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„Europa wieder positiv vorantreiben“

Podium beim Friedenstreffen: Kardinal Marx fordert Überwindung europäischer Selbstzweifel


München, 12. September 2011. Bei einem Podium über „Europa und seine Verantwortung in der Welt“ am Montag, 12. September, in der Münchner Residenz hat der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, die gesellschaftlichen Gruppen dazu aufgefordert, „Europa wieder positiv voranzutreiben“. Marx beklagte eine „mangelnde Identifizierung“ und erklärte: „Europa sollte ein positives Mobilisierungsprojekt sein.“ Die Diskussionsrunde, an der Vertreter aus Religion, Politik und Wirtschaft teilnahmen, fand im Rahmen des Internationalen Friedenstreffens statt, das die Gemeinschaft Sant’Egidio und das Erzbistum München und Freising noch bis 13. September in München veranstalten.

Kardinal Marx räumte ein, Europa wecke in der gegenwärtigen Situation „nicht nur positive Assoziationen“, betonte aber, dass eine Identifizierung mit Europa „wichtig für die Zukunft“ sei. Es gelte, einen grundsätzlichen „Selbstzweifel mit Blick auf die eigene Geschichte, Kultur und Tradition“ abzuarbeiten und einen „Neuaufbruch“ zu wagen. „Europa soll nicht nur um sich selbst kreisen, nicht nur wirtschaftliche Interessen verfolgen, sondern einen Beitrag leisten zu einer besseren Welt“, sagte der Kardinal. Entgegen aktueller Tendenzen zur Renationalisierung und dem Wiedererstarken von Einzelinteressen müsse Europa zu „einem positiven Programm für das 21. Jahrhundert“ werden, das vor allem dem Menschen diene: „Wir sind nicht die Retter der Welt, aber wir wollen einen Beitrag leisten.“

Zivilgesellschaftliche Gruppen wie die Gemeinschaft Sant’Egidio sollten „die Idee Europa neu mit Leben anfüllen und voranbringen“, forderte Marx. Dies geschehe auf zwei Ebenen. Zum einen müsse „an den großen Zielen“ weiter gearbeitet werden, an der gemeinsamen Charta der Grundrechte etwa, an einer europäischen Identität und prinzipieller Verbundenheit: „Europa kann nur dann lebendig werden, wenn Emotion da ist, wenn eine Schicksalsgemeinschaft zu spüren ist.“ Zum anderen brauche es immer wieder „konkrete, politische Alltagsprojekte“, wie die Armutsbekämpfung, eine ethisch inspirierte Wirtschaft oder den gemeinsamen Kampf gegen die Todesstrafe.

Mit Kardinal Marx diskutierten Mario Giro von der Gemeinschaft Sant’Egidio, Christophe de Margerie, Generaldirektor des französischen Energieunternehmens Total, Pierre Morel, Mitglied des Rats der Europäischen Union, Maram Stern, stellvertretender Generalsekretär des Jüdischen Weltkongresses, Antonio Tajani, Vizepräsident der Europäischen Kommission, sowie Joan Enric Vives I Sicìlia, Kofürst von Andorra und katholischer Bischof von Urgell, Spanien. Die Podiumsveranstaltung zum Thema Europa bildete den Auftakt zu fast 50 Veranstaltungen, bei denen sich die Gäste des Friedenstreffens mit Themen rund um das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen auseinandersetzen. (ck/gob)





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