Pfarrverband Achdorf-Kumhausen

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Das Kirchlein St.Vitus in Rammelkam

Rammelkam alt
St. Vitus Rammelkam
Dieser schlichte, am Turm unverputzte, am Langhaus verschlemmte Ziegelbau dürfte wie die Pfarrkirche St. Peter im 13. Jahrhundert, also auch vor 800 Jahren, errichtet worden sein. 1315 meldet die Matrikel des Bistums Freising nicht eine bedeutungslose Hauskapelle, sondern eine Filialkirche.
Es zeigt noch die Merkmale des spätromanischen Baustiles: charakterische Rundbögen über dem ehemaligen südlichen Eingang, der heute durch einen westlichen ersetzt ist, und am Turm.
Bis 1880 hatte das Kirchenschiff nur zwei (romanische) Fensterschlitze (ohne Glas) an der Südseite. Einer ist bei der Empore (+ 1 hinter dem Altar) noch erhalten.

Auf dem barocken, aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg (um 1680) stammenden Hochaltar mit seinen zwei gewundenen Säulen steht anstelle eines Altarbildes die Figur des Kirchenpatrons, des Hl. Vitus. Der Altar wird von den Figuren zweier weiblicher Heiliger flankiert, darüber thronen Gott Vater und zwei Engel, die ihre Beine herabbaumeln lassen. Bemerkenswert sind auch die 7 Putten (Engelsköpfe).
Wahrscheinlich hat Matthias Neu den Altar für eine andere Kirche geschaffen (an den Seiten ist er zugeschnitten).
Nach der Säkularisation (1803) kam er dann wahrscheinlich nach Rammelkam. (Grabepitaph Nay, St Jodok).

Eine Besonderheit sind die in Landkirchen kaum vorkommenden romanische Fresken im Chorgewölbe(12. -13. Jh.). In der Mitte

Christus der Weltherrscher ( = Christus Pantokrator)

(Bis ~ 1000 Zeichen der Urkirche und bis heute Zeichen der Ostkirche.
Die katholische Kirche hat dann das Kreuz als neues Wahrzeichen genommen).

Und unter dem Chorbogen sind die genau so alten Fresken zweier Bischöfe aus der Frühzeit der Kirche freigelegt (1975) worden.

Die Kreuzwegbilder sind in neue Rahmen gefaßt; eine flache Holzdecke und die hölzerne Emporenbrüstung verleihen dem Raum einen gepflegten ländlichen Charakter.

Im Turm hängt eine Glocke die laut Glockenführer wegen ihrer Zuckerhutform noch im 13.Jahrhundert entstanden sein soll und damit

die älteste intakte Glocke unseres Ordinariates ist (D 40cm, Ton ca. cis´´´).

Sie soll ursprünglich das Totenglöckchen von Grammelkam gewesen sein.
Pfarrer Schuhmann berichtet, dass am 10.7.1917 eine Glocke (von den damaligen Hofbesitzern Johann und Theresia Oberhofer 1859 gestiftet:"Maria mit dem Jesukind", von Ignaz Bauer, München gegossen, 73 kg) zum Munition giessen dem Vaterland geopfert werden musste.
Und Jakob Geltinger aus Niederkam (Wimmer) schreibt, dass am 15.1.1942 vormittag die beiden Glocken (4 Ztr., 1 Ztr.) von Rammelkam heruntergeworfen, und am 17.1. mittag mittels Lastwagen fortgefahren wurden.

Bis in das 18.Jh. wird auch von einem Friedhof im Turmbereich berichtet (Knochenfund + Untersuchung).

Im Mittelalter wird von 2 Höfen, einem eigenen Mesner berichtet (1538, Wolfgang Custer daselbst in einer Sölden, hat 1 Kuh, gibt Steuer).
Das 1/32 Mesnergütl hat Anfang des 19. Jh. einen Wert von 400 Gulden (ein ganz hölzernes Haus, kleiner Stadl, Kuhstall mit Ziegeldach, Backofen mit Ziegeldach auf 2 Säulen. Dazu ein Hausgarten mit ein paar Felder. Zugehörig zur Gerichtsbarkeit Hofmark Berg).
1560 wird von "6 meß im jar" berichtet (Pfarreienvisitation).
1740 kam der Pfarrer noch regelmäßig zur Feier der hl. Messe und zwar am 3. Sonntag nach Michaeli (ende Oktober), am Fest des hl. Märtyrers Vitus (15.6.), am Osterdienstag und am Fest der unschuldugen Kinder (siehe auch Buch Pfarrdörfl).

"Est pauperimmum sacellum", sagt die Matrikel und meint damit weniger die finanzielle Armut, als die Bescheidenheit in Bauweise und Einrichtung.

1874 wird das Vituskirchlein als Nebenkirche bezeichnet, nicht mehr als Filiale, der Bauer daselbst trägt die Baupflicht und zwei geweihte Glöcklein hängen im Turm. Ein Bauer des Ortes amtiert als Mesner.

Seit kurzem unterstützt ein altes Harmonium aus dem Kloster Niederviehbach die Meßfeiern.

St Vitus war auch ein beliebtes Ziel, wenn die Pfarrgemeinde von Grammelkam in Prozessionen auf dem Urweg zur Filialkirche nach Rammelkam und weiter nach Preisenberg zog.

Der Kirchenpatron St. Vitus war ein römischer Märtyrer. Seine Reliquien kamen 775 nach St. Denis bei Paris, später nach Corvey an der Weser. Über einer Teilreliquie ist der Veitsdom in Prag errichtet.

"Rammingcheima" wurde 926 von Bischof Wolfram (Freising) an einen edlen Cotascalh getauscht.
Von 1278 bis 1674 gehörte Rammelkam zu den Landshuter Wittelsbacher.
Dann bis zur Gemeindebildung 1848 zur Hofmark Obergangkofen.
Im hist. Atlas von Vilsbiburg wird vermutet, dass Rammelkam ein Königsgut von Kaiser Karl dem Grossen (800) war.
1490 erster Bewirtschaftername: Erhart Rammelkamer.
1593 konnte Gilg Rammelkamer statt der Herrngnad das Leibrecht kaufen und ab
1638 war bis 1806 eine Familie Strasser auf dem Hof, deren Nachkommen in der Gegend weit verbreitet sind.
Im 19. Jh. hat der Hof 6 Mal den Besitzer gewechselt.

Bei den Renovierungsarbeiten 1974/75 konnte man feststellen, daß die Kirche auf einem freistehenden Hügel (kein Grundfest, Stall daneben aber 1,20 m tief) erbaut wurde.
Für Fachleute sind die Abbundzeichen am Dachstuhl schön und selten.
Als Zeuge früher Kultur wurde durch Luftbildarchäologie westlich der Kirche eine Keltenschanze (~200 v.Ch.) festgestellt.

Der Rammelkamer Hof mußte unter anderem 8 Laib Brot an den Pfarrer oder 1 Gulden 36 Kr. , dann dem Mesner in Grammelkam 4 Kornläutgaben und dem Mesner in Preisenberg 2 Kornläutgaben abführen.

Attenkofer Franz, Prof. Stahleder
St. Vitus Altar
Glocke St. Vitus