Pfarrverband Aßling

Jetzt sind die zwei Wochen Olympische Spiele vorbei. Die Erkenntnis: Mit 42 Medaillen hat die deutsche Mannschaft das Minimalziel der Chefetage erreicht. Aber man muss was tun, vor allem in den Kernsportarten, damit 2020 in Tokio die Bilanz besser ausfällt. Einige AthletInnen haben ja schon in Rio de Janeiro kritisch angemerkt, dass ein Umdenken stattfinden muss bei FunktionärInnen, TrainerInnen und SportlerInnen und dass mehr trainiert werden muss. Anders ausgedrückt: Es muss sich was bewegen und – kaum zu glauben angesichts der Leistungen, die die OlympiateilnehmerInnen, und zwar nicht nur die MedaillengewinnerInnen gezeigt haben – die SportlerInnen sollen noch mehr trainieren, sich einfach noch mehr bewegen.

Um Bewegung geht es auch einer Aktion in Zusammenhang mit den Olymischen Spielen und mit den im September ebenfalls in Rio de Janeiro stattfindenden Paralympics. Ich bin ehrlich gesagt, nur zufällig darauf aufmerksam geworden, als ich das „Wort zum Tag“ im Südwestfunk hörte. Sie heißt „Rio bewegt uns“. So ist auch ihre Webseite überschrieben. Im Untertitel ist die Forderung nach gleichen Startbedingungen für alle formuliert.

Die soziale Spaltung ist sicher in Brasilien extrem groß und insbesondere in Rio de Janeiro unübersehbar, wo sich neben Nobelvierteln wie Leblon und Ipanema die Favelas ausbreiten. Dort sind Gewalt, Prostitution und Drogenhandel an der Tagesordnung. Die Schüsse hört man bis an den berühmten Strand von Ipanema. Ich frage mich, ob man sich daran gewöhnen kann – sowohl an die Schüsse als auch an den Anblick unendlicher Armut. Vielleicht denkt sich der eine oder die andere, dass man es tut muss, um ruhig weiterleben zu können – und ich meine damit nicht nur die, die in ihren Villen direkt neben den Wellblechhütten wohnen, sondern auch uns, die wir gerade während der Olympischen Spiele auch darüber gehört und gelesen, Bilder davon gesehen haben.

Sich dieser großen Diskrepanz jeden Tag bewusst zu sein, würde sicher unruhig machen. Wie könnte sie einen auch in Ruhe lassen? Es braucht tatsächlich Bewegung – Bewegung hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit und sozialem Frieden und damit zu Frieden überhaupt. Wir alle sind aufgefordert, uns zu bewegen.

Ich habe mich gefreut, auf der Webseite von „Rio bewegt uns“ zu sehen, dass zahlreiche katholische Organisationen, Einrichtungen und Verbände Partner der Aktion sind, von den bischöflichen Hilfswerken wie Adveniat und Misereor bis hin zur Katholischen Landjugend-
bewegung. Gerechtigkeit und Frieden gehen uns alle etwas an, dafür lohnt es sich, sich zu bewegen – ob beim Gebet in diesem Anliegen, im caritativen Einsatz oder im politischen Engagement, ob für die Menschen in Rio, in Europa, in Deutschland oder in Aßling.

Das Schöne dabei: Bei dieser Bewegung kann es nur GewinnerInnen geben.

Es grüßt Sie herzlichst

Ihre Pastoralreferentin Maria Gleißl

von Maria Gleißl, Pastoralreferentin
Foto Maria Gleißl
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