Münchener Kantorenschule

Information zur Kantorenausbildung

Kantorenbildung

Die gottesdienstliche Rolle des Kantors1 wurde mit der Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil wieder neu ins Bewusstsein gerückt: So sieht die liturgische Ordnung für die Messfeier in Grundform neben dem priesterlichen Vorsteher der Versammlung und dem Lektor auch den Kantor als regulären Dienst vor. Während die Feier der Tagzeitenliturgie ohne Vorsängerdienst nicht denkbar ist, bleibt in der Praxis der Eucharistiefeier diese wichtige liturgische Rolle bis heute jedoch häufig „unbesetzt“. Das bedeutet eine Einschränkung nicht nur in musikalischer Hinsicht: Wenn der Vorsängerdienst fehlt, betrifft das auch das geistliche und dramaturgische Profil der Feier.

Ein besonderes Anliegen der liturgischen Bildung im Erzbistum München und Freising ist daher die Förderung des Kantorendienstes. Zum einen gilt es, dafür Menschen zu finden und zu gewinnen, die für diese Aufgabe ihre spezielle Begabung einbringen und entwickeln lassen möchten; zum anderen wird man nicht selten auch in den Gemeinden noch den Sinn für die Bedeutung des Dienstes wecken müssen. Seine Aufgabe lässt sich in dreifacher inhaltlicher Richtung beschreiben als Singen

für die Gemeinde – in der biblischen Verkündigung beim Antwortpsalm, 
im Dialog mit der Gemeinde – bei den anderen Responsorialgesängen der Liturgie und
in der Gemeinde – als ihre motivierende und inspirierende Stimme. 

Die „Königsdiziplin“ des Vorsängerdienstes, der Vortrag des Antwortpsalms, ist nach der liturgischen Ordnung sogar einem Spezialisten – dem „Psalmisten“ – anvertraut, d.h. jemandem, der „mit dem Psalmsingen vertraut ist und gut vortragen kann“. Schon diese Aufgabenbeschreibung und -zuweisung im Messbuch zeigt den hohen liturgischen Stellenwert, der dem Antwortpsalm in der geistlichen Dramaturgie der Wortfeier zukommt.

Vorsingen im Gottesdienst stellt also hohe Anforderungen an die stimmliche Präsenz und interpretatorische Gestaltung. Hier setzt die Münchner Kantorenschule mit ihrem Ausbildungsangebot an. 


Ziele und Inhalte

Die Teilnehmer sollen in diesem Schulungskurs befähigt werden, die Kantoren- und Wechselgesänge der Liturgie, insbesondere Antwortpsalm und Ruf vor dem Evangelium in der Messfeier, sinngerecht und lebendig vorzutragen sowie Gemeindegesänge sicher anzustimmen. Dazu gehört im Einzelnen, dass die Teilnehmer

• Einblick in Sinngehalt und Aufbau liturgischer Feiern, insbesondere von Messfeier und Stundenliturgie erhalten,
• in Aufbau und Inhalt des Psalmenbuchs eingeführt werden und Zugänge zur Psalter-Spiritualität eröffnet bekommen,
• Übungen zur Stimmbildung kennen und für ihre stimmliche Disponierung anwenden lernen,
• Eigenart und Ausführung des liturgischen Sprechgesangs (Kantillation) kennenlernen und sich erarbeiten,
• den sicheren Umgang mit Psalmtönen und Psalliermodellen erlernen,
• in die Arbeit mit Kantorenbüchern (insbesondere dem Münchener Kantorale) und anderen Hilfsmitteln eingeführt werden,
• mit dem Gesangsrepertoire des Gotteslob und ausgewählter Publikationen zum „Neuen Geistlichen Lied“ (z.B. „Unterwegs“) vertraut gemacht werden,
• den Gregorianischen Choral in dem für sie erforderlichen Umfang kennen und schätzen lernen,
• für ihre Mitwirkung am Verkündigungsdienst der Kirche motiviert werden und Impulse erhalten für die lebendige Vermittlung wichtiger Formen gottesdienstlichen Singens in den Gemeinden.


Voraussetzungen

für die Aufnahme in das Schulungsprogramm sind eine bildungsfähige Sprech- und Singstimme, ein natürliches Gespür für die sprecherische Darbietung von Texten sowie musikalische Grundkenntnisse (Noten, Intervalle, Tonarten). Neben den stimmlich-musikalischen Voraussetzungen ist der persönliche Bezug zur Liturgie unverzichtbar. 
 

