Jeder Einzelne ist gefragt! - Buchtipps zum Leben in schwierigen Zeiten

"Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten?". Diese Frage von Anton Tschechow könnte im Grunde über allen Büchern stehen, die die Buchhändlerinnen aus der Buchhandlung "Lesetraum" des Sankt Michaelsbundes zusammengestellt haben. Die Autoren machen sich Gedanken über den Zustand der Welt - und darüber, was jeder Einzelne zum Fortbestand einer humanen Gesellschaft beitragen kann. Alle Titel sind in der Buchhandlung "Lesetraum" in der Münchner Innenstadt erhältlich. Oder im Online-Shop www.michaelsbund.de.

Wut
(Bild: Dumont Buchverlag)

Wut ist ein Geschenk
Das Vermächtnis meines Großvaters Mahatma Gandhi

Arun Gandhi ist der Enkel Mahatma Gandhis. Als 12-Jähriger erlebte er den bedeutenden und einflussreichen Friedensaktivisten aus nächster Nähe. Zwei Jahre lang lebte er gemeinsam mit ihm im Ashram Sevagram in Zentralindien. Während dieser Zeit lehrte sein Großvater ihn die zehn wichtigsten Lektionen des Lebens, ein Vermächtnis, das Arun in diesem Buch mit uns teilt. So enthält jedes Kapitel eine zeitlose Lektion Mahatma Gandhis. Allmählich lernt Arun die Welt in der Obhut seines geliebten Großvaters neu zu sehen. Und gemeinsam mit ihm durchdringt auch der Leser Fragen zum Umgang mit Wut, zur Identität, zu Depression, Verschwendung, Einsamkeit, Freundschaft und Familie.

Mahatma Gandhi hat mit seiner Lehre die Welt verändert. Seine Idee des Widerstands durch Ungehorsam und Gewaltlosigkeit haben Tausende, darunter Martin Luther King und Nelson Mandela, inspiriert. Sein Vermächtnis an seinen Enkelsohn kann uns allen Orientierung geben in diesen schwierigen Zeiten. 

Arun Gandhi  
Dumont Buchverlag
20
ISBN 9783832198664

über den anstand
(Bild: Verlag Antje Kunstmann)

Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

Wir leben in aufgewühlten und aufwühlenden Zeiten, die Grundlagen unseres bisherigen Zusammenlebens sind bedroht: Zeit, sich wieder einmal ein paar wichtige Fragen zu stellen.

Was bedeutet es eigentlich für jeden Einzelnen, wenn Lüge, Rücksichtslosigkeit und Niedertracht an die Macht drängen oder sie schon errungen haben? Wenn so erfolgreich in der Öffentlichkeit gegen alle bekannten Regeln des Anstands verstoßen wird? Was heißt unter diesen Bedingungen genau: ein anständiges Leben zu führen?

Axel Hackes Buch ist kein Pamphlet, denn Pamphlete gibt es genug; es ist vielmehr ein assoziatives Nachdenken über das Zusammenleben der Menschen und die schon von Anton Tschechow gestellte Frage: "Warum leben wir nicht so, wie wir leben könnten?" Es ist ein Plädoyer dafür, die Antwort erst einmal nicht bei anderen, sondern bei sich selbst zu suchen - und dabei vielleicht am Ende ein wenig Demut, auch etwas Neugier auf andere zu entdecken. Denn vermutlich geht es in unserer komplizierten Welt
zuallererst nicht um die Lösung aller Probleme. Die hat ohnehin keiner, und wer so tut, als hätte er sie, dem sollte man misstrauen. Sondern es gilt, eben diese Tatsache mit Anstand zu ertragen und sich dabei mit der großen und immer neu zu stellenden Frage zu beschäftigen: Wie wollen wir eigentlich miteinander umgehen?

Axel Hacke
Verlag Antje Kunstmann

18 €
ISBN 9783956142000

wer wir waren
(Bild: S. Fischer Verlag)

Wer wir waren
Zukunftsrede

Roger Willemsens letztes Buch sollte 'Wer wir waren' heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt eine Rede, die Roger Willemsen noch im Juli 2015 gehalten hat: Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine "Abspaltung aus der Rasanz der Zeit". Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.
Roger Willemsen hat diese Rede am 24. Juli 2015 gehalten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

"Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten."
Roger Willemsen

Roger Willemsen
S. Fischer Verlag
12 €
ISBN 9783103972856

hillbilly
(Bild: Insel Verlag)

Hillbilly-Elegie
Die Geschichte meiner Familie und einer Gesellschaft in der Krise

"Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, seine Mutter war drogensüchtig, sein Vater verließ die Familie in frühen Kindheitstagen, unzählige Ersatzväter sollten folgen und dennoch studierte J.D. Vance an der Yale-Universität Jura. Die Lebensgeschichte des Autors ist die Verwirklichung des amerikanischen Traums. Dennoch ist diese Autobiografie keine Erfolgsgeschichte. Denn sie erzählt auch die Geschichte einer gesellschaftlichen Gruppe in den USA, die zunehmend von den übrigen Schichten isoliert lebt. Sozialer Aufstieg, wie der des Autors, ist unter den Hillbillys äußerst selten und neben Fleiß und Wille gehört eine Menge Glück dazu. Selbst wenn der Aufstieg aus der Armut einmal geschafft ist, bleiben Kindheitstraumata und Beklommenheit ein Leben lang erhalten.

Der Sachbuch-Bestseller ist ein bedrückendes und zugleich fesselndes Buch, das dem Leser die Schwierigkeiten der weißen amerikanischen Unterschicht sehr plausibel näher bringt. Es zeigt, wie schwer es ist, der Spirale von Armut, Gewalt und Kriminalität zu entkommen und bietet auch eine Erklärung für den Wahlerfolg eines Donald Trump. Der Autor wirft Fragen nach Lösungswegen auf, die er selbst nicht beantworten kann. Kein Geld, nicht die Politik oder eine Sozialreform können dieses Problem lösen. Was ihm am meisten geholfen habe, sei ein Rückzugsort der Geborgenheit. Im Idealfall ist dies eine intakte Familie, in seinem Fall seine Großeltern. Ein empfehlenswertes, bewegendes Buch."
Sebastian Heuft für "Buchprofile"

J. D. Vance
Ullstein Verlag
22 €
ISBN 9783550050084

Was auf dem Spiel
(Bild: Hanser Verlag)

Was auf dem Spiel steht

Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit: Die Ideen des modernen Staats entstanden während der Aufklärung. Im 21. Jahrhundert haben wir uns längst daran gewöhnt. Dass Populisten mit dem Versprechen einer autoritären Gesellschaft Mehrheiten organisieren, ist dagegen eine neue Erfahrung.

Der Historiker Philipp Blom sieht die westlichen Gesellschaften vor einer prekären Wahl: radikale Marktliberale einerseits, autoritäre Populisten andererseits. Sie gaukeln uns einfache Lösungen für die globalen Herausforderungen vor. Nur mit einem illusionslosen, historisch informierten Blick auf die Gegenwart und mit der Überzeugung, dass allen Menschen ein freies Leben zusteht, können wir unsere humane Gesellschaft retten.

Philipp Blom
Hanser Verlag
20 €
ISBN 9783446256644


Alle Titel sind in der Buchhandlung Lesetraum in der Münchner Innenstadt erhältlich oder im Online-Shop www.michaelsbund.de.