Pfarrverband Buchbach

Wagnergasse 20, 84428 Buchbach, Telefon: 08086-55 59 99-0, E-Mail: PV-Buchbach@erzbistum-muenchen.de

Kunst und Geschicht der Kuratie Walkersaich - Mariae Himmelfahrt

Die Walkersaicher Kirche, der Mutter Gottes, dem Hl. Andreas und dem Hl. Sigismund geweiht, war stets eine der zahlreichen Filialkirchen der Pfarrei Buchbach. Sie wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, 1690, 1750 und 1836 umgebaut und durch zwei Kapellen seitlich des westlichen Chorjoches vergrößert, die nördliche Kapelle wohl 1690, die südliche 1750. Die Innenausstattung erinnert noch heute an die einstige Zugehörigkeit der Hofmark zum Kloster Fürstenfeld. Am gotischen Chorbogen, der vom Langhaus in den Hochaltarraum führt, befindet sich in einer Rokokokartusche von einem Engelsköpfigen mit Mitra und seitlichem Abtstab bekrönt, ein Dreiwappenschild; das rechte zeigt silber-rot geschachten Schrägbalken der Zisterzienser, das linke das persönliche Wappen mit einem Richtblock.
Die Deckengemälde zeigen Szenen aus dem Leben Mariens: Maria bei Elisabeth, die Verkündigung und die Krönung Mariens. Die Jahreszahl 1750 findet sich an einem der Deckenfresken neben dem Namen des Künstlers, J.N. Miller. In den Chorzwickeln des Hochaltarraumes sehen wir St. Benedikt, den Begründer des abendländischen Mönchtums, St. Bernhard von Clairvaux, den großen Zisterzienserheiligen und Mystiker, sowie St. Rupert von Salzburg bei der Vornahme einer Taufe, symbolhaft für die Christianisierung der altbayerischen Lande. Die Themen haben also einen zisterziensischen Bezug und sind sicher von dem Abt von Fürstenfeld als Auftraggeber dem Künstler gestellt worden. Die beiden Nebenpatrone der Kirche, St. Andreas und St. Sigismund – Hauptpatronin ist die Gottesmutter – erscheinen als Figuren nur auf dem Hochaltar, der in der Mitte eine ältere Schnitzfigur der Mutter Gottes mit Kind enthält, die lange Zeit als „Gnadenmutter“ verehrt wurde. Welcher Bildhauer diese Figuren schuf, ließ sich noch nicht ermitteln. Rechts und links neben dem Tabernakel finden sich zwei Figuren, Bernhard von Clairvaux und der Hl. Benedikt. Es könnte durchaus sein, dass diese beiden ca. 40 cm hohen Statuetten aus der ehemaligen Schlosskapelle stammen.
Der derzeitige Barockaltar wurde bereits beim völligen Umbau des Gotteshauses im Jahre 1760 aufgestellt und verblieb zunächst bis 1864. Damals wurde er durch einen neugotischen Altar ersetzt, der bis 1916 in der Kirche war. Anschließend wurde wieder der Barockaltar aufgestellt. An den Verbleib des neugotischen Altars kann sich niemand genau erinnern. In der rechten Seitenkapelle findet unter einer Scheinkuppel der gegeißelte Heiland an der Martersäule würdige Verehrung. Gegenüber in der nördlichen Seitenkapelle steht der „Hassenhammer Schimmel“, von dem später noch die Rede sein wird.
Im Chorraum wurde unter einer marmornen Gruftplatte der einstige Hofmarksherr Freiherr von Puech begraben. Sein Grabmal ziert ein kleines Bronzewappen, die Jahreszahl 1672 und die lat. Aufschrift „Quis fuit“. Auf der Empore künden zwei Votivtafeln von einstigen Brandkatastrophen. Auf dem über der Orgelbank hängenden Bild sehen wir das Hofmarksdorf, so wie wir es vom Wening-Stich her kennen. Ein Wirtschaftsgebäude ist in Brand geraten, die umliegenden Gebäude sind vom Feuer bedroht. Darüber thronen auf Wolken, die Mutter Gottes mit dem Jesuskind und der hl. Florian, der seinen Wasserkübel auf die Brandstätte gießt. Als Inschrift können wir lesen: „Als anno 1766, den 1. März in gegenwärtiger Hofmark, am oben angezeigten Ort eine sehr gefährliche Feuersbrunst entstanden, haben sich die samentliche Inwohner flehentlich zur hiesigen Gnaden Mutter gewendet, auch alsobald augenscheinliche Hilff erfahren: massen die förchterliche flammen wunderlich gedemet, und alle übrigen Häuser unbeschädigt gelassen worden. Eine Aicherische Gemeinde hat sodann dise Votiv-daffel machen und selbe zur schuldigsten Dankbarkeit und Ewiger gedächtniss dieser erhaltenen guettath allda aufhänckhen lassen.“
Die rechte Tafel zeigt das Schloss und ein brennendes Nebengebäude, darüber schwebt auf einer Wolke die Mutter Gottes mit dem Jesukind. Unterhalb des Bildes ist folgende Inschrift: „Gottes Schutz uns schirmt! Im Jayhre 1870 am 23. Nov. Früh 6 Uhr wurde Walkersaich durch eine furchtbare Feuersbrunst in große Gefahr versetzt. Der in Brand gerathene Wirhsstadel drohte gleich vor 104 Jahren den Ort in Asche zu legen. Mit Gottes und der seligsten Jungfrau Hilfe blieb das, jedem Widerstand spottende Element, auf seinen Herd beschränkt. Menschliche Hilfe allein vermochte nicht, großes Unglück zu verhüten. Darum Gott und Maria Lob und Dank in Ewigkeit!“
