Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 04.05.2008

Baumgartner Kolumnen
Anschaulich gelebte Hoffnung.

Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt. Der Petrusbrief, der dies von uns Christen fordert, geht davon aus, dass das Chris-tum provoziert, dass es auf Unverständnis und Widerstand stößt und dass das Christsein nicht ohne Anfeindung abgeht. Nicht zuletzt in solchen Situationen soll der Christ bereit sein, Rechenschaft abzulegen. Rechenschaft darüber, weshalb er überzeugt ist, dass der Glaube an den Auferstandenen und die Hoffnung auf die Auferstehung seinem Leben, das sich ja vom Leben anderer ansonsten nicht so gewaltig unterscheidet, eine bereichernde Wende gibt.

Hier liegt wohl unser Problem. Wir verfügen über eine so schmale „Ration“ einer christlichen Überzeugung und Hoffnung, dass sie gerade so zum eigenen Überleben reicht. Sie scheint zu klein, als dass sie noch mit anderen geteilt werden könnte. Unsere Hoffnung ist zu schwach, als dass sie zur Herausforderung für andere würde.

Aber die Welt brauche keine Verdoppelung ihrer Hoffnungslosigkeit durch die Religion, heißt es in dem leidenschaftlichen Wort über die Hoffnung, dass die Würzburger Synode am Schluss ihrer Beratungen den deutschen Katholiken zugerufen hat. Die Welt brauche und suche das Gegengewicht, die Sprengkraft gelebter Hoffnung. Wörtlich: „Als Christen schulden wir der Welt dies: anschaulich gelebte Hoffung“.
 
Wie aber und wo wird gelebte Hoffnung anschaulich und greif-bar. Ganz gewiss nicht dadurch, dass sich die Christen über die großen und kleinen Hoffnungen ihrer Zeitgenossen moralisch erheben, über die Hoffnungen auf wissenschaftlichen Fort-schritt, auf materielle Sicherheit oder auf berufliches Fort-kommen. Es sind ja auch unsere Hoffnungen. Christliche Hoff-nung wird allerdings auch nicht greifbar, wenn wir uns gleich-sam an die Spitze des moralischen Fortschritts der Menschen und der Menschheit stellen. Setzen wir als Christen tatsäch-lich auf unsere eigenen moralischen Potentiale?

Die Synode weist uns einen anderen Weg: „Die Hoffnung auf die Auferweckung der Toten, der Glaube an die Durchbrechung der Schranke des Todes macht uns frei zu einem Leben gegen die reine Selbstbehauptung, deren Wahrheit der Tod ist“. Christli-che Hoffnung erleichtert es uns, von uns selbst anzusehen und die Perspektive des Anderen einzunehmen. Der Verzicht auf Selbstbehauptung eröffnet Wege der Versöhnung. Auf ein zweites weist uns die Synode selbst hin: „Diese Hoffnung stiftet uns dazu an, für andere da zu sein und das Leben anderer durch Solidarität zu verändern“. Als Christen hoffen wir nicht für uns, sondern immer auch für die anderen. Christliche Hoffnung muss zu einer Hoffnung der Armen, Benachteiligten und Ausgegrenzten werden. Christliche Hoffnung wirkt dann befreiend, wenn Menschen, die sich in einer ausweglosen Lage befinden, eine neue Lebens-Perspektive vor Augen haben, wenn Menschen, die sich überflüssig fühlen, eine Aufgabe erhalten, die ihnen Wertschätzung und Anerkennung gibt.