Anmeldung und Auswahlverfahren

Die Aufnahmeprüfung findet in unregelmäßigen Abständen statt. Die Anmeldung erfolgt schriftlich bei der Abteilung Kirchenmusik mit einem Formular, das im Internet zum Download bereitsteht. Die Interessentinnen und Interessenten werden schriftlich eingeladen, sobald das nächste Auswahlverfahren startet. Das Ergebnis wird jedem Kandidaten unmittelbar nach der Prüfung persönlich mitgeteilt. Folgende Aufgaben sind Inhalt der Prüfung:

• Vortrag eines selbst gewählten Kirchenliedes [unbegleitet];
• Vortrag eines selbst gewählten Antwortpsalms aus dem „Münchener Kantorale“ [unbegleitet];
• Vom-Blatt-Singen;
• Intervalle hören [Töne nacheinander und im Zweiklang] sowie von einem gegebenen Ton aus singen. 


Die Ausbildungszeit

Der Unterricht wird im Auftrag des Erzbischöflichen Ordinariates von einem dafür bestellten Lehrer in Einzelbetreuung erteilt. Die Ausbildung umfasst 40 Stunden, die in der Regel als Doppelstunden 14-tägig gegeben werden. Der bzw. die Unterrichtende führt Protokoll über den Unterrichtsfortgang. In Absprache mit dem Lehrer können auch wöchentliche Einzelstunden vereinbart werden.

Unterrichtsinhalte sind – entsprechend den Ausbildungszielen (s.o.): Stimmbildung, Artikulationstraining, Vortrag der liturgischen Gesangsgattungen: Lieder und nichtliedmäßige Gesänge (Rezitation und Kantillation liturgischer Texte, Gemeinde- und Vorsängerpsalmodie, Wechselgesänge in deutscher und lateinischer Sprache); Grundwissen zu Liturgie und Kantorendienst. Zum Ausbildungsprogramm gehört die Teilnahme an einem Studientag, in dem einschlägige liturgische Kenntnisse vermittelt bzw. vertieft werden.

Spätestens in der zweiten Hälfte der Ausbildung wird begleitend zum erteilten Unterricht die regelmäßige Mitwirkung als Kantor in der Liturgie erwartet. In dieser Zeit wird ein solcher Gottesdienst von einem Vertreter der Abteilung Kirchenmusik besucht; im anschließenden Gespräch bekommt der Kantor eine Rückmeldung zu seinem aktuellen Leistungsstand.

Für die Teilnehmer aus dem Erzbistum München und Freising ist die Ausbildung kostenfrei, lediglich die Aufwendungen für Unterrichtsmaterialien müssen selbst getragen werden. 

 
Abschlussprüfung

Die Prüfung besteht aus einem (fiktiven) Gottesdienstablauf mit anschließendem Prüfungsgespräch. Für den (fiktiven) Prüfungs-Gottesdienst reicht der Kandidat spätestens 1 Woche im Voraus einen musikalischen Ablaufplan bei der Abteilung Kirchenmusik ein, der folgendes enthält:

- Antwortpsalm aus dem Münchener Kantorale,
- Ruf und Vers vor dem Evangelium bzw. Tractus aus dem Münchener Kantorale,
- Kyrie und Agnus Dei (evtl. zusätzlich auch Sanctus und/oder Credo bzw. Gloria) mit Vorsängerteilen,
- mindestens 1 weiteren Wechselgesang im Bereich der Propriumsteile.

Unter den Gesängen soll wenigstens 1 aus dem Bereich des Gregorianischen Chorals gewählt werden. Die im eingereichten Gottesdienstablauf vorgesehenen liedmäßigen Gesänge sind ebenfalls vorzubereiten und werden auszugweise gehört.
Zusätzlich wird aus dem Bereich des Stundengebets der souveräne Umgang mit der Gemeindepsalmodie des Gotteslob geprüft. Im abschließenden Prüfungsgespräch sind außerdem theoretische Grundkenntnisse aus den Bereichen Liturgie und Kantorengesang nachzuweisen.


Stand: 08.10.2013
 

1 Die männliche Form meint hier immer beide Geschlechter. Dies gilt neben den Bezeichnungen Kantor und Kantorin auch für folgende Begriffspaare: Teilnehmer/Teilnehmerin, Lehrer/Lehrerin, Kandidat/Kandidatin.

Abteilung Kirchenmusik
der Erzdiözese München und Freising
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