Die Nachfrage bei der TelefonSeelsorge ist konstant hoch, vor allem Jüngere nutzen die Online-Beratung. Eine Studie zeigt: Gerade das seelsorglich-spirituelle Profil wird geschätzt. Hier finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten.
Seit 1962 ist die TelefonSeelsorge in der Erzdiözese München und Freising rund um die Uhr erreichbar – gerade auch dann, wenn andere Beratungsstellen geschlossen haben. Rund 95 Prozent des Angebots werden aus Kirchensteuermitteln finanziert. Für die Erzdiözese ist dies ein Herzensanliegen: „Die TelefonSeelsorge steht für das zentrale Versprechen unseres
Glaubens: Ich bin da. Auch wenn sich Kirche verändert, Seelsorge ist gefragt und wird gebraucht“, sagt Einrichtungsleiter Alexander Fischhold.
Die TelefonSeelsorge ist bundesweit rund um die Uhr unter folgenden Telefonnummern erreichbar: 0800 111 0 222 (katholisch) oder 0800 111 0 111 (evangelisch). Die Beratung ist anonym und kostenfrei. Nachts ist die TelefonSeelsorge in erster Linie für Menschen in akuten Notlagen da.
Sie erreichen die TelefonSeelsorge auch online per Chat und Mail:
Im Schnitt heben die Mitarbeitenden rund 35.000 Mal im Jahr den Hörer ab und bearbeiten rund 4.000 Kontakte per E-Mail und Chat. Möglich ist die Besetzung rund um die Uhr dank des Engagements Ehrenamtlicher, die gut 15 Stunden Dienst im Monat leisten. Aktuell sind es rund 120 Mitarbeitende an den Dienststellen München, Bad Reichenhall und Mühldorf am Inn.
Ihre Zahl wächst, ebenso wie der Bedarf. Auch erstaunlich viele junge Menschen greifen zum Hörer oder in die Tasten: Jeder zehnte Ratsuchende am Telefon ist unter 30 Jahre alt, in der Onlineberatung sind es sogar rund zwei Drittel.
Die Beratung steht allen Menschen offen – ebenso wie das Angebot mitzuarbeiten: „Bei uns engagieren sich auch Menschen, die mit Kirche hadern oder ausgetreten sind und dennoch sehr bewusst Seelsorge im Sinne der Kirche mittragen und -gestalten wollen“, sagt Fischhold. Viele der Ehrenamtlichen seien „Best Ager“: Männer und Frauen, die kurz vor oder frisch in Rente sind.
Zu den zahlreichen Berufstätigen im Team zählt Susanne Gribl: Die selbstständige Diplombauingenieurin ist dreimal im Monat im Einsatz. „Wir haben ein freundliches Arbeitsumfeld und können uns jederzeit aufeinander verlassen. Für mich ist die Aufgabe eine wertvolle Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben“, sagt sie. Die Motivation der Ehrenamtlichen ist hoch – und hält oft lange: 2024 zeichnete Kardinal Reinhard Marx eine Mitarbeiterin für 50 Jahre Dienst mit der Korbiniansmedaille der Erzdiözese aus.
Das Ehrenamt ist anspruchsvoll. Interessenten durchlaufen ein Auswahlverfahren sowie eine neunmonatige Ausbildung und werden danach kontinuierlich begleitet. Darum kümmert sich ein Team von zwölf Hauptamtlichen in Voll- und Teilzeit. „Niemand wird alleingelassen“, betont Fischhold. „Auch für die Mitarbeitenden sind wir rund um die Uhr erreichbar – etwa nach belastenden oder suizidalen Gesprächen.“ In mehr als fünf Prozent der Kontakte ist Suizidalität ein Thema. „Die Zahl der Suizide in Deutschland nimmt leider wieder zu. Prävention war von Anfang an ein Grundauftrag der TelefonSeelsorge und bleibt es“, sagt Fischhold. Die Einrichtung ist deshalb auch Teil eines Münchner Netzwerks zur Suizidprävention, das sich 2023 gegründet hat.
