St. Valentin, Marzoll

Neuer Volksaltar für St. Valentin Marzoll
Weihe am 07.02.2010 durch Erzbischof Dr. Reinhard Marx

"Wie ein Fels auf unzerstörbarem Grund"

Erzbischof Dr. Reinhard Marx beschwört bei Altarweihe die Kraft des Glaubens

Erschienen im Reichenhaller Tagblatt vom 08. und 09.02.2010

Die Pfarrkirche St. Valentin Marzoll erlebte am gestrigen Sonntag mit der Weihe des neuen Volksaltars ein ebenso außergewöhnliches wie beeindruckendes religiöses Geschehen. Das ist in einer Pfarrgemeinde im Allgemeinen nur in Jahrhundert-Abständen der Fall. Eine Besonderheit war es auch, dass die Zeremonie durch den Erzbischof der Erzdiözese München und Freising vollzogen wurde. Seit ihr die Pfarrei Marzoll angehört, und das sind immerhin rund 200 Jahre, war es das erste Mal, dass mit Dr. Reinhard Marx das Oberhaupt der Erzdiözese der Kirchengemeinde die Ehre eines Besuchs erwies. Umso größer war die Freude der Gläubigen, die das Kirchenschiff dicht bevölkerten und einen unvergesslichen Festtag erleben durften. Der Höhepunkt des Pontifikalgottesdienstes bildete die Weihe des Volksaltars aus Untersberger Marmor durch den Erzbischof. Die Salbung des Tisches mt heiligem Chrisam-Öl und das Entzünden von fünf Weihrauchfeuern boten einen mystisch anmutenden Rahmen, der die urchristliche Bedeutung des Altars als Opfertisch deutlich machte. Die Bilder zeigen den Empfang des Bischofs vor der Kirche, als er die Kommunionkinder segnete, sowie die Weihe des Altars mit den brennenden Weihrauch-Feuern.

Marzoll (ap) - Als Zeichen der Verbundenheit im christlichen Glauben wertete der Erzbischof von München und Freising, Dr. Reinhard Marx, seinen Besuch in der kleinen Pfarrgemeinde Marzoll zur Weihe des neuen Volksaltars. Er feierte in der Kirche St. Valentin einen Pontifikalgottesdienst in Konzelebration mit Stadtpfarrer Helmut Bauer und Pater Sunny Kodiyan, assistiert von seinem persönlichen Sekretär Rupert Graf zu Stolberg und von Diakon Sylvester Resch. Der Gottesdienst wurde kirchenmusikalisch hervorragend umrahmt vom Singkreis Marzoll, dem Bläserquartett der Marzoller Schlossberg-Musikanten und Timothy Higgs an der Orgel. Die Leitung hatte Kirchenmusikerin Susanne Burget. Den neuen Altar verglich der Erzbischof mit einem wuchtigen Felsen, der aus einem unzerstörbaren Grund wächst und in den man Hacken schlagen kann zum Festhalten und als Sicherung gegen den Absturz.

Zum Empfang des Erzbischofs hatten sich vor dem Friedhofseingang neben zahlreichen Gläubigen die Fahnenabordnungen der Ortsvereine und -verbände, die Spenzerfrauen des Trachtenvereins, die Kommunionkinder, Abordnungen der Pfarrgemeinderäte von Marzoll und St. Zeno sowie der Froschhamer Zunft versammelt. Dr. Marx wurde von Pfarrer Helmut Bauer und Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner unter den Klängen der Bläser begrüßt. Ein Trachtenmädchen überreichte ihm einen schönen Latschenstrauß. Das kirchliche Oberhaupt freute sich sichtlich über die gute Aufnahme und dankte dafür. Den Kommunionkindern erteilte er den bischöflichen Segen.

In der Kirche führte Pfarrer Bauer bei der Begrüßung aus, dass der erste Besuch eines Erzbischofs von München und Freising in Marzoll eine große Freude für die Pfarrgemeinde darstellt. Nachdem das Gotteshaus in den vergangenen Jahren sowohl innen als auch außen restauriert worden ist, sei es nun an der Zeit gewesen, auch die Provisorien mit dem Volksaltar zu beenden.

