Alphakurs

München - Neuperlach

 

Alphakurs in München-Neuperlach (k)ein Großpfarreimärchen

Es begann u.a. mit einem Märchen. Der Arbeitskreis Spiritualität legte im Entstehungsprozess der neuen Großpfarrei Christus Erlöser aus ursprünglich fünf Pfarrgemeinden mit über 15000 Gläubigen ein Märchen vor: Zwei Pfarreien schickten sich an, auf Wunsch des Bischofs eine zu werden. In der einen bereitete der engagierte junge Pfarrer den Prozess mit statistischen Bedarfsanalysen, Meetings usw. vor. In der anderen verwies der alte Pfarrer darauf, dass man sich künftig noch mehr auf die Freundschaft mit Jesus stützen müsse und riet alles zu tun, um diese zu vertiefen.
 
So war es mehr Fügung als Zufall, dass sich die Teilgemeinde St. Jakobus, in der es seit langem kleinere „Hauskirchen“ gab und in der das Abhalten von Glaubensseminaren schon eine gewisse Tradition hatte, auf den Weg machte, den mit bislang 16 Millionen Teilnehmern weltweit erfolgreichsten unter den derzeit praktizierten Glaubenskursen abzuhalten: einen sogenannten Alphakurs. Damit sollte, wie sich auf dem Weg herausstellte, keine Zeit für Trauer über den sich nach und nach abzeichnenden Abbruch des eigenen Kirchenzentrums bleiben. Zunächst eine Initiative des Gemeindeforums (als Nachfolger des früheren PGRs) unter Begleitung der Gemeindereferentin, schlossen sich bald auch die Priester der Großpfarrei dem Vorhaben an. Eine fast einjährige Vorbereitungszeit war erforderlich, um im September 2011 mit 21 TischbegleiterInnen, darunter 10 Vortragenden, und einem 10 köpfigen Küchenteam die Pforten für diesen besonderen Glaubenskurs zu öffnen. Geworben worden war v.a. in den fünf neu zusammen geschlossenen Gemeinden. Aus allen Teilgemeinden kamen dann am ersten Abend gut 70 Gäste zwischen 14 und 86 Jahren. Und deren Zahl sollte im Verlauf der 7 weiteren Abende eher noch zunehmen. Am Wochenende, das ebenfalls nach dem 5. Abend Kursbestandteil ist, nahmen 65 Personen teil. Nach dem Kurs zeigten sich 20 Gäste bereit, sich einer bestehenden oder einer neu gegründeten Hauskirche anzuschließen. Über die Hälfte davon haben das zwischenzeitlich realisiert. Bei den Treffen der Kursteilnehmer im Rahmen der herkömmlichen Gemeindegottesdienste und Veranstaltungen ist eine ganz neue Verbundenheit spürbar.
 
Echos auf den Kurs lauteten beispielsweise „Ich dachte, ich hab doch eh schon meinen Glauben. Aber ich bin so reich beschenkt worden“, „nach Jahren habe ich endlich wieder festen Boden unter meinen Füßen“, „hier habe das erste Mal seit langem wieder Liebe erlebt“, „ich hätte vorher nicht im Traum gedacht, dass ich mir einmal ein ganzes Wochenende Zeit für Glaubensthemen nehmen würde. Und es hat wirklich gut getan“ und „ich bin Gott viel näher gekommen“. In den Tischgruppen entstanden nach wenigen Treffen eine oft enge, vertrauensvolle Gemeinschaft, in der sich jeder so geben durfte, wie er nun mal ist. Im Anschluss an Einzelgebete wurde z-B. ein jahrelang abgebrochener Kontakt zum Kind wiederhergestellt, eine an sich hoffnungslose Überschuldung binnen zweier Monate bewältigt. Teilnehmende Paare erlebten eine Erneuerung und Vertiefung ihrer Liebe.
 
Im Team selbst wurden, durchaus schmerzhaft, Schwachstellen der Beziehungen untereinander, Vorurteile und Verletzungen aufgedeckt, was dann aber zu einer Vertiefung der Freundschaften führte.
Aus recht eigentlich taktischen Gründen zielte die Werbung für den ersten Alphakurs auf die bereits vorhandenen Gemeindemitglieder, um zu erfahren, dass Gott durch diesen Kurs nicht nur das „verlorene“, sondern auch die 99 übrigen Schafe in seine Liebe nehmen will.
 
Es erschien wie göttliche Fügung, dass der Alphakurs genau da stattfand, wo die veranstaltende Teilgemeinde nach Verlust des eigenen Pfarrers und dann sogar des eigenen Kirchengebäudes größte Sorge hatte, wie es denn in Zukunft überhaupt weiter gehen sollte. Der Kurs ermöglichte ein ungeahntes Zusammenwachsen der nun zusammengeführten Teilgemeinden. Er scheint ein besonderes Angebot für entstehende Großpfarreien zu sein, in denen die Freude an einem so fruchtbaren neuen Miteinander den Schmerz über den Verlust der althergebrachten Geborgenheit vergessen lässt.
 
So fand sich ein Großteil des Teams, bereits verstärkt durch Gäste des ersten Kurses, nach nur kurzem Zögern bereit, den Nachfolgekurs gleich sechs Monate später in einer anderen Teilgemeinde, nämlich in St. Maximilian Kolbe, anzubieten.
 
Alles weitere zum aktuellen und Erfahrungsberichte aus dem früheren Kurs unter alpha-blog.org.

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