Pfarrei Herz Jesu München

Lachnerstr. 8, 80639 München, Telefon: 089-1306750, E-Mail: Herz-Jesu.Muenchen@erzbistum-muenchen.de

Architektur und Kunst

Presseerklärung der Architekten Allmann Sattler Wappner
Kirche mit offenen Toren von außen
Die Herz Jesu Kirche in Neuhausen ist ein Sakralbau, der ohne Einschränkung die Umsetzung des Wettbewerbsbeitrages, in dem bereits die Leitbilder und gestaltsgebenden Elemente festgelegt waren, darstellt.
 
Diese Kirche ist ein einfacher, offener und lichtdurchströmter Raum. Seine Offenheit entsteht durch den fließenden Übergang vom Kirchenvorplatz durch die Vorkirche in den Kirchenraum. Die gesamte Eingangsfront wird, durch die sich auf den Kirchplatz öffnenden haushohen Tore, zum Bild des Empfanges. Die äußere Erscheinung der Kirche gleicht einem überdimensionalen Kristall, die Fassaden verändern sich von transparent zu opak.
 
Der Kirchenraum selbst wird durch zwei ineinander gestellte Hüllen mit gegenläufigen Materialeigenschaften geprägt. Die stärker werdende Satinierung der äußeren Hülle aus Glas verändert und veredelt den Lichteinfall und gibt der Fassade eine kristalline Materialität. Die innere Hülle aus hellen Ahornholzlamellen bildet den Geborgenheit verströmenden Kirchenraum. Durch die Lamellenstellung und den immer größer werdenden Abstand zwischen den einzelnen Holzlamellen wird immer mehr diffuses, weiches Licht zum Altar gelenkt.
 
Eine weitere Hülle aus hellem Beton, auf Rundstützen in den Raum gestellt, enthält den Raum für Sängerempore und Orgel. Der Raum unter der Empore ist gedrungen und verschattet, Marienverehrung, Beichte und Krippe sind dort eingebaut. Betritt man den Kirchenraum, steigert sich der Raumeindruck zu einer lichterfüllten immateriellen Stimmung durch die Lichtintensivierung hin zum Altar.
 
Die beiden Raumhüllen werden an ihren Kopfenden jeweils durch große Portale geschlossen: Das Eingangsportal, 14 m hohe Glasflügel, mit tiefblauen Schriftzeichen aus Kreuzesnägeln, die Textpassagen aus der Johannespassion erzählen, ist von Alexander Beleschenko gestaltet. Die Torflügel sind schwer und mechanisch und geben im geöffneten Zustand den Blick auf den hölzernen Innenraum frei. Das Altarportal aus einem zweilagigen Metallgewebe aus Tombak, entwickelt von den Künstlern Lutzenberger und Lutzenberger, mit der Darstellung eines raumhohen Kreuzes, öffnet sich symbolisch hell leuchtend dem Licht und ist Abbild für die Auferstehung Christi.
 
Zwischen der Glasfassade und dem hölzernen Paravent entsteht der Kreuzweg, ein weiterer Ort im Gesamtthema „Kreuzigung und Auferstehung“ der künstlerischen Ausstattung der Kirche. Die 14 Stationen von Matthias Wähner zeigen fotografisch den „klassischen Kreuzweg“, die Via Dolorosa in Jerusalem im Jahr 2000.
 
Die Kirche steht auf einer großen Natursteinplatte aus Kalkstein, deren Oberfläche sich von außen nach innen, von rauh und lichtabsorbierend hin zu glatt und lichtreflektierend verändert. Der Altar, sakraler Mittelpunkt der Kirche, wächst als Monolith mit der Altarerhöhung aus der Natursteinplatte heraus. Die Fuge zwischen Basis und Mensa ist vergoldet. Ambo und Priestersitz sind aus Holz gestaltete Orte der Liturgie. Tabernakel, ebenso wie die Marienverehrung, sind in ein Metallgespinnst aus Tombak eingebettet. Der Taufbrunnen aus Alabaster ist in Mitten der Gemeinde plaziert. Über den gesamten Raum angeordnet sind Verehrungsorte der fünf Wunden Christi, in den Boden eingelassene Kammern mit motivischen Darstellungen der Nagelwunden, nur über kleine Glasfenster im Boden zu erahnen. Diese Darstellung wurde ausgearbeitet von den Künstlern M+M, Marc Weiß und Martin de Mattia.
 
Die Innenbeleuchtung der Kirche, die in Zusammenarbeit mit dem Lichtplaner George Sexton entstand, kommt gänzlich ohne sichtbare Leuten aus. Ähnlich dem natürlichen Tageslicht wird der Raum von unterschiedlichen Lichtsequenzen geformt und leuchtet nachts von innen heraus in warmem und mildem Licht.
 
Der Glockenturm als Stahlkonstruktion mit 37 m Höhe wird freigestellt und rückt als Zeichen nahe an die Lachnerstraße heran. Die fünf Glocken mit dem Westministergeläut sind in einer hölzernen Glockenstube untergebracht. Analog zu den Materialmetamorphosen des Kirchenbaus wird der Turm mit sich nach oben hin verdichtenden, mehrfach überlagerten Metallgeweben verkleidet.
 
Der Turm steht in der Verlängerung der Fuge zwischen Kirchenbau und Pfarrzentrum. Sie nimmt auch die Erschließungsrampe auf das Dach des Kindergartens und den Verbindungsgang zur Sakristei auf. Die Sakristei als Nebenbau orientiert sich nach Norden hin zum Pfarrgarten und dem stattlichen Pfarrhaus.
 
Die Herz Jesu Kirche entzieht sich als moderner Kirchenbau nicht der Öffentlichkeit, sondern soll ein großartiges Zeichen des Glaubens und ein einladender Ort der christlichen Versammlung sein.