Einem Gelübde zufolge wurde nach dem Pestjahr 1634 eine Pestkapelle errichtet, die jedoch wegen Baufälligkeit während des letzten Krieges abgetragen werden musste. Sie wurde aber nach dem Krieg wieder neu erbaut und konnte am 19. Juni 1955 eingeweiht werden. Von der alten Pestkapelle blieb nicht mehr übrig als das alte Votivbild aus dem Jahre 1635, das die Pieta darstellt.
Die Innenausstattung der neuen Kapelle wurde mit zwei weiteren Kunstschätzen von besonderem heimatgeschichtlichem Wert bereichert. Man hatte zufällig auf dem Speicher eines Walkersaicher Anwesens unter Dachbodengerümpel eine massive Holztafel entdeckt, auf der unter jahrzehntealter Staubkruste ein Bild gemalt war. Nachdem die dicke Staubschicht entfernt war, entdeckte man das Gnadenbild von Dorfen als Rosenkranzkönigin. Darüber erschien dann weiter auf einem Band die Inschrift: Beatissima Virgo Mater Dei Maria Mirakulosa in Dorfen.“ Unter dem Marienbild, das mit N.B. signiert ist, ließ sich schließlich auch noch auf der rechten Seite die Gestalt des hl. Leonhard und auf der linken Seite St. Christophorus, der Beschützer aller Reisenden, freilegen. Eine Inschrift am unteren Teil der Tafel offenbarte dann, dass diese Tafel ex voto, d.h. auf ein Gelöbnis hin entstanden ist. Es steht da geschrieben: „Gott zu Lob und Ehr. Und aller Allerseligsten Himmelskönigin Maria, dann dem hl. Christoph und dem hl. Leonhard, hat der ehrbare und bescheidene Franz Hassenhammer, Bauer zu Hassenham diese Kreuzsäule unter den Bäumen aufrichten lassen im Jahr Christ anno 1736. Zu schuldigster Danksagung, dass der barmherzige Gott samt der heiligen Gemeinschaft mit dem leidigen Viehfall so gnädig verfahren und welcher anno 1735 auch diese Gegend geschützt hat – Ex Voto – N.B. Von hier ist noch 2 Stund bis Dorfen.“
Zunächst blieb noch unklar, wie das Gnadenbild von Dorfen und der hl. Christophorus auf die Bildtafel kamen. Schnell aber war auch dieses Rätsel gelöst, als alte Leute aufgrund mündlicher Überlieferung davon zu erzählen wussten, dass vor langer, langer Zeit im Isentalgrund, unweit von Walkersaich, bei der sog. Fleischlacke, unmittelbar am Wallfahrerweg Altötting/Dorfen eine Kapelle stand, von deren Standplatz noch lange Zeit an eben diesem Platze blühende Narzissen zeugten. Es stellt sich schließlich heraus, dass dieses Kirchlein zu Beginn des 19. Jahrhunderts wohl im Zuge der Säkularisation oder wegen Baufälligkeit verschwand. Das schöne Votivbild aber blieb in der Familie des Besitzers der besagten Kapelle bis zum heutigen Tag erhalten, wenn es auch in letzter Zeit der Vergessenheit anheimgefallen war. Dem Wiederentdecker des herrlichen Bildes war es nun darum zu tun, dieses Kleinod der Nachwelt zu erhalten. Mit seinem Vorschlag, die Tafel für die im Bau befindliche Pestkapelle zu stiften, war die bisherige Besitzerin sofort einverstanden. Nun hatte aber diese noch ein altes Stück aus der früheren Kapelle an der Fleischlacke in Familiengewahrsam. In einer Kammer stand – eineinhalb Jahrhundert von den Besitzern in besonderen Ehren gehalten – der sog. „Hassenhammer Schimmel“. Diese Holzplastik stellt den Hl. Martin dar, wie er hoch zu Ross mit dem armen Bettler den Mantel teilt. Um dieses Kunstwerk vor dem völligen Verfall zu retten, entschloss sich die Besitzerin, dieses hehre Reiterstandbild in der neuen Pestkapelle aufzustellen. In neuerer Zeit fand der „Hassenhammer Schimmel“ einen sicheren und ehrwürdigen Platz in der linken Seitenkapelle der Dorfkirche. An seine Stelle in der Pestkapelle kam eine Holzplastik des hl. Bruder Klaus von der Flüe, des Schutzpatrons des Landvolks, dem in der Walkersaicher Kapelle besondere Verehrung zuteil wird. Es ist guter Brauch geworden, dass die Walkersaicher alljährlich ihr Patrozinium am Tage Mariä Himmelfahrt mit einem Dorffest feiern. Wenn in mehreren Quellen angegeben wird, dass die Walkersaicher Kirche Ende des 15. Jahrhunderts erbaut worden ist, so kann man zurecht annehmen, dass die Jahreszahl 1488, die über dem Chorbogen angebracht ist, das Erbauungsjahr der Kirche ist.

H. Huber, Rektor a. D.