„In Bulgarien haben wir nichts zu suchen!“

  Caritas hilft sechs Familien aus Süd- und Osteuropa

Immer mehr Zuwanderer aus Süd- und Südosteuropa suchen in München Arbeit und Perspektiven für ihre Zukunft. Sie haben keine Wohnung, keine Krankenversicherung und keinen Anspruch auf Sozialleistungen. Zurück wollen sie trotzdem nicht.

„Nein, wir haben in Bulgarien nichts zu suchen“, antwortet Georgi auf die Frage, ob die Familie manchmal Heimweh habe. Nur die Eltern lebten noch dort. „Alles ist besser, als in Bulgarien zu sein“, sagt seine Frau. Die sechsköpfige Familie lebt seit 15. April in einem etwa achtzehn Quadratmeter großen Zimmer in einer Pension in Pasing. Dank der Caritas sind sie nach Ende des Kälteschutzprogramms der Stadt München als eine von sechs Familien dort untergekommen. 3.220 alleinstehende Menschen und 50 Familien mit Kindern haben vergangenen Winter das Kälteschutzprogramm der Stadt München in Anspruch genommen. In der Bayern-Kaserne standen 500 Betten zur Verfügung, damit niemand auf der Straße schlafen muss. Vergangenen Winter hatte die damals hochschwangere Radoslava P. mit ihren drei Kindern in einer Pension Zuflucht gefunden, ihr Mann Georgi aber nicht.

Letztes Frühjahr hatte Georgi ein Zimmer und eine Arbeit in München. Als er seine Familie aus Bulgarien nachholen wollte, waren Arbeit und Wohnung von einem Tag auf den anderen weg. Die Polizei geht der Sache nach. Der 36-jährige Bulgare spricht kaum Deutsch. Seit Mitte April kommt er zur Beratung zur Caritas. Sein Landsmann Nedialko Kalinov ist Sozialpädagoge und berät Zuwanderer aus Bulgarien im Caritas-Projekt „Bildung statt Betteln“.

Die Familie lebt von 400 Euro, die Georgi durch seinen Minijob als Hausmeister verdient, und dem, was Ehrenamtliche aus der Nachbarschaft zum Essen vorbei bringen. Sie schlafen zu sechst in zwei Stockbetten. Es gibt eine Dusche und eine Toilette im Zimmer. Eine größere Wohnung und eine gute sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden, das ist Georgis Ziel. Kalinov versucht, der Familie über die Münchner Tafel in Pasing zu helfen. Die Anträge auf Kindergeld wurden vorläufig abgelehnt, weil Unterlagen aus Bulgarien fehlen. Dank der deutschen Schulpflicht besucht der neunjährige Sohn die Übergangsklasse an der Limesschule in Pasing. Seine Eltern werden über die neuen Bildungsgutscheine vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zur „sozialpädagogischen Begleitung der Integrationskursteilnahme bildungsferner EU-Zuwanderer in prekären Lebenslagen“ einen Deutschkurs besuchen können und ihrem Traum nach finanzieller Selbständigkeit und Zukunft hoffentlich ein wenig näher kommen.

  (aus: Kommpakt LHM 03/15)





Die Erzdiözese München und Freising hat der Caritas München 25.000 Euro für die Betreuung und Unterbringung von Zuwanderern zur Verfügung gestellt.