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PFARRKIRCHE ST. ÄGIDIUS, GRAFING

St. Ägidius
Grafing liegt im Endmoränenbereich des eiszeitlichen Inngletschers, der zahlreiche Hügel und Terrassen hinterließ. Auf einem solchen Hügel steht die heutige Grafinger Pfarrkirche.

Aufgrund einer Urkunde anlässlich eines Aufenthalts des Bischof Hitto von Freising 813 ist ein erstes Gotteshaus im damaligen "Ehsingas" (Öxing, heutiger Stadtteil von Grafing) anzunehmen. Von diesem Bau ist heute nichts mehr erhalten.
musizierende Engel
Zwei musizierende Engel, Anfang 15. Jh.
Fresko im Spitzbogen des bei der Renovierung 1962/63 freigelegten Chorfensters der gotischen Vorgängerkirche.
Von dem romanischen Nachfolgebau aus dem 11. Jhd. dagegen befinden sich noch Fundamente eines Turmes im Bereich des heutigen Südportals. Von der um 1500 errichteten spätgotischen Kirche sind Fresken im Chorraum und das ebenfalls mit Fresken geschmückte Fenster hinter dem Hochaltar erhalten. Dieses Gotteshaus wurde von schwedische Truppen an Pfingsten 1632 in Brand gesteckt.
Sakramentshymnus
Reste der Ausmalung des gotischen Gotteshauses: Sakramentshymnus an der Nordseite des Chores, Anfang 15. Jh.
Nach den langen und verheerenden Kriegsjahren musste die leidende Bevölkerung Pläne für einen Neubau zurückstellen. Nur notdürftig konnten Teile der ausgebrannten Kirche erhalten und gesichert werden. Kaum vorstellbar ist, wie man dort Gottesdienst gefeiert haben mag.
Nach einem Erdbeben und einem Sturm im Jahre 1690, wodurch die "die paufählige Pfarrkirchen zu Exing nächst Gräfing groß schaden erlitten hatt", so Pfarrvikar F. Widmann, war die Kirche stark einsturzgefährdet.
  
1692 konnte dann der Grundstein für einen barocken Neubau gelegt werden. Der Grafinger Maurermeister Thomas Mayr ließ zunächst das Langhaus zum größten Teil und den Turm vollständig abreißen. Sodann errichtete er mit 12 Maurern unter fleißiger Mithilfe der Bevölkerung in nur einem halben Jahr die neue Kirche. Dabei erhöhte er den Chor und das Langhaus um vier Meter. So entstand ein noch größerer Bau von 33 m Länge, 20,5 m Breite und 12 m Höhe. Der Turm wurde 41 m hoch.
Altarfiguren
Figurenensemble vom Hochaltar: St. Johannes d. T., St. Paulus, St. Ägidius, St. Petrus, St. Hieronymus (v.l.n.r.). Die Figuren entstanden um 1640, die des Patrons St. Ägidius im 18. Jh.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Innere der Kirche dem damaligen Zeitgeschmack angepasst und die barocke Gewölbemalerei übermalt. Außerdem ersetzte man den Hl. Ägidius auf dem Hochaltar durch eine thronende Muttergottes.
  
Wegen des Anwachsens des Dorfes Öxing und des Marktes Grafing plante man 1873 eine Erweiterung, die dann 1902 ausgeführt wurde. In sieben Monaten wurde die Kirche um 10 m nach Westen verlängert. Da der Hügel an der Stelle jedoch um 3 m abfällt, errichtete Architekt Hans Schurr aus München zunächst eine Unterkirche und eine Vorhalle mit zwei Treppenaufgängen und dann die Verlängerung des Langhauses mit zwei großen Emporen.

Anfang des 20. Jahrhunderts bekam die Kirche eine neue, einheitliche Ausmalung. Der französische Künstlers Jacques Dasbourgh schuf 1914/15 die Deckenfresken mit Szenen aus dem Leben des Hl. Ägidius im Langhaus und einer eucharistischen Anbetung im Chor.
Deckenfresko
Ostgotenkönig Wamba findet den Hl. Ägidius als Einsiedler vor seiner Höhle. Deckenfresko im östlichen Langhaus von St. Ägidius, Grafing.
In den Jahren 1963 bis 1965 wurde die Kirche dann umfassend renoviert. Der Hochaltar erhielt wieder seine ursprüngliche barocke Fassung. Das hinter dem Hochaltar entdeckte mittlere Chorfenster, das noch aus dem gotischen Vorläuferbau stammt und beim Neubau der Kirche zugemauert worden war, wurde freigelegt, ebenso die ebenfalls entdeckten Fragmente gotischer Fresken.

Mehr erfahren Sie in unserem Kunstführer (Nr. 1928) des Schnell & Steiner Verlags, erhältlich in der Pfarrkirche oder im Pfarrbüro.