Diözesanrat der Katholiken

Demokratisch gewählte Vertretung des Kirchenvolkes.
Der Diözesanrat repräsentiert mehr als 125.000 ehrenamtlich in Katholikenräten, Verbänden und Initiativen aktive katholische Frauen und Männer.

Münchner Kirchenzeitung vom 15.06.2014

Steilpass gegen Armut
 
Natürlich sind Höhepunkte immer auch subjektiv. Und beim 99. Deutschen Katholikentag gab es zahlreiche Höhepunkte – Gottesdienste, Diskussionen, Andachten, Begegnungen und ein reichhaltiges Kulturprogramm. Die bunte, lebendige und ansteckende Vielfalt war ebenso beeindruckend wie die Einheit im Glauben an den Brückenbauer Jesus Christus, die trotz aller Unterschiede immer wieder deutlich wurde.
Ein musikalischer Höhepunkt war für mich das von Adveniat organisierte Tangokonzert von Quadro Nuevo. Ein wirklich besonderer Abend aber wurde es, weil die Musiker in Begleitung eines Armenpfarrers aus Argentinien kamen. Sebastián Federico Sury ist einer jener Priester, die von Erzbischof Kardinal Bergolio in die Armenviertel gesandt worden waren. Als der sympathische Mann nun in seinem schlichten Wollpullover – es war ja bitterkalt in Regensburg – begeistert von seiner Arbeit erzählte und dies mit einprägsamen Fotos veranschaulichte, konnte man noch deutlicher begreifen, was Papst Franziskus zu seiner Namenswahl veranlasste und welches Glück es für Pfarrer Sury bedeutet, mit und bei den Armen am Rande der wohlhabenden Gesellschaft zu leben.
Buenos Aires sei eine gefährliche Stadt mit sehr freundlichen Menschen, berichtete einer der Künstler über ihre Reise nach Argentinien. Von den Taxifahrern wären sie nämlich überall gewarnt worden, in dieser Gegend besser nicht auszusteigen. Sie taten es trotzdem und trafen dann jeweils sehr herzliche Menschen, obwohl Not und Elend durchaus auch anderes verständlich gemacht hätte. Diese Erfahrung bestätigte der Argentinier schmunzelnd und fügte hinzu: „Ja, die Armen sind immer gefährlich – denn sie rauben dir dein Herz.“
Was Arme und Reiche neben dem Glauben verbindet, ist gerade in Südamerika und natürlich insbesondere jetzt in Brasilien der Fußball. Dennoch gibt es rund um dieses sportliche Großereignis erhebliche Ungerechtigkeiten. Auf einen einfachen Nenner gebracht: die Reichen profitieren, während die Armen in den Favelas die Zeche zahlen. Als Christen dürfen wir das nicht einfach hinnehmen. Und so war es sehr passend, dass an diesem Tangoabend Adveniat auf ein gemeinsam mit anderen kirchlichen Verbänden und Hilfswerken initiiertes Aktionsbündnis aufmerksam machte, das sich für mehr Gerechtigkeit und bessere Lebensbedingungen an den Rändern der Gesellschaft Lateinamerikas stark macht (www.aktion-steilpass.de). Die Frage ist nämlich berechtigt, warum Brasilien in der Lage ist, Milliarden in Arenen zu investieren, es aber beispielsweise nicht schafft, bezahlbaren Wohnraum, eine funktionierende Gesundheitsversorgung, ein intaktes Nahverkehrssystem und angemessene Bildungsangebote für alle Menschen einzurichten. Egal, wer die WM gewinnt, die Armen sollten nicht als Verlierer vom Platz gehen müssen.
Tremmel
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[Aktionen von kirchlichen Verbänden und Hilfswerken zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien]