Pfarrverband Gaißach-Reichersbeuern

Dorf 16, 83674 Gaißach, Telefon: 08041-4674, E-Mail: St-Michael.Gaissach@erzbistum-muenchen.de

Monsignore Ludwig Scheiel schreibt:

Bericht vom September 2016
Am kommenden Wochenende werden wir wieder an vielen Kirchtürmen unserer Dorfkirchen die rot-weiße Fahne, den „Zachäus“ sehen können. Wir feiern das Kirchweihfest. Die Fahne bekam den Namen „Zachäus“ auf Grund einer biblischen Geschichte. Zachäus war von Gestalt ein kleiner Mensch. Um Jesus zu sehen, stieg er auf einen Baum. Unsere Kirchen wollen uns auch Jesus in unserer Zeit zeigen. Immer mehr Kritiker sagen aber, unsere Kirchen seien übermäßiger Prunk.
In den Reiseführern unserer Region werden als schönste Sehenswürdigkeiten unsere Städte und Dörfer, Schlösser und Kirchen benannt. Die Schlösser wurden in Fronarbeit der Untergebenen nur für die Könige und Fürsten gebaut. Kein anderer Mensch hatte Nutzen davon. Unsere Kirchen wurden in Gemeinschaftsarbeit aller Menschen vor Ort gebaut und wurde von allen in Gebrauch genommen. So sind unsere Kirchen bis heute ein Zeichen der Gemeinschaft eines Dorfes. Nur weil immer mehr Menschen diesen „Gemeinschaftsraum“ nicht mehr nützen, unsere Kirchen als überflüssig darzustellen ist kurzsichtig. In unseren Beschreibungen der Dörfer werden sie noch lange als wichtige Gebäude des Ortes beschrieben werden. Ich lade alle Menschen ein, einmal in unsere Kirchen zu schauen. Es kostet in Bayern keinen Eintritt. Vielleicht bleibst du staunend stehen, betrachtest die Schönheit des Gebäudes und wirst von einer wohltuenden Ruhe umgeben. Mag sein, dass sogar ein Stoßgebet zum Himmel gerichtet wird. Du wirst jedenfalls, davon bin ich überzeugt, die Kirche anders verlassen, wie du sie betreten hast. Also am Wochenende bei der ein oder anderen Kirche halten, schauen, staunen, sich berühren lassen.

Bericht vom August 2016
Eine ruhige und herzerwärmende Leonhardi-Wallfahrt haben wir erlebt. So sagen es viele, so heißt es allgemein. Keiner schimpft über das schlechte Wetter. Im Gegenteil, das Wetter hat diese Entschleunigung möglich gemacht und wir stellen fest, es tut uns gut.
Eine Entschleunigung des Lebens täte vielen Menschen gut. Immer mit Vollgas fahren schadet dem Motor. Wir wissen es, wir spüren es. Die Hektik unserer Zeit wird immer größer, die Folgen davon immer spürbarer in vielerlei Hinsicht. Warum tun wir Menschen uns so schwer, ein ruhiges, herzerwärmendes Leben zu führen? Ein Grund ist wohl der Zeitgeist des einundzwanzigsten Jahrhunderts, alles muss größer, schneller, und immer nach vorne gerichtet sein. Die Natur hat uns nicht nur an Leonhardi ein Zeichen gesetzt. Die Natur gibt uns jedes Jahr ein Lehrstück der Entschleunigung mit, die Wintermonate. Ohne Winter keinen Sommer, ohne Ruhe kein Leben. Lassen auch wir Menschen uns auf dieses Vorbild Natur ein, wir werden spüren, es tut uns gut. Leonhardi hat es heuer gezeigt, schlechtes Wetter schadet nicht, es entschleunigt. Nicht alles sofort mit größter Anstrengung erreicht zu haben schadet nicht. Wir werden sehen das Leben geht weiter, vielleicht sogar ruhiger und herzerwärmender.

Bericht vom 20. Juli 2016

Terroranschläge in Frankreich, Putschversuche in der Türkei, Straßenschlachten mit toten Polizisten in den USA, jüngst ein Amoklauf in einem Zug bei Würzburg. Warum diese Anhäufung der Gewalt in unserer Zeit. Warum völlig hilflos wirkende demokratische Politiker weltweit? Es wird dafür sicherlich mehrere Gründe geben. Eines stimmt mich nachdenklich: demokratische Freiheit und persönliche Freiheit, beides Grundwerte, die heute ganz weit oben stehen, dürfen nicht zur absoluten Freiheit führen! Jede Freiheit ist an Ordnungen und Regeln gebunden. Ich muss als Politiker Grundwerte vorgeben, an die sich alle im Lande halten müssen, das hat nichts damit zu tun, anders Denkende, die zu uns kommen, zu diskriminieren. Ich muss solche Menschen respektieren, darf aber nicht meine Grundwerte aufgeben. Im Gegenteil: durch ein geprägtes Leben soll ich vorleben, welche Vorteile es hat, sich an Ordnungen und Grundwerte zu halten. Dies gilt auch im persönlichen Bereich. Eltern können Kinder nicht wertneutral erziehen, sie sollen sich später einmal frei für oder gegen etwas entscheiden. Das geht nicht! Lehrer müssen den Kindern nicht nur Fachwissen beibringen, sondern auch Grundwerte menschlichen Miteinanders vermitteln.
Ich habe die Sorge, dass eine so falsch verstandene Freiheit Räume für Gewalt, Terror und Radikalisierung öffnet. Haben wir den Mut, zu unseren christlichen, europäischen Werten zu stehen, sie mit aller Überzeugung zu leben, ohne andersdenkende zu unterdrücken. Europa wurde das, was es ist, durch seine Grundwerte! Setzen wir das nicht aufs Spiel durch falsch verstandene Freiheit!
 
Bericht vom 27. Juni 2016
 Die Gewaltbereitschaft der Menschen nimmt immer mehr zu. Überall auf der Erde und bei allen möglichen Anlässen. Da ist vor allem der von Haß und Unmenschlichkeit geprägte Terror des IS Staates, begründet auf eine fundamentalistische Deutung des Islam, weit entfernt aber von dem, was die wahre Religion des Islam predigt. Gewalt aber auch bei Fußballspielen, durchgeführt von kleinen randalierenden Gruppen, die die Freude und Fröhlichkeit der Menschen, die eine friedliche Europameisterschaft verfolgen wollen, zunichte machen. Gewalt auf offener Straße, in Bars und Einkaufzentren, auf Flughäfen und in Bahnhöfen. Angst schleicht langsam in die Menschen, weil wir uns vor dieser willkürlichen Gewalt nicht schützen können, denn keiner kann sagen, wann und wo der nächste Anschlag stattfindet. Was können wir dagegen tun?
Lautstarke, populistische Parolen, verbreitet von hochrangigen Politikern bis hin zu Stammtisch-Äußerungen helfen nicht; im Gegenteil –sie drehen die Spirale immer weiter nach oben. Die christliche Botschaft hat eine eindeutige Lehre dazu: „Liebe deine Feinde, tue gutes denen, die dich haßen. Wenn einer dich auf die linke Wange schlägt, halte ihm auch die rechte hin.“ Jesus hat ohne Kompromisse danach gelebt. Aber er ist doch gescheitert, könnten jetzt manche sagen, verurteilt und gekreuzigt worden. Dennoch, wenn wir 2000 Jahre nach diesen Ereignissen in Jerusalem fragen: wie ist Friede auf der Welt herzustellen…  gibt es auch heute nur eine Antwort: halte den Frieden! Laß dich nicht mitreißen von dem lärmenden, gewaltbereiten Pöbel! Hab Vertrauen und lebe! Die Gegner Jesu stürzten zu Boden, als er am Kreuze starb und durch seine Auferstehung neues Leben brachte.
Sorge dich nicht, hab keine Angst – L E B E!

Bericht vom 27. Mai 2016
Es beginnt wieder die Zeit der Feste. Vereinsfeste, Volksfeste, Dorffeste, ganz persönliche Feste und die Fußball-EM steht bevor. Alles Versammlungen, wo Menschen in Freude und Ausgelassenheit zusammenkommen um Gemeinschaft zu pflegen, den Alltag etwas zu vergessen und einfach fröhlich zu sein. In unseren Tagen häufen sich aber auch wieder andere Aufmärsche, veranstaltet von Pegida oder anderen Schreihälsen. Sie wollen Hass, Abgrenzung und Feindseligkeiten unter die Menschen streuen. Und über allem wird von einer Bedrohung durch radikale Terroranschläge gewarnt. Das Sommermärchen bekommt bei immer mehr Menschen einen bitteren Beigeschmack.
Jesus war auch gerne auf Festen, dort, wo viele Menschen zusammenkamen. Oft genug war er der Grund dieses Menschenauflaufes. Seine Botschaft begeisterte die Menschen. Es war ein Reden über Freiheit und Frieden, ein aufeinander Rücksicht nehmen, sich der Armen und Ausgestoßenen zu widmen. Diese Botschaft ist prägend bis heute und wenn wir sie weitersagen, wird sie in die Zukunft hinein lebendig bleiben. Überlassen wir das Feld nicht den Menschen, die hasserfüllte Parolen schreien. Reden wir mit in Ruhe und Überzeugungskraft. Dann werden wir im Herbst auf ein friedliches und fröhliches Sommermärchen zurückblicken können. Jede und jeder hat es selbst im Mund!