Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 27. Februar 2011

Mehr als ein Filmvergnügen

Eine echte Sensation ist es ja nicht, dass ein Papst im 21. Jahrhundert gelegentlich eine DVD ansieht. Und auch der Lieblingsfilm ist keine Überraschung. Don Camillo, der ebenso liebenswürdige wie raubeinige Gegenspieler des kommunistischen Bürgermeisters Peppone, ist also der cineastische Favorit von Benedikt XVI. Man kann sich gut vorstellen, dass sie da gemütlich vor dem Fernseher sitzen, einige seiner engsten Vertrauten und der Mann im weißen Gewand (kuschelige Pullover gelten als unpassend). Sie genießen den humorvollen und feinsinnigen Film über die beiden Rivalen, die trotz aller vordergründigen Verschiedenheit letztlich doch enge Freunde sind, weil sie in ihren Grundüberzeugungen übereinstimmen.
Schade dass der Journalist Peter Seewald die entscheidende Frage in diesem Kontext nicht gestellt hat: „Hl. Vater, was gefällt Ihnen an dem Film am besten?“ Vielleicht würde die Antwort lauten: „Die Szenen, wenn Don Camillo mit dem Gekreuzigten spricht und dieser mit seiner gütigen Stimme antwortet.“
Diese Zwiegespräche zeugen von einem tiefen Glauben. Sie rühren uns an und machen uns bisweilen etwas neidisch. Wie schön wäre es doch, wenn auch wir einen so unmittelbaren Draht zu Christus hätten. In ganz alltäglichen Fragen und Problemen, in Freude und Trauer, in Hoffnung und Angst könnten wir uns direkt an ihn wenden. Wir würden gelobt und gelegentlich auch getadelt. Wir könnten ihn zwar nicht betrügen, selbst wenn wir es schlitzohrig versuchten, aber wir wären uns seiner Liebe jederzeit bewusst.
Ist die Christusbegegnung tatsächlich nur ein Märchen, das allenfalls im Film funktioniert? Ist das Kreuz nur Zierde um den Hals, nur Wandschmuck in unseren Häusern? Ist der Glaube an den Auferstandenen nur Folklore und Brauchtum? Ist seine soziale Botschaft nur Sozialromantik und seine Heilszusage nicht so ernst gemeint?
Wenn wir tatsächlich überzeugt sind, dass es Gott gibt und Jesus Christus sein Sohn und unser Bruder ist, wenn wir glauben, dass wir eine gemeinsame Sendung haben, dann dürfen, ja dann müssen wir aus diesem Glauben heraus über all die Themen offen sprechen, die die Gläubigen dieser Kirche derzeit bewegen. Im ehrlichen Dialog stehen heißt, einander zu respektieren und uns von Christus als Volk Gottes einen zu lassen. Wer den Auftrag zur Communio begriffen hat, stellt die anderen mit ihrer Wahrheitssuche nicht in die kirchenfeindliche Ecke. Die Liebe des Gekreuzigten steht quer zu jeder Rechthaberei. Gerade gegen die enggeführte Gesetzesethik seiner Umwelt hat Jesus ja gepredigt. Es geht nicht um die Quantität von Unterschriften von welcher Seite auch immer, sondern um die Qualität der Argumente. Hören wir also aufeinander und hören wir wie Don Camillo hin auf Christus: „Habt Salz in euch, und haltet Frieden untereinander!“ (Mk 9,50)
Tremmel
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