St. Konrad

Pfarrverband Haar

Pfarrkirche St. Konrad, Haar Kleiner Kirchenführer

Flügelaltar
Die wehrhaft wirkende Kirche mit wuchtigem Glockenturm wurde von Architekt Georg Berlinger entworfen. Der Zugang am Hauptportal erfolgt über dreifache Rundbogenarkade. Links vom Eingang befindet sich in einer Nische eine Bruder Konrad Kapelle.
Die Kirchenhalle ist einschiffig mit sechs Jochen, gegliedert durch flache Wandpfeiler und große, farbig verglaste Rundbogenfenster in Gelb- und Violettönen. Eine Holzbalkendecke beschließt das Langhaus nach oben. Der Chorraum ist als Stichkappengewölbe ausgeführt; er ist um drei Stufen erhöht und durch eine Stirnwand mit Bogen vom Langhaus getrennt.
Der Hochaltaraufsatz ist als Flügelaltar ausgeführt und zeigt in der Mitteltafel Christus am Kreuz mit Seitenfiguren des Bruder Konrad und Hl. Nikolaus; die linke Tafel zeigt die Hl. Monika, und die rechte Tafel die Hl. Agnes.
St.Konrad-Marienaltar
An der nördlichen Chorbogenwand befindet sich ein Marienaltar, ebenfalls als Flügelaltar ausgeführt. Im Mittelteil zeigt er ein vergoldetes Relief mit Maria als Schutzmantelmadonna. Ihr Mantel wird von zwei Engeln gehalten, zu ihren Füßen die Kirchen St. Nikolaus und St. Konrad. Auf dem linken Altarflügel sind Reliefs der Verkündigung und der Heimsuchung, auf dem rechten Flügel die Geburt Christi und die Flucht nach Ägypten.
An der südlichen Chorbogenwand ist ein Josephsaltar. Im Mittelbild ist der Hl. Joseph dargestellt. Die Seitenflügel sind mit 14 Statuen der Nothelfer bestückt. Sie stammen aus der Nikolauskirche in Haar und kamen von dort 1939 in den Neubau von St. Konrad.
Der Kreuzweg aus grau-grün patinierter Bronze ist eine Stiftung des Architekten Berlinger.
Die Orgel der Pfarrkirche wurde 1937 von der Orgelbauanstalt Willibald Siemann & Co. auf dem System der pneumatischen Membran-Kegellade erbaut; am Pfingstsonntag 1937 ertönte sie zum ersten Mal in der St. Konrad Kirche. Die Orgel besitzt 18 Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind.

Die 14 Nothelfer in der Pfarrkirche St. Konrad

14-Nothelfer-links
Die holzgeschnitzten, ca. 30 cm hohen Figuren am Josefsaltar datieren - laut Diözesanarchivar Dr. Sigmund Benker - aus der Zeit um 1510 und entstammen der Münchener Schule. Details über Herkunft und Geschichte dieser Nothelfergruppe lassen sich heute nicht mehr rekonstruieren. Als sicher darf dennoch gelten, dass sie nicht für Haar und das Nikolauskirchlein angefertigt wurden, waren doch Siedlung und Kirche in dieser Zeit zu unbedeutend. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in der Mitte des 17. Jahrhunderts also, war Haar über längere Zeit hinweg ganz ausgestorben und das Kirchlein eine Ruine - die Figuren hätten dies sicher nicht unbeschadet überstanden. Es darf daher angenommen werden, dass sie erst später nach Haar kamen. Möglicherweise handelt es sich um eine Schenkung aus einer Kirche, die in der Barockzeit »modernisiert« wurde und in der die »altmodischen« gotischen Figürchen keinen Platz mehr hatten. Damit wären die Nothelfer etwa um die Mitte des 18. Jahrhunderts in die Nikolauskirche gekommen. Spätestens 1886 sind die gotischen Figuren als Ausstattung des rechten Seitenaltars in der Nikolauskirche belegt.
Frühe Fotografien zeigen, daß sie später ihren Platz auf der Bekrönung der Seitenaltäre und einem Sims des Chorbogens fanden, wo sie bis 1933 blieben.
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Nach Fertigstellung der neuen Pfarrkirche wurden sie auf zwei Tafeln am rechten Seitenaltar von St. Konrad angeordnet. Vermutlich erst seit dieser Zeit stehen sie auf kleinen Sockeln, die die Namen der Heiligen tragen. Dass diese Konsolen nicht zeitgleich mit den Figuren entstanden, belegt die Schriftart der Namenszüge. Auch ist die Höhe der Konsolen der Größe der Figuren angepasst worden, was besonders beim hl. Pantaleon auffällt, dessen Konsole deutlich niedriger ist, damit er mit den links und rechts von ihm montierten Figuren ein einheitliches Bild abgibt. Möglicherweise wurden die Konsolen erst um 1933 angefertigt, als beim Umzