„Schwarmintelligenz darf Gewissensentscheidung nicht ersetzen“
Diözesanratsvorsitzender Tremmel warnt vor „modernen Stammtischen“ bei der Piratenpartei
München, 16. Mai 2012. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wahlerfolge der Piratenpartei hat Hans Tremmel, Vorsitzender des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, kritisiert, dass es bislang vielen der „katapultartig in die Parlamente geschleuderten Abgeordneten“ an Fachkompetenz in unterschiedlichen Politikfeldern, konkreten politischen Positionen und professionellen Strategien fehle: „Dem Gemeinwohl dienende Politik sollte aber eigentlich nicht im Parlament gelernt, sondern dort gemacht werden“, so Tremmel in einem Beitrag für die Münchner Kirchenzeitung vom 20. Mai 2012. Basisdemokratische Schwarmintelligenz in Chats, Facebook und Twitter, den „modernen Stammtischen“, dürfe nicht die Qualität und die freie Gewissensentscheidung der gewählten Abgeordneten ersetzen, wenngleich Transparenz und Partizipation in einer Gesellschaft, die immer wieder von Klüngeleien, Intrigen und Korruptionsskandalen erschüttert werde, sinnvolle Ziele seien.
Die etablierten Parteien rief Tremmel dazu auf, sich verstärkt um Jungwähler und Nichtwähler zu bemühen; dafür könnten sie durchaus von der Piratenpartei lernen: „Junge Wählerschichten werden durch sie erschlossen, Nichtwähler zum Urnengang motiviert, Protest von der Straße in die Plenarsäle gebracht. Das ist ein Verdienst dieser Partei.“ Wer die Piraten politisch besiegen wolle, dürfe ihre klugen Köpfe nicht unterschätzen und müsse ihrem Netzpopulismus mit noch überzeugenderen Argumenten begegnen, so Tremmel. Die Aufgabe, diese neue politische Kraft kritisch zu beobachten, falle der Gesellschaft zu: „Allein das Volk hat die Macht, sie in die Parlamente zu schicken – oder eben nicht.“ (gob)