Lade Bild...Susanne Gribl, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei der TelefonSeelsorge„Auch in den Sommerferien ist der Gesprächsbedarf hoch, wenn viele Therapeuten im Urlaub sind. Ein häufiger Satz am Telefon: ,Ich habe schon tagelang mit niemandem mehr gesprochen.'“
Weitere Gründe, warum Menschen bei der TelefonSeelsorge anrufen, reichen von Beziehungen über körperliche Leiden bis hin zu kräftezehrenden Pflegesituationen. Top-Themen sind psychische Belastung und Einsamkeit – und das nicht nur rund um Weihnachten, weiß Gribl: „Auch in den Sommerferien ist der Gesprächsbedarf hoch, wenn viele Therapeuten im Urlaub sind.“ Ein häufiger Satz am Telefon: „Ich habe schon tagelang mit niemandem mehr gesprochen.“
Eine Herausforderung ist der Umgang mit Menschen, die regelmäßig anrufen. Nachts steht darum die Hilfe in akuten Krisen im Vordergrund, tagsüber ermöglicht die TelefonSeelsorge jedem Anrufenden in der Regel ein Gespräch pro Tag. „Wir fördern Eigenverantwortung und Selbstfürsorge: Das gilt auf beiden Seiten des Telefons.“
Dass dieses Gleichgewicht gelingt, zeigt eine bayernweite, maßgeblich von der Erzdiözese finanzierte Studie aus dem Jahr 2025: Hier stach die hohe Bindung der Mitarbeitenden ebenso hervor wie die Niedrigschwelligkeit des Angebots und hohe Kompetenz, die Fachstellen und Psychotherapeuten der TelefonSeelsorge attestieren. Die Forschenden lobten in ihren Ergebnissen auch die jahrzehntelange ökumenische Zusammenarbeit. Das Zentrum für angewandte Pastoralforschung (zap) der Ruhr-Universität Bochum hatte die Wirksamkeit der 17 TelefonSeelsorge-Stellen in Bayern untersucht. Befragt wurden in einem ersten Schritt Mitarbeitende, Träger und Partner aus dem psychosozialen Netzwerk. Als
Gesamtfazit hielt das Forschungsteam fest: „In der TelefonSeelsorge liegt die Kirche der Zukunft.“
Vital, wirksam, ökumenisch: Das sind die 17 TelefonSeelsorge-Stellen in Bayern. Zu diesem Ergebnis bekommt eine bundesweit einmalige Studie des Zentrums für angewandte Pastoralforschung (zap) in Bochum. Mitarbeitende, Träger und Partner aus dem Psychosozialen Bereich wurden gefragt, wie sie TelefonSeelsorge (er-)leben. Ziel ist es, die TelefonSeelsorgen zukunfts- und krisensicher auszustatten. Die Ergebnisse der Studie können Sie hier nachlesen.
1962 ging die Münchner TelefonSeelsorge ans Netz. Später kamen Bad Reichenhall und Mühldorf am Inn dazu. Eine ökumenische Zusammenarbeit besteht mit der evangelischen TelefonSeelsorge. Zusammen mit den benachbarten Dienststellen ist die TelefonSeelsorge für die Menschen von Oberbayern bis Schwaben da.
Die Erzdiözese München und Freising finanziert die TelefonSeelsorge zu 95 Prozent aus Kirchensteuermitteln. Zuschüsse kommen von der Landeshauptstadt und dem Landkreis München sowie dem Landkreis Berchtesgadener Land.
Auch wenn nicht in jedem Gespräch der christliche Glaube explizit zur Sprache kommt, können die Hilfesuchenden doch Spiritualität und Gebet als tiefere Dimension der Begleitung erleben. Laut der Wirksamkeits-Studie hat die TelefonSeelsorge bei Fragen der Sinnfindung und existentiellen Krisen eine hohe Kompetenz und Bedeutung: Die Mitarbeitenden böten „unaufdringlich und auf Wunsch spirituelle sowie religiöse Ressourcen an, um Ratsuchenden zu helfen, ihre eigenen Antworten zu
finden oder Trost zu erfahren“.
Gribl beschreibt es so: „Die TelefonSeelsorge missioniert nicht. Aber wir beten, wenn Anrufende es sich wünschen. Das ist regelmäßig der Fall.“ Für Einrichtungsleiter Fischhold ist die TelefonSeelsorge deshalb ein zentraler Ort kirchlichen Handelns. So schreiben auch die deutschen Bischöfe in ihrem Grundsatzpapier von 2022: „In der Seelsorge schlägt das Herz der Kirche.“
Fischhold ist überzeugt: „Die TelefonSeelsorge erfüllt genau das: Viele Ratsuchende finden hier einen Ort erfahrbarer Nächstenliebe. Viele Mitarbeitende erleben hier gelebten Glauben. TelefonSeelsorge steht für eine Kirche, die zuhört.“
Wer anderen von der TelefonSeelsorge als kirchliche Einrichtung berichtet, unterstützt damit die Arbeit und das Angebot. Zudem ist dies durch ehrenamtliches Engagement oder eine Spende möglich:
Erzbischöfliche Finanzkammer München
IBAN: DE87 7509 0300 0002 1700 00
BIC: GENODEF1M05
Bitte geben Sie als Verwendungszweck an: Kostenstelle 10610002 (TelefonSeelsorge)
Wenn Sie eine Spendenquittung wünschen, schreiben Sie bitte Ihre Adresse dazu.
Leitung: Alexander Fischhold