den Jahren 2001 und 2002 und wurde zum 14.02.2002 - zum Patrozinium des hl. Valentin - abgeschlossen.
Eine ausführliche Beschreibung von St. Valentin Marzoll von Dr. Walter Brugger kann dem Kunstführer Nr. 2307 - Verlag Schnell Regensburg - entnommen werden.