Der Erzbischof dankte für die freundlichen Worte. Die Altarweihe sei ein Zeichen der Hoffnung, dass der Glaube weitergegeben wird an die Nachkommen und dass diese noch nach vielen Generationen vor den steinernen Altar treten können. Dann segnete er das Wasser und besprengte damit die Gläubigen. In seiner Predigt wies er auf die unendliche Größe Gottes hin, die von den Menschen nicht begriffen werden könne. Gott brauche die Kirche nicht, aber diese und die Menschen brauchten Gott.

Dr. Marx stellte in intensiver, die Kirchenbesucher sichtlich beeindruckender Weise einen Bezug zum Evangelium her und zur Lesung. Die Fischer auf dem See Genezareth hätten die Größe Gottes ebenso erfahren wie der heilige Paulus, wie er es in seinem Brief an die Korinther schilderte. Die Segnung des Ambo sowie die Weihe des Altars wurden eingeleitet mit Fürbitten. Dann wurden dem Erzbischof die Reliquien des seligen Kaspar Stangassinger und des heiligen Martialis überreicht. Er gab sie an den Bildhauer Johann Brunner weiter. Dieser hatte den Altar und den Ambo ebenso gestaltet wie die neue Bestuhlung des Chorraums und die neuen Kernzehalter. Brunner mauerte die Reliquien in eine Nische des Altarsteins ein.

In ihrer archaischen, an die Kraft des Urchristentums erinnernden Art wurde dann die eingentliche Altarweihe für die Kirchenbesucher zu einem unvergesslichen Erlebnis des Glaubens. Zuerst salbte der Erzbischof den Tisch des Altarsteins mit heiligem Chrisam-Öl, assistiert von seinem Sekretär und von Diakon Resch, und dann entzündete er auf dem Tisch fünf Weihrauch-Feuer. Zugleich rief er den Segen und die Gnade Gottes auf die Kirche und die Gläubigen herab.

Nun war es an Mesner Armin Neubauer und an den Ministranten, die Feuer zu löschen sowie den Altartisch zu reinigen und ihn für den Pontifikalgottesdienst herzurichten. Mit der Gabenbereitung wurde der neue Volksaltar zum ersten Mal seiner Funktion gerecht. Zum Abschluss des feierlichen Gottesdienstes gratulierte der Erzbischof der Pfarrgemeinde zu ihrer schönen Kirche und zu der neuen Ausstattung. Er rief den Segen Gottes auf alle Menschen herab, die in St. Valentin ein- und ausgehen. Das Lied "Großer Gott, wir loben dich" beendete den Gottesdienst.

Der weltliche Teil der Altarweihe wurde im Vereinsheim des Trachtenvereins begangen, dessen hoher Wert für das gesellschaftliche Leben Marzolls sich hierbei eindrucksvoll bestätigte. Erzbischof Marx erwies sich als sehr zugänglicher, volksnaher und verständnisvoller Oberhirte. Er sprach vor der Bewirtung das Tischgebet und segnete auch ein Kreuz für das Haus, das ihm zwei Trachtenkinder brachten. Außerdem signierte er gerne einige Exemplare seines Buchs über das Kapital und führte angeregte Gespräche mit den Marzoller und Reichenhaller "Schäflein", wobei auch die anstehende Reform und Neueinteilung der Pfarreien zur Sprache kam. Ebenso konnte er Erinnerungsgeschenke an die Marzoller Altarweihe entgegennehmen.

Dr. Marx bedankte sich dafür. Es sei ihm eine große Freude gewesen, diesen Festtag in und mit der Pfarrgemeinde feiern zu dürfen. Der Dank von Pfarrer Helmut Bauer ging an alle Kirchenbesucher und Abordnungen für die Teilnahme am Gottesdienst, an den Mesner Armin Neubauer und die Ministranten, an den Trachtenverein mit seinem bewährtem Helferteam für die Überlassung des Vereinsheims und die gute Betreuung sowie an alle, die in irgendeiner Weise zum Gelingen des Festtags beigetragen hatten.
ImpressumKontakt Seite drucken Seite weiterempfehlen
© Erzbistum München und Freising 2010