Ein wenig wie der heilige Christophorus Ehrenamtliche engagieren sich für junge Flüchtlinge im Alveni-Jugendhaus der Caritas

Älterer Mann gibt jungem Flüchtling Unterricht, sie schauen gemeinsam in ein Buch.
Ein- bis zweimal pro Woche erteilt der pensionierte Lehrer Horst Rückert jungen Flüchtlingen Nachhilfe im Alveni-Jugendhaus der Caritas. Es liegt im Gebiet des Pfarrverbandes Fasanerie-Feldmoching, zu dem auch die Gemeinde St. Christoph gehört. Foto: rif
„Horst, schau mal, ich habe heute viel richtig gemacht in der Schule“, freut sich Ali, der mit seinem Deutschbuch zur Nachhilfestunde mit Horst Rückert kommt. Ali ist 19 und lebt seit zwei Jahren in Deutschland, davon ein Jahr im Alveni-Jugendhaus der Münchner Caritas. Der junge Jeside stammt aus dem Nordirak, wo Kurdisch und Arabisch gesprochen werden. Hier muss er nicht nur eine neue Sprache lernen, sondern auch eine neue Schrift. „Ich bin froh, dass Horst mir hilft“, sagt er. Wenn man langsam spricht, versteht Ali schon ziemlich viel. Doch in der Übergangsklasse der Berufsschule Langwied tut er sich manchmal noch schwer. Er will Frisör werden, aber davor muss er Deutsch und Mathe pauken.
„Ich mag Jugendliche. Das ist wichtig. Und ich habe Zeit“, schmunzelt der pensionierte Deutschlehrer Horst Rückert. Seit einem Jahr ist er Ehrenamtlicher im Alveni-Jugendhaus der Münchner Caritas sowie in einer anderen Einrichtung. „Ich habe früher nicht nur an Münchner Gymnasien gearbeitet, sondern auch im Auslandsschuldienst. Deshalb weiß ich, wie schwer es ist, Deutsch zu lernen“, erklärt der 67-Jährige, der auch Deutsch als Fremdsprache unterrichtet hat. An diesem Abend geht er mit Ali die Vokabeln rund ums Kochen durch. Vor allem aber bringt er Ali dazu, dass er konsequent deutsch redet. Zu seinem Ehrenamt ist Rückert über den Leiter des Alveni-Jugendhauses Jürgen Keil gekommen sowie über Eloise Sanders, eine der Ehrenamtlichenbetreuerinnen im Haus. Beide hat Rückert früher selbst unterrichtet, an verschiedenen Schulen.
Alveni-Jugendhaus der Caritas
Das gelbe Haus rechts war früher das Pfarrhaus von St. Christoph. 2015 wurde es total renoviert. Hier ist nun eine Wohngruppe schwer traumatisierter junger Flüchtlinge untergebracht. Foto: rif
43 Jugendliche und junge Männer leben gerade im Alveni-Jugendhaus der Caritas, wie Leiter Jürgen Keil erklärt. Acht von ihnen sind Teil einer Intensiv-Wohngruppe, die im alten Pfarrhaus von St. Christoph untergebracht ist. „Die früheren Gebäude der Pfarrei St. Christoph werden schon ganz lange von der Caritas genutzt“, betont Keil. Die neue Kirche und das Pfarrheim liegen gut einen Kilometer entfernt am anderen Ende der Straße. Enge Verbindungen zwischen St. Christoph und dem Aveni-Jugendhaus gibt es zwar nicht, da bis auf fünf orthodoxe Christen, die ihre eigene Kirche besuchen, und einige Jesiden alle Bewohner Muslime sind. Doch einige Nachbarn engagieren sich stark für die Jugendlichen. „Bei uns sind derzeit 15 Ehrenamtliche aktiv“, weiß Eloise Sanders, die zusammen mit zwei Kolleginnen Ansprechpartnerin dieser Gruppe ist. „Einige begleiten Ausflüge oder Freizeitmaßnahmen, andere erteilen Nachhilfe und übernehmen die Hausaufgabenbetreuung. Zwei Ehrenamtliche helfen in der Fahrradwerkstatt. Eine Musikstudentin lädt am Sonntag zum Singen ein. Und Sportangebote gibt es auch“, listet Eloise Sanders auf.
Trainer leitet junge Männer bei der Nutzung von Fitnessgeräten an.
Matthias Baron (hier von hinten zu sehen) leitet die Jugendlichen bei der Nutzung der Geräte an. Foto: mb
Eines dieser Sportangebote begleitet Matthias Baron. Der 25-Jährige ist Pfarrjugendleiter in der Pfarrei St. Christoph und von Beruf Physiotherapeut. Er weiß also, wie man so trainiert, dass es dem Körper nicht schadet und Muskeln aufgebaut werden können. „Ich komme seit vier Jahren ins Alveni-Jugendhaus“, berichtet „Matze“, wie er dort genannt wird. Immer am Mittwochabend weist er die Jungs aus dem Haus in die Geräte im Kraftraum ein. „Einige trainieren wirklich regelmäßig und erreichen dadurch viel Kraft und Ausdauer“, erzählt Matthias Baron. Ein starker und leistungsfähiger Körper sei nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch fürs Selbstbewusstsein. – Und wie er das erzählt, scheint der Namensgeber seiner Pfarrei, der starke Heilige Christophorus, von der Kirche St. Christoph herüberzublinzeln. Denn der ist bekanntlich auch der Schutzpatron der Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer…

Gabriele Riffert

Das Alveni-Jugendhaus

„Alveni“ ist ein Wort aus der Kunstsprache Esperanto und bedeutet „Willkommen“. Das Alveni-Jugendhaus der Caritas liegt im Gebiet des Pfarrverbandes Fasanerie-Feldmoching, zu dem auch die Gemeinde St. Christoph gehört. Die Caritas nutzt die alten Gebäude der Pfarrei schon seit 25 Jahren. 2015 wurde das alte Pfarrhaus mit Hilfe der Erzdiözese umfassend renoviert. Dort ist nun eine achtköpfige Wohngruppe von schwer traumatisierten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen untergebracht. Im größeren Nachbargebäude leben derzeit 35 weitere junge Flüchtlinge.