Glocken und Geläute

Das Kirchenlatein des Mittelalters kennt kein eigentliches Wort für Glocke, sondern spricht vielmehr von den „signa ecclesiae“, von den „Zeichen der Kirche“. Glockenläuten bedeutet somit: „signum dare“, also ein „Zeichen zu geben“ für das Leben unserer Kirche – und dabei mit diesem Klangzeichen einen kontinuierlichen Bogen über viele Generationen zu setzen.

Iroschottische Wandermönche brachten die ersten Glocken mit, sogar bis nach Bayern: die eiserne Marianus-Glocke von Wilparting am Irschenberg mag zwar eine Replik aus späterer Zeit sein, aber sie zeigt doch die für diese ersten Handglocken typische Haubenform (in deutlicher Nähe zur „St.Patricks-Bell“ aus Dublin).

Eine der ältesten läutbaren Glocken der Erzdiözese finden wir westlich von München im Altarraum von Gilching: die „Arnoldus-Glocke“ aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist eine der seltenen Zuckerhutglocken (so genannt nach ihrer Form). Überhaupt lassen sich noch relativ viele mittelalterliche Glocken finden, zumeist aber als Einzelstücke, da durch die Abgaben während der Kriegszeiten viele Geläute auseinandergerissen wurden. Weil hierbei eine „Auslese“ nach Alter vorgenommen wurde, erklärt sich so auch die Tatsache, dass sich vergleichsweise weniger spätere Glocken erhalten haben. Eine Katalogisierung der Geläute unserer Erzdiözese ist in Arbeit.

Besonders signifikante Geläute haben sich vor allem an unseren großen Diözesankirchen erhalten:

Auf dem Turm des Landshuter Martinsmünsters finden wir - als eine der größten Gussleistungen der Barockzeit in Deutschland überhaupt - drei große und sehr schwere Glocken aus dem Jahr 1767: die „Probstglocke“ bringt dabei 7,5 Tonnen auf die Waage.
Am Freisinger Dom beherbergt einer der beiden Türme ein komplett erhalten gebliebenes Geläute aus der Renaissancezeit; ihm gegenüber hängt die von Kurfürst Max Emanuel gestiftete „Korbiniansglocke“, gegossen 1724 aus erbeuteten türkischen Kanonen.

Der Turm der Münchener Peterskirche besitzt neben mittelalterlichen und barocken Exemplaren die mit f° tontiefste Glocke unserer Erzdiözese, die zur 800-Jahrfeier Münchens gestiftete „Jubiläumsglocke“.

Die schönste Glocke des gesamten süddeutschen Raums hängt auf dem Nordturm des Münchener Liebfrauendoms: die 1490 von Hans Ernst in Regensburg gegossene „Salve-Glocke“ ist mit ihrem Gewicht von acht Tonnen gleichzeitig auch die schwerste aller Glocken.

Das Glockenwesen unserer Tage beschäftigt sich immer noch hauptsächlich damit, die vom letzten Weltkrieg gerissenen Lücken aufzufüllen. Es geht dabei v.a. um den Ersatz der vielen Gussstahlgeläute, die als ehemals preisgünstiges, aber klanghässliches und heute vor sich hinrostendes Surrogat der Nachkriegszeit ihre Existenzberechtigung inzwischen verloren haben dürften.
Zudem werden immer auch noch neue Glockentürme gebaut:
So erhielt in jüngster Zeit der Turm der neuen Herz-Jesu-Kirche in München-Neuhausen ein 5stimmiges „Westminster“-Motiv, im neuen Glockenträger von Langenbach bei Freising wird (als Novum) zu einer schwingenden Grundglocke ein Glockenspiel schlagen und auf dem Turm des neuen kirchlichen Zentrums der Münchener Messestadt wird sich als hörbares Zeichen der Oekumene ein katholisch-evangelisches Geläutegemisch ergeben.
Und auch für diese Glocken gilt immer noch – wie vor mehr als tausend Jahren – als ihr Lebenszweck: „signum dare“...


Glockenweihe in Gifthal
Feierlicher Gottesdienst in Kirche St. Johannes der Täufer und Gemeindefest 

Gifthal, 24. Juli 2014. Eine neu gegossene Glocke für die Filialkirche St. Johannes der Täufer in Gifthal, Landkreis Landshut, wird Pfarrer Tobias Rother bei einem Festgottesdienst am Samstag, 26. Juli, um 10.30 Uhr auf einem Freigelände neben der Kirche weihen. Die Feierlichkeiten beginnen um 9.45 Uhr mit einem Festzug von der zum Pfarrverband Velden gehörenden Pfarrkirche Pauluszell nach Gifthal. Nach dem Gottesdienst lädt die Pfarrgemeinde zu einem Fest ein, das mit einer Dankandacht um 15 Uhr endet. 
 
Die neue Bronzeglocke für die Filialkirche St. Johannes der Täufer wurde in der Glockengießerei Perner in Passau gefertigt. Die auf den Ton b2 gestimmte Glocke „Johannes der Täufer“ wiegt 60 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 44 Zentimetern. Sie ergänzt die etwas kleinere Bronzeglocke der Kirche in der Stimmung c3, die bis 1949 in der Pfarrkirche Pauluszell im Einsatz gewesen und dann an die Gifthaler Kirche abgegeben worden war. Mit der neuen Glocke verfügt die Kirche erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder über ihr vollständiges, aus zwei Glocken bestehendes Geläut. Die im November 2013 gegossene neue Gifthaler Glocke ist eine der letzten Glocken aus der Glockengießerei Perner, die ihren Gießereibetrieb inzwischen eingestellt hat.
 
Der Großteil der Kosten von rund 3.600 Euro für die neue Glocke wurde aus Bewirtungserlösen bei Festen der Kirchengemeinde finanziert. Die Gemeinde Wurmsham, zu der der Ortsteil Gifthal gehört, beteiligte sich mit fünf Prozent. (ct)