Pfarrverband Geisenhausen

Martin-Zeiler-Str. 6, 84144 Geisenhausen, Telefon: 08743-1241, E-Mail: PV-Geisenhausen@erzbistum-muenchen.de

Das Schrannen-Wallfahrtskirchlein Maria-Himmelfahrt

Schranen 3


Der Patroziniumstag ist der Namenstag einer Kirche. Am „Schmerzhaften Freitag“, das ist der Freitag vor dem Karfreitag, feiert das Schrannenkirchlein ihr Patrozinium: Mater Dolorosa – die schmerzhafte Gottesmutter. 
 
Seit dem 1. Mai 2002 gehört Schrannen/Holzhausen zur Pfarrei Geisenhausen
und seit dem 1. Dezember 2002 zum Pfarrverband/Dekanat Geisenhausen.
 
Die Nebenkirche Schrannen in der Pfarrei Holzhausen ist ein Backsteinbau des Jahres 1723. Die ursprünglich im romanischen Stil erbaute Kirche wurde 1764 im barocken Stil verändert, ein großer Säulen-Zopfaltar schmückte bis zum Jahr 1861 das Innere. Nun erinnerte man sich wieder an den ursprünglichen Baustil und ließ einen romanischen Altar errichten, der aber eigentlich im barocken Bau nicht stilgerecht war.
Nach der Innenrenovierung 1930 wurde 1932 ein dem barocken Kirchenstil angepasster Altar errichtet.

Schrannen 15
-----------------------------------------------------------------------------------------
In der Schrannen-Kirche sind regulär jährlich zwei Messen: 
Am Schmerzhafen Mariä Tag, dem Freitag vor dem Karfreitag, und am Mariä 7 Schmerzen-Tag, mitte September.

 
Um Mariä Geburt im September kommen in einem Bittgang die Skiabteilung des TV Geisenhausen.
Bittgänge sind jährlich an Mariä Himmelfahrt (15.08.) von Holzhausen her,
und seit dem großen Unwetter 1908 kommen Vilslern und Hinterskirchen. 
Am Sonntag den 8. Juni 2008 fand die 100. gemeinsame Bittprozession und Wallfahrt der Pfarrei Vilslern und Kuratie Hinterskirchen zum Schrannenkirchlein statt. Pfarrer Huber (Pfarrverband Velden), segnete eine vom Kirchenmaler Wilhelm Bauer gestaltete Erinnerungstafel. 500 Wallfahrer legten ein überwältigendes Zeugnis bayerischer Frömmigkeit ab:
-----------------------------------------------------------------------------------------
 


die Geschichte von der Schrannenkirche

Alter Handelsweg

Schrannen 14
Eine fast geradlinige Nord-Süd-Wegeverbindung führte von dem schon im Jahr 773 und 802 genannten Velden in die Grafschaft Geisenhausen mit seiner Burg der Grafen von Geisenhausen, die 982 ausgestorben waren; der Besitz aber dem Domstift Augsburg zugefallen war. Aber auch ein Querverbindungsweg kann über Schrannen festgelegt werden, über Vilsbiburg, Haarbach und Baierbach an die Sempt und Isar.
Genau am Kreuzungspunkt alter Handelsstrassen steht das Kirchlein, auf dem höchsten Punkt der Gegend mit 510 Metern über dem Meeresspiegel.
Die Bezeichnung Schranne leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen „scrana“ = Bank ab: Gerichts- oder Strafbank, aber auch eine Bank zum Verkauf von Fleisch, Getreide, eine Lagerhalle mit einem Getreidekasten. Nach der Wildbannkarte der Reichsherrschaft Fraunhofen vom Jahr 1584 stand bei Schrannen kein Galgen, dieser war bei Kleeberg/Hinterskirchen. Bei der Schranne wurden die Besitz-Abgaben, wie Zehent, Natural- und Geldabgaben einbehalten, verteilt, gehandelt und gelagert. Hier wurden auch niedergerichtliche Auseinandersetzungen abgeurteilt. Der Weiler Schrannen war an der östlichsten Grenze der Herrschaft Fraunhofen, gehörte zu Fraunhofen und war so auch im Grenzgebiet zum Gericht Vilsbiburg, wo die Malefiz-Gefangenen für eine Verurteilung, in ein anderes Gericht überstellt wurden. 
Hier stand ursprünglich ein großes hölzernes Gebäude, ein so genannter Kasten, ein Stadel, in dem die dem gräflichen Haus Fraunhofen zustehenden Abgaben, meist Naturalabgaben: Weizen, Hafer, Flachs, Rüben, Bohnen, dem Kastner der Grafschaft übergeben wurde. Der pfarrliche Zehent wurde in der Regel bei der Ernte direkt auf dem Feld einbehalten. Dennoch wurde dieser Zehent auch abgegeben, und so übernahm die Herrschaft auch das Einsammeln, Lagern und Verkaufen des kirchlichen Zehents, die Kirche bekam den Gelderlös.
So war in früher Zeit hier vielmals zu bestimmten Zeiten ein Gerichts-, Umschlag- und Handelsort. Verständlich wäre es, hier eine Kreuzsäule zu errichten, später eine hölzerne Kapelle „auf der Schrann“ und dann, nachdem die Kapelle verfault war, im Jahr 1723 unter dem Holzhausener Pfarrer Joseph Guidobald Reichsgraf von und zu Lodron (1698 bis zu seinem Tod am 26.11.1736, Grabstein in der Pfarrkirche Holzhausen) wurde dieser heute noch stehende Barockbau errichtet. Neben der 1752 genannten Schrannenkirche zu „Unserer Lieben Frau“ steht das „Schrannenhäusl“, ein Lehen der Herrschaft Altfraunhofen, der heutige Mesner. 
   
  
        

Entstehung - Geschichte

Schranen 12
Nun könnte es sein, dass der Holzhausener Pfarrer Graf Joseph Guidobald von und zu Lodron sich an den Bischof von Freising wandte, wegen dem erbärmlichen Zustand des hölzernen Schrannenkirchleins. Der Bischof beauftragte den Geisenhausener „Capellan“ Franz Joseph Castner, sich ein Bild über den Zustand des Kirchleins zu verschaffen und dies in einem Brief dem Bischof zu berichten:
Am 18. Juli 1720 schreibt der Geisenhausener „Capellan“ Franz Joseph Castner an die „Höchlöbliche Geistliche Regierung“ dem Hochwürdigsten Hochgeborenen Fürsten Herrn Johann Franz Reichsfürst und Bischof von Freising, dass er, nachdem er von seiner Hochfürstlichen Gnaden am 20. Juni den Auftrag erhalten habe, der Besichtigung der Kapelle „auf der Schrann“ in der Herrschaft Altfraunhofen, Pfarrei Holzhausen nachgekommen ist. 


Die hölzerne ziemlich verfaulte Kapelle ist, ca. 10 Schuh (3 Meter) lang und 6 Schuh (1,80 Meter) breit. Vor etwa dreißig Jahren wurde sie neben einem Söldnerhaus zu Ehren eines kleinen sich hierin befindlichen Vesperbildes erbaut. Die ganze Umgebung hat in das Bildnis ein großes Vertrauen gesetzt und reichlich gestiftet, was mit den vielen Votivtafeln bezeugt werden kann. Jährlich waren im Opferstock an die 60 Gulden „devotionis“. Seither in Vilsbiburg die Maria-Hilf-Kapelle (1686 erbaut) mit ihrer Wallfahrt aufgekommen ist, hat auch die Verehrung des Vesperbildes in Schrannen nachgelassen. Nun glaubt man, anstatt der verfaulten hölzernen Kapelle, mit einem neuen gemauerten sauberen Kirchlein, eine Erneuerung der früheren Andacht zu bekommen. Die Pfarrei Holzhausen hat die bisherigen Einnahmen aus dem Opferstock erhalten, und kann deshalb auch leicht für die neue Kapelle aufkommen“.
  

Schrannen 13
Erzbischöfliches Zentralarchiv München-Freising: Schreiben des Geisenhausener Kaplans Franz Joseph Castner vom 18. Juli 1720. 

--------------------------------------------------------------------------------------
 Zum Geisenhausener Geistlichen Franz Joseph Castner schreibt Mathias Steinberger: Franz Josef Kastner, SS. Theol. et J. U. Doctor, wurde vom Kapitel am 19. Juli 1706 auf die Pfarrei Geisenhausen präsentiert. Der Doktor und Jurist Pfarrer Kastner war auch Priester und Theologe. Von ihm wurde eine Pfarr-Widdumsbeschreibung, eine genaueste Beschreibung der Pfarrei Geisenhausen mit den Zehentabgaben und Grunduntertanen geschrieben. Nachdem sein Vorgänger Pfarrer Kaspar Graßhauser (Pfarrer in Geisenhausen von 1685 bis zum 13.07.1706) die Kirchen Geisenhausen und Feldkirchen restauriert hatte, restaurierte Pfarrer Kastner die Kirchen Vils, Salksdorf und Eiselsdorf. 1738 erbaute Kastner ein Krankenhaus, das er mit 1.000 Gulden fundierte. Als Kanonikus kam er 1742 nach Freising St. Andreas, wo er am 7. Februar 1744 verstorben war. Sein Nachfolger wurde Anton Westermayer vom 13.12.1742 bis 19. Mai 1743, war also nur 34 Wochen Pfarrer in Geisenhausen.
-----------------------------------------------------------------------------------------------
 


Der Brief des Geisenhausener Kaplans an „Euere Hochfürstliche Gnaden“ mit der Beschreibung der verfaulten Kapelle hat bewirkt, dass schon drei Jahre später 1723, ein gemauertes Kirchlein mit den Maßen von 9,40x5,87 Metern, mit durchlaufender Flachtonne und großen Stichkappen erbaut wurde.   


die Altargeschichte

Schrannen 10
Der im Jahr 1861 aufgestellte romanisch/barocke Altar.
Er stand in der Kirche bis zur Renovierung 1930. 
   



Ein neuer Altar 1861:
Der alte Altar ist drückend, monströs und geschmacklos. Da die Kirche in keinem reinem Stil erbaut ist – jedoch dem neugriechischem (neuromanisch) sich am meisten nähert. Neuer Plan des Altares: beide Altarbilder werden einem erfahrenen Künstler zur Ausführung gegeben. Kosten: Sakristei 400 Gulden, Altarneubau 571 Gulden. Zugesagt sind 170 Gulden Geldgeschenke. Bleibt noch ein Kostenbetrag von 800 Gulden – welchen die Pfarrei Holzhausen übernehmen soll, da das Vermögen der Kirche Schrannen der Pfarrkirche Holzhausen einverleibt ist. Pfarrer Ott von Holzhausen.

Zeichnung vom alten mächtigen Barock-Altar mit vier Säulen, Kapitälen, Pilastern, seitlich je eine Türe die hinter den Altar führen, mit Auszugsgemälde über dem Altarbild. 
 


25.08.1861 Umbau des Hochaltares.
Im Namen seine Majestät des Königs von Bayern – .Regierung von Niederbayern: Neubau der Sakristei (mit 2 Türen und Nische) unter der Leitung des Maurermeister Behringer von Velden. Der Altarbau wird dem tüchtigen in diesem Geschäftszweige gut erfahrenen Schreinermeister Anton Frank von Holzhausen übertragen. Da das Holz gratis geliefert wird, werden die Kosten geringer. Er wird die Einfassungen, Schnitzwerke der Rahmen, Predella und Lieferung machen, wo er schon so oft seine Kunstfertigkeit zeigte - wie ein geübter Zierbildhauer.
Die Engelköpfe und feineren Verzierungen werden entweder dem Bildhauer Entres in München oder wenn er zu teuer ist, einem gebildeten fähigen Künstler übertragen. 

Kosten:
Altararbeiten 180 fl. (Gulden). Antritt aus Eichenholz 36 fl., Aufstellen 20 fl., Fassarbeiten 80 fl. Kapitäle, Säulen Füße, Bilderrahmen mit ganz gutem Gold 120 fl. - Hochaltar-Altarbild 3 Fuß 3 Zoll auf 5 Fuß 4 Zoll hoch zu machen, 50 Gulden. - Auszugsbild: 1 Fuß 9 Zoll, Kosten: 25 fl. Dem Bildhauer für Aufsätze und Ornamente 55 fl. 
Schrannen 11


Renovierung und neuer Altar
Eine Renovierung fand im Jahr 1930 durch den Vilsbiburger Malermeister Reisenwedel statt.
1932 kam um 800 Mark ein neuer barocker Altar „…ist aber keinesfalls so schön als der, an dessen Stelle er aufgestellt wurde“.
Schrannen 12


Mater Dolorosa
(lateinisch für „schmerzensreiche Mutter“),
auch Schmerzensmutter, ist eine im Rahmen der Marienverehrung gebrauchte Bezeichnung für Darstellungen der Schmerzen Mariens, der lebenslangen Sorge Marias um ihren Sohn Jesus Christus. - Abzugrenzen ist die Schmerzensmutter von der Darstellung der trauernden Maria als Pietà: Maria allein mit dem Leichnam ihres Sohnes nach der Kreuzabnahme.
Das verehrende Gnadenbild in der Mitte des Hochaltares war immer eine Pietá: Der vom Kreuz abgenommene tote Leib Jesu, ruht im Schoß seiner Schmerzen leidenden Mutter Maria. Nach einer im Staatsarchiv vorhandenen Zeichnung des ursprünglichen barocken Altares vom Jahr 1723 war diese Pietá damals schon in der Retabel, auch in dem im Jahr 1861 aufgestellten romanischen Altar, und ist auch in dem im Jahr 1932 aufgestelltem heutigen Neu-Barocken-Altar. 
Das Gnadenbild im Hauptaltar war immer dieses Vesperbild, eine geschnitzte Pietá: Maria mit dem Leichnam  ihres Sohnes nach der Kreuzabnahme. 
  


der Innenraum

Schanen 10

Innenrenovierung 1962:
Im Jahr 1960 war der Eucharistischen Weltkongresses, der unter dem Motto stand „Für das Leben der Welt“. Über der Altarmensa wurden im Deckengewölbe die lateinischen Worte gewählt: PRO MUNDI VITA und eine gemalte Brot/Fisch-Darstellung. Auf dem Mittelteil des Deckengemäldes ist ein AVE MARIA Insignum. Im hintern Teil über der Holzempore eine Hl. Geist-Darstellung in Form einer weißen Taube. Die Ausmalung erfolgte durch den Taufkirchener Kirchenmaler Keilhacker. Viele Votiv-Kerzen schmücken die seitlichen Nischen und die Altarseite, sowie acht Votivtafeln.

Schranen 7
Neubauten und Renovierung
  • Wir können annehmen dass der Schrannen-Kirchenbau durch den Holzhausener Pfarrer Joseph Guidobald Reichsgraf von und zu Lodron 1723 finanziert und erbaut wurde. Lodron hatte auch in Holzhausen vieles geleistet.
  • Über dem Eingang zur Kirche steht auf einer Ziegeltafel:
    Erbaut 1723, Renoviert 1978. 
  • Die Kirche hat die Maße von 9,40x5,87 Metern, mit durchlaufender Flachtonne und großen Stichkappen. Nach der Beschreibung des Jahres 1921 ist die Kirche ein  kleiner Barockbau von 1723.
  • Die Kirche ist einschiffig, ohne Chorausscheidung. Sie besitzt zwei Gewölbejoche mit einem 3/8 Chorabschluss;
  • Die Sakristei ist an der Ostseite.
  • Der Turm wurde 1763 von Andreas Kurz, Maurermeister von Vilsbiburg erneuert.
  • Westlich auskragender Dachreiterturm, sechsseitig mit Kuppel. Auf dem Turm ist 
    eine Glocke von 41 cm Durchmesser mit der Umschrift: „Christoph Taller goss mich in München, 1726“. 
Über die frühere Einrichtung fanden sich folgende Notizen: 1764 fertigte Joseph Puchner, Schreinermeister in Geisenhausen, einen neuen Altar um 90 Gulden. Maximilian Gröz, bürgerlicher Maler aus Landshut, vergoldet diesen um 140 Gulden. Im gleichen Jahr kommt ein neues Messgewand „mit reichem Goldzeug“ um 150 Gulden.

Schranen 6

Reparatur an der Filialkirche Schrannen.

4. Juli 1861:  Das Wallfahrtskirchlein muß von der Pfarrei Holzhausen unterhalten werden. Da die Pfarrkirche in einem verkommenen Zustand war, und ebenso das Schrannenkirchlein, musste zuerst die Pfarrkirche Holzhausen bedacht werden. - Nun aber ist in Schrannen dran: Ein Bau der Sakristei und Umbau des aus der Blüte der Zopfzeit (Barock) herstammenden schwerfälligen Altares. (Die Sakristei kommt hinten an den Chor; hinter dem Altar kommt eine Türe in die Sakristei – Plan vom Landshuter „Civilbauinspektor“ Leonhard Schmidtner. 

„Ein ca. 90 cm breiter Raum zwischen Altar und Umfassungsmauer dient bisher als Sakristei. Ein Brett am Altar ist die Messgewand-Aufhänge. Pfarrer und Mesner müssen sich auf engsten Raum umziehen. Dazu kommt bei großem „Conkurs“ (Messe/Wallfahrt), dass sich der Priester und Mesner „durch das Volksknäuel“ kaum durchwinden können, um bis zum Altar zu gelangen. Man steigt förmlich auf den Füssen der Leute herum – dieses sollte man durch eine im Osten angebaute Sakristei abstellen“.

Gesamtrenovierung 1978: Empore und Gestühl wurden erneuert. Am 14. August 1978 wurde in einer Sternwallfahrt der Abschluss der Renovierungsarbeiten unter Pfarrer Anton Ostner/Holzhausen († 29.07.1996) gefeiert.

Votivtafel 

Schrannen 13
Schrannen 17
Schrannen 19
Schrannen 16
Schrannen 18
Schrannen 20