Heimatsucher im Laufener Pfarrgarten

Flüchtlingsfamilien gewinnen „Wurzelgrund“ im Umfeld der Stiftskirche

Laufen an der Salzach: Die Kirchenverwaltung der Pfarrei Maria Himmelfahrt beschloss auf einer ihrer letzten Sitzungen, Gartenparzellen im Umfeld der Stiftskirche an die im Stiftswinkel wohnenden Flüchtlingsfamilien aus Palästina, Eritrea und Nigeria kostenfrei zur Nutzung zu übertragen. Pfarrer Simon Eibl – tatkräftig unterstützt von Helfern aus der Nachbarschaft – leitete die Aktion in die Wege.
Flüchtlinge bei einer Pause im Garten
Zunächst galt es durch Baum- und Strauchrodung und Rückschnitt Sonne in ein verschattetes Gartenareal zu bringen, denn nicht nur die Menschen, auch Gemüse und Blumen wollen ans Licht. Es war eine Freude zu sehen, wie die jungen Männer der Migranten-Familien sich mit Elan der Sache widmeten und ihre Kraft zum Baumausreißen nutzen konnten. Nicht weniger kraftfordernd war das Umgraben, der Rasenumbruch. Dabei stellte sich heraus, daß das Wenden der Rasensoden so wie wir es hierzulande gewohnt sind, den Männern aus dem Nahen Osten und Afrika nicht vertraut ist. Dort wird statt Spaten und Grabgabel mit der Hacke gearbeitet, vor allem auch deshalb, weil der Boden meist steiniger und trockener ist. Trotzdem – sie lernten gut den „bayerischen“ Rasen-Umbruch, der Voraussetzung für einen guten Kartoffelanbau ist. Ihre Hacktradition kann sich dann beim Häufeln und Hacken der Erdäpfel-Bifänge bewähren.

Während die schwere Arbeit den Männern zukam, informierten sich die Frauen, angeleitet von der Sozialpädagogin Barbara Paiva, vermittels bilderreicher Gartenliteratur über die hierzulande üblichen Gemüsearten. Sie waren verwundert zu sehen, wie viel ihnen davon bekannt vorkam, allenfalls in anderer Variation. Ob dabei Heimatgefühle hochkamen? Zumal ihnen Dr. Sepp Heringer zu erläutern versuchte, daß ein Großteil unserer gängigen Kulturpflanzen just aus den Weltgegenden stammen, aus denen derzeit die meisten Flüchtlinge kommen.


Männer beackern die Erde
Während die Männer gruben, die zahlreichen Kinder mit dem Rodungsmaterial spielten oder Sandkuchen backten, wurden von den Frauen und Mädchen die ersten Samen in die Mulden der Pflanztafeln gesteckt – Süßmais und Kosmea – Hoffnung auf Mund- und Augenweide. Zusätzlich gab es für alle „Kompost-Unterricht“, damit die Heimatsucher nicht nur wurzelschlagen sondern auch die eigene Erde erzeugen können. Ein Hochbeet – „beheizt“ durch Kompost-Verrottungswärme wird helfen, den Frühling zu beschleunigen.

Es bleibt zu hoffen, dass die durch Heimatverlust und Flucht einerseits und durch Versorgungkultur andererseits von Können und Würde entfremdeten Menschen über den Garten wieder Anschluss an das eigentliche Leben finden, denn selbst-leben, selbst-erzeugen macht Spaß, weniger das Abgedrängtsein in die bloße Rolle als „Tafel-Bedürftige“ und Behörden-Bittsteller. Ein „runder Tisch“ mit Gebäck und Pfefferminztee im werdenden Garten – was besonders die Palästinensern erfreute – schloss den Start in eine hoffnungsvolle Zukunft in der Stadt an der Salzach ab.

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