Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 26.01.2014

So nicht!

Kaum sind die letzten Silvesterböller verklungen, werden bereits die ersten wahlkampfbedingten Verbalraketen gezündet. Wirklich sinnvoll sind sie nicht, aber sie krachen so schön laut. Und dass andere dann den Müll wieder von der Straße kehren müssen, kümmert die Populisten im Hinblick auf vermeintlich bessere Chancen bei den Kommunal- und Europawahlen offensichtlich nicht. Selbstgebastelte Knaller aber sind gefährlich. Sie können nach hinten los gehen. So ist es auch hier. Wer Wahlkampf und Stimmung gegen Menschen macht, der muss mit Widerspruch und kann nicht mit dem Kreuzchen von uns Christen rechnen. Betrug, Sozialleistungsmissbrauch und Korruption sind keine Erfindungen der Bulgaren oder Rumänen. Wer mit dem Finger auf andere zeigt, dem sollte bewusst sein, dass drei Finger auf einen selber zurückweisen. Auch haben wir die Selbstbedienermentalität einiger weniger Politiker nicht gänzlich vergessen. Ängste und Ressentiments zu schüren, ist nicht klug, sondernd berechnend. Diese Rechnung aber kann nicht aufgehen, wenn unter dem Strich ein freies, friedliches und gerechtes Europa stehen soll.

Differenziertes Argumentieren liegt manchen Wahlkämpfern nicht. Die Wähler wollen schließlich klare Botschaften und einfache Antworten. Dennoch, die europäische Freizügigkeit ist kein Machwerk gegen Deutschland. Sie ist kein Angriff der Europäischen Union auf unser sauer verdientes Geld und unsere Sozialkassen, sondern die klare Konsequenz eines vereinten Europas, an der unsere demokratischen Parteien mit viel Energie mitgewirkt haben und das sich gerade in der Krise bewähren muss. Selbst wenn Europaskeptiker durchaus Wähler mobilisieren können, sollten sich verantwortungsvolle Politiker an ihre eigenen Europabekenntnisse erinnern, die sie mit großem Pathos bei verschiedenen Feierstunden verkünden.

Natürlich können wir unsere Sozialsysteme nicht für alle öffnen. Und natürlich muss die Freizügigkeit gestaltet und verwaltet werden. Aber tun wir doch nicht so, als läge hierin unser eigentliches Problem. Warum werden plötzlich die Chancen und die positiven Aspekte der Freizügigkeit kleingeredet oder gar verschwiegen? Warum begrüßen wir nicht die Menschen der beiden Staaten mit einem herzlichen Willkommen? Willkommen in unserer Wertegemeinschaft. Willkommen im Land des Fachkräftemangels. Willkommen beim Exportweltmeister, der euch dringend braucht, um dem demografischen Desaster zu entgehen. Willkommen in unserem freiheitlich demokratischen und eben auch sozialen Rechtsstaat.

Es kommen ja nicht nur die Armen. Aber wenn auch Arme dabei sind, dann brauchen wir nicht einmal an die Ränder zu gehen, wie Papst Franziskus es fordert, dann kommen die Ränder auch ein bisschen zu uns Christen. Und dann gilt: Wer liebt, der fliegt – und zwar mitten ins Herz Jesu hinein.
Tremmel
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