Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern

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Monsignore Ludwig Scheiel schreibt:

Bericht vom 28. April 2017
Was ist los auf unserer Welt, in Europa, bei vielen Menschen, jung oder alt? Einerseits leben viele Menschen in Wohlstand und Frieden, vor allem bei uns in Europa. Es heißt: noch nie ging es uns so gut wie jetzt. Auf der anderen Seite werden die Probleme und Unzufriedenheit immer größer. Absoluter Freiheitsgedanke, Egoismus (zuerst wir, dann die anderen) bei Staaten und Menschen. Die Gefährdung des Friedens in Europa, weltweite unzählige kriegerische Auseinandersetzungen.
Mit noch mehr Abkommen, Vorschriften und Gesetze werden wir nicht weiterkommen. Davon haben wir genug und diese sind oft so ausgerichtet, dass sie die Probleme nicht lösen. Nach gültigem Staatsrecht darf nach Afghanistan abgeschoben werden, nach menschlichen Kriterien undenkbar. Natürlich halten sich die Autobauer an Vorschriften, die auf dem Papier stehen, in Wirklichkeit geben sie aber mit ihrer Schummelei der Umwelt und unserer Natur den Todesstoß. Mehr beschriebenes Papier bringt nichts. Was ist also zu tun? Jesus gibt uns ein Gebot, das über die christlichen Gemeinschaften hinaus für alle Menschen Gültigkeit hat. Er fasst alle Gesetze und Vorschriften in einen Gedanken zusammen. Achte und ehre Gott, die Schöpfungskraft. Bewahre und behüte die Schöpfung, die Natur, aus der wir leben, in der wir unsere Freizeit gestalten. Gib ihre Schönheit und Kraft ungeschmälert an die folgenden Generationen weiter. Schätze und respektiere die Menschen, mit denen du lebst und dich selbst. Mit einem Wort: Liebe. Liebe kann nicht gesetzlich vorgeschrieben werden und von keinem gemacht werden, außer von dir selbst. Also du Mensch, neben mir und mit mir: Liebe!

Bericht vom 13. März 2017
Ein Monat des Jahres ist schon wieder vergangen. Was ist mit den guten Vorsätzen zum Jahreswechsel geworden? Wie jedes Jahr. Viele schon vergessen oder nicht eingehalten. Vielleicht versuchen wir es einmal, jeden Tag mit leeren Händen zu beginnen. Wenn sie schon voll sind mit guten Vorsätzen, wo soll dann neues, überraschendes Platz haben? Jeden Tag das Geschehene, wie den Sand in der Sanduhr durch meine Hände rieseln zu lassen, in die Hand des großes Gottes, das entlastet. Dort ist alles gut aufgehoben, das Geglückte und das Unvollkommene. Am Morgen kann ich leere Hände dem neuen Tag entgegenhalten. Was hat da jetzt nicht alles Platz, ohne Altlast und Vorsatz? Jetzt kann ich den Tag beginnen. Was muss ich erledigen, was möchte ich tun, und viel Platz für nicht Geplantes und Überraschendes. Das bedarf aber größeren Mutes als weit vorausschauend in den Tag zu starten. Es darf ja auch kein ungeplantes Dahinleben sein. Den Mut jeden Tag neu zu beginnen. Meine leeren Hände Gott entgegen zu halten und zu sagen: Füllen wir sie gemeinsam. Und am Abend das Geschehene wieder durch unsere Hände rieseln zu lassen, um den neuen Tag unbeschwert zu beginnen. So werden wir viel mehr erleben können, als wir je planen könnten oder vorausdenken. Es kommt sowieso meist anders als wir denken.
Ich lade sie zu diesen Versuch ein. Haben sie Mut mit dieser göttlichen Kraft jeden Tag neu zu beginnen. Und wenn etwas schief gelaufen ist, lassen wir es durch unsere Hände in Gottes Hand rieseln. Dort ist es gut aufgehoben.

Bericht vom September 2016
Am kommenden Wochenende werden wir wieder an vielen Kirchtürmen unserer Dorfkirchen die rot-weiße Fahne, den „Zachäus“ sehen können. Wir feiern das Kirchweihfest. Die Fahne bekam den Namen „Zachäus“ auf Grund einer biblischen Geschichte. Zachäus war von Gestalt ein kleiner Mensch. Um Jesus zu sehen, stieg er auf einen Baum. Unsere Kirchen wollen uns auch Jesus in unserer Zeit zeigen. Immer mehr Kritiker sagen aber, unsere Kirchen seien übermäßiger Prunk.
In den Reiseführern unserer Region werden als schönste Sehenswürdigkeiten unsere Städte und Dörfer, Schlösser und Kirchen benannt. Die Schlösser wurden in Fronarbeit der Untergebenen nur für die Könige und Fürsten gebaut. Kein anderer Mensch hatte Nutzen davon. Unsere Kirchen wurden in Gemeinschaftsarbeit aller Menschen vor Ort gebaut und wurde von allen in Gebrauch genommen. So sind unsere Kirchen bis heute ein Zeichen der Gemeinschaft eines Dorfes. Nur weil immer mehr Menschen diesen „Gemeinschaftsraum“ nicht mehr nützen, unsere Kirchen als überflüssig darzustellen ist kurzsichtig. In unseren Beschreibungen der Dörfer werden sie noch lange als wichtige Gebäude des Ortes beschrieben werden. Ich lade alle Menschen ein, einmal in unsere Kirchen zu schauen. Es kostet in Bayern keinen Eintritt. Vielleicht bleibst du staunend stehen, betrachtest die Schönheit des Gebäudes und wirst von einer wohltuenden Ruhe umgeben. Mag sein, dass sogar ein Stoßgebet zum Himmel gerichtet wird. Du wirst jedenfalls, davon bin ich überzeugt, die Kirche anders verlassen, wie du sie betreten hast. Also am Wochenende bei der ein oder anderen Kirche halten, schauen, staunen, sich berühren lassen.