St. Michael

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Pfarrkirche

Die Pfarrkirche St. Michael-Strub wurde in den Jahren 1961 und 1962 erbaut. Anlass für diesen Kirchenbau waren die vielen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die zunächst in der Jugendherberge, im Kasernenbereich und in den Gebäuden der heutigen Insula eine erste Bleibe fanden. Die Wiederbelegung der Kaserne durch die Bundeswehr im Jahre 1957 machte es erforderlich, die ursprünglichen Baupläne zu revidieren und die Kirche um ein Drittel größer zu konzipieren. Nach mühseligen Verhandlungen erschien das Grundstück des „Weihererhäusls“ (ehemals Landhaus Lorrain) als geeigneter Bauplatz. Pfarrer Schüller aus Berchtesgaden initiierte den Kichenbau und legte am 3.9.1961 den Grundstein. Weitergebaut hat die Kirche Pfarrer Georg M. Schlüter, der über 41 Jahre der neu zu gründenden Pfarrgemeinde zunächst als Kaplan, dann als Pfarrvikar und ab 1966 als Pfarrer vorstand.

Julius Kardinal Döpfner gab der Kirche am 29. und 30. September 1961, 14 Tage vor Beginn des II. Vatikanischen Konzils, die Weihe. Die Architektur des Gotteshauses und das Patrozinium sind mit den Ereignissen der damaligen Zeit eng verknüpft. In der baulichen Gestaltung wie in der ursprünglichen Farbgebung prallten die Gegensätze aufeinander. Den weißgetünchten, verputzten Flächen standen graue Betonelemente gegenüber, die im Holz der Brüstung und der Kirchenbänke einen weiteren Kontrast fanden. Das Ende der 1950-er und der Beginn der 1960-er Jahre waren geprägt von politischen und gesellschaftlichen Blöcken, die sich unversöhnlich gegenüber standen.
Auch die Wahl des Patroziniums St. Michael war historisch bestimmt. Zum einen ist der Erzengel Patron der Bundeswehr und weist dadurch auf die Garnisonskirche hin. Zum anderen geschahen Grundsteinlegung und Kirchenbau in der Zeit des Berliner Mauerbaus, als die deutsche Einheit einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt war. Kardinal Döpfner, als ehemaliger Erzbischof von Berlin, war über die Namensgebung besonders erfreut.

Zentrale Gestaltungselemente der St. Michaels-Kirche sind der Altar, der zunächst noch als Hochaltar diente, der Tabernakel und vier große Bronzeleuchter, die der Berchtesgadener Bildhauer Hans Richter entwarf und fertigte. Das ursprünglich frei schwebende Kreuz aus Eichenholz wurde später durch das jetzt vorhandene Bronzekreuz ersetzt. Die östliche Kirchenlängswand ist in hohe, der schrägen Dachform entsprechende Fenster aufgelöst. Die gegenüberliegende Wand ist unterbrochen durch sechs kleinere Fenster mit Glasgemälden, die die zwölf Apostel darstellen. Diese Fenster und das ausdruckvolle Tauffenster mit Taufbecken in Bronze entstand nach den Entwürfen des Bildhauers Alfred Essler.
Die Neugestaltung im Innenbereich (2005) ist nun wesentlich versöhnlicher und weicher. Nicht mehr harte „zugespitzte“ Fronten, sondern elegante Formen und auf einander abgestimmte Töne bestimmen jetzt das Gesamtbild. So ist die Altarwand nicht mehr eine riesige weiße Fläche für das dunkle Kreuz; vielmehr wurde es edel aufgehellt und mit einem sanften, grünen Rahmen hinterlegt. Die ebenfalls sehr dunkel gehaltenen Kunstgegenstände (Kerzenständer, Apostelkreuze, Kreuzwegstationen, Tabernakel) erhielten an den erhabenen Stellen eine goldene Fassung, um auf die kostbare Botschaft hinzuweisen, die sie verkörpern. Besonders gelungen sind die Gestaltung der Taufnische und der Ort für die „Schlütermadonna“, die tagsüber durch das runde Fenster eine natürliche, goldene Gloriole erhält.

Die Wände heben durch die verschiedenen, aufeinander abgestimmten Farbtöne die architektonischen Akzente heraus, ohne dass etwas aufdringlich wirkt. Früher lief die Decke spitz zu. Selbst die aufragende Gotik baute keine solch „überspitzten“ Decken. Jetzt vermittelt der Raumabschluss einen sanften Bogen, der von der ehemaligen Kantigkeit etwas nimmt. Die himmelwärts aufstrebenden Linien der gesamten Architektur werden dadurch nicht gemindert. Hinzuweisen ist noch auf den Wandbehang mit dem Hl. Michael, eine Arbeit der Fa. Neubauer aus Endorf.Glasbild den dazu gehörigen optischen Abschluss bilden. Am 14. Juli 1963 weihte Bischof Johannes Neuhäusler das Winkler Gotteshaus.