Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 24.03.2013

Anders als erwartet – dem Hl. Geist sei Dank

Die Laien und der Diözesanrat der Erzdiözese München und Freising freuen sich insbesondere mit unseren Freunden und Partnern aus Ecuador über die Wahl des ersten Papstes aus Lateinamerika. Einer der ihren ist nun auch einer der unseren geworden, so wie zuvor einer der unseren auch ihrer geworden war. Das gemeinsame Gebet für den Papa Emeritus war denn auch mehr als eine schöne Geste der Verbundenheit mit seinem Vorgänger.
Der Heilige Geist hatte zweifellos einen anderen Kriterienkatalog als die sogenannten Experten. Vielleicht sollten wir das zum Anlass nehmen, auch unsere Schwerpunkte wieder einmal zu überdenken. „Kardinal der Armen“ genannt zu werden, ist ein Ehrentitel, den Jorge Mario Bergoglio als Erzbischof von Buenos Aires sich durch seine persönliche Lebensführung und durch seinen Einsatz für benachteiligte Menschen verdient hat. Gleichermaßen konsequent und mutig ist daher die Wahl seines Papstnamens. Papst Franziskus hat mit dieser Entscheidung ein deutliches Zeichen gesetzt, das wir zwar verstanden haben, das wir aber in seiner ganzen Tragweite erst wirklich begreifen müssen.
Sein erstes öffentliches Auftreten als Papst zeigt, dass Franziskus nicht machtvoll über oder gar am Volk vorbei regieren, sondern sich ganz in den Dienst Gottes und dieser großen Aufgabe stellen will. Wenn er sich vor den Menschen verneigt und um ihr Segensgebet bittet, noch bevor er selber die Menschen segnet, dann macht das deutlich, da will einer sich gemeinsam mit dem ganzen pilgernden Volk Gottes auf den Weg machen. Das stimmt zuversichtlich und rührt die Herzen der Menschen an. Wir Laien werden Papst Franziskus im Gebet und mit unserem Engagement begleiten.
Die Italiener müssen nicht traurig sein, denn Bergoglio kehrt in das Land seiner Vorfahren zurück und sucht sich den bedeutensten italienischen Heiligen als Namensgeber aus. Wir Deutschen können uns durch seinen mehrmonatigen Studienaufenthalt mit ihm verbunden wissen. Wenn in nächster Zeit weitere Einzelheiten über diesen Mann bekannt werden, dann dürften noch viele andere Bezüge gefunden werden. Entscheidend ist das nicht. Entscheidend ist, dass wir offensichtlich einen überaus freundlichen und liebenswürdigen Menschen an der Spitze von 1,2 Milliarden Katholiken haben, zu dem wir alle aufblicken und ihn als unseren obersten Brückenbauer erkennen können – egal ob Europäer, Amerikaner, Afrikaner oder Asiate. Ältere Interviewaussagen von ihm lassen erkennen, dass das Amt der Einheit in der Weltkirche gerade auch aus Sicht der Laien vielversprechend besetzt ist. Außerdem haben vermeintliche Übergangspäpste bereits in der Vergangenheit großartig und segensreich in der Kirche und in der Welt gewirkt. Ähnlichkeiten zum Auftreten von Johannes XXIII. auf der Loggia des Petersdoms waren jedenfalls für mich durchaus erkennbar.
Ob der Hl. Vater die vielen Erwartungen der deutschen Katholiken erfüllen wird, ob er die Verwaltung und die Strukturen im Vatikan rasch in den Griff bekommen kann und ob er die drängenden Probleme der Weltkirche lösen wird, das wird die Zukunft weisen. Wir wünschen es ihm und uns. Heute gilt es, mit Freude und Dankbarkeit nach Rom zu blicken und gemeinsam mit unseren Freunden aus Ecuador nicht „Buona notte“ zu sagen, sondern „Buenos Dias, Papa Francesco“.
Tremmel
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