Zum Ausklang des Kirchenjahres gedenken wir unserer Heiligen, unserer Verstorbenen, aber auch der Sterblichkeit der noch Lebenden. Im Herbstlaub und Nebel flackern dann auf den Friedhöfen die Grableuchten - und das bei einem Fest, das einst in der Osterzeit lag.
Die Nächte werden länger und selbst die Tage können im Herbst gerade im November trübe und nebelverhangen sein. Dies gilt besonders für die Zeit rund um Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am Tag darauf. Auf den Friedhöfen flackern dann besonders viele Grableuchten, entzündet von den Angehörigen der hier Bestatteten, denen sie an diesen Tagen gedenken.
Die Lichter in dunkler Nacht sind nicht nur ein beeindruckendes Bild, sondern stehen auch symbolisch für das ewige Licht von Jesus Christus, den Sieg des Lebens über den Tod und die Auferstehung der Seele.
Für uns ist der Zusammenhang von Trauergedenken und einer melancholischen Herbststimmung gegeben und der Termin von Allerheiligen und Allerseelen nur folgerichtig. Ein heißer, sonniger Hochsommertag lässt weniger an ein stilles Verharren auf dem Friedhof denken. Da mag es überraschen, dass zu seinen Anfängen, die bis ins 4. Jahrhundert reichen, das Hochfest Allerheiligen zwischen Ostern und Pfingsten begangen wurde. Hier stand das Gedenken an die Märtyrer, die wegen ihres christlichen Glaubens starben und als Heilige verehrt wurden, im Mittelpunkt. So hieß das Fest auch „Herrentag aller Heiligen“.
Von Irland Mitte des 8. Jahrhunderts ausgehend und durch irische und schottische Missionare auf dem europäischen Kontinent verbreitet, setzte sich mit dem 1. November der bis heute gültige Termin durch. Nun standen nicht mehr Ostern und der Triumph über den Tod im Hintergrund von Allerheiligen, sondern die verblassende, „sterbende“ Natur, hinter der die ewige Welt der Heiligen sichtbar wurde.
Heute schließt das Fest neben den kanonisierten Heiligen auch „Brüder und Schwestern, die schon zur Vollendung gelangt sind“, ein, also Verstorbene, die zwar nicht heilig gesprochen sind, aber ein gläubiges Leben führten. Am Nachmittag von Allerheiligen schmücken die Angehörigen die Gräber mit Grün und Blumen wie Astern und Chrysanthemen und zünden die „Ewigen Lichter“ an.
Sie finden hier die Termine der Allerheiligen-Gottesdienste in den Münchner Kirchen und die Gedenkfeiern mit Gräbersegnung auf den Münchner Friedhöfen am 1. November.
Im Landkreis Traunstein stehen zwölf Seelsorgerinnen und Seelsorger, darunter Priester, Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten sowie Seelsorgende der Senioren-, Kranken oder Familienseelsorge an 13 gemeindlichen und städtischen Friedhöfen, ganz ungezwungen für persönliche Gespräche zur Verfügung. Erkennen wird man die Seelsorgerinnen und Seelsorger an ihren aufgespannten apricotfarbenen Schirmen der Erzdiözese.
Das Projekt findet heuer in diesen Pfarreien statt: Altenmarkt/Waldfriedhof (29./30. Oktober, 15 bis 16 Uhr), Chieming (28. Oktober, 14 bis 16 Uhr), Inzell (30. Oktober, 16 bis 17:30 Uhr / 31. Oktober, 9 bis 11 Uhr), Kirchanschöring (31. Oktober, 9 bis 11:30 Uhr), Obing (29./30. Oktober, 10 bis 12 Uhr), St. Georgen (27. Oktober, 10:30 bis 12 Uhr / 29. Oktober, 15 bis 16 Uhr), Tittmoning (30. Oktober, 11 bis 12:30 Uhr und 14 bis 15:30 Uhr), Traunstein/Waldfriedhof (26. und 29. Oktober, 10 bis 11 Uhr / 28. bis 31. Oktober, 15 bis 16 Uhr), Traunwalchen (27. Oktober, 9 bis 10 Uhr / 28. Oktober, 13 bis 14 Uhr), Traunreut/Waldfriedhof (26./27. Oktober, 15 bis 16 Uhr / 28./29./30. Oktober, 9 bis 10 Uhr), Trostberg (26. Oktober, 10 bis 11 Uhr / 28. bis 30. Oktober, 15 bis 16 Uhr), Truchtlaching (30. Oktober, 10 bis 11 Uhr) und Waging am See (28. Oktober, 10 bis 11:30 Uhr / 27. Oktober, 14 bis 15:30 Uhr).
Der eigentliche Tag für das Gedenken an alle verstorbenen Gläubigen ist dann Allerseelen am 2. November. Dieser Gedenktag an alle Verstorbenen lag im frühen Mittelalter auch in der Osterzeit, bevor sich dies ab dem 10. Jahrhundert ebenfalls – diesmal ausgehend von Frankreich und dem Kloster Cluny – änderte. Abt Odilo von Cluny ordnete 998 für alle ihm unterstellten Klöster eine Gedächtnisfeier für die Verstorbenen am 2. November an. Die übrige abendländische Kirche übernahm das Fest rasch.
Viele Menschen glaubten, dass an diesem Tag die armen Seelen aus dem Fegefeuer zur Erde aufstiegen. Um ihre Erlösung zu befördern, taten die Lebenden gute Werke wie das Backen und Verteilen von Seelenkuchen, Seelenbrote oder Seelenzöpfe an Arme – eine Tradition, die sich bis heute erhalten hat.
Auch Halloween hat seinen Ursprung in Irland. Abgeleitet von All Hallow's Eve – „am Vorabend der Heiligen“, also Allerheiligen – geht das Fest auf heidnisch-keltische Bräuche zurück: Hier feierte man ausgelassen die Einheit der Lebenden mit den Toten. Irische Auswanderer nahmen das Fest mit in die USA, von dort fand es in den 1990er Jahren seinen Weg auch nach Deutschland. Allerdings hat es mit dem Ursprung nichts mehr zu tun, sondern entwickelte sich zu einem Verkleidungsfest, besonders beliebt bei Kindern, befeuert und gern gesehen von Kostümherstellern und der Süßwarenindustrie. Inzwischen ist Halloween auch in Deutschland ein mächtiger Wirtschaftsfaktor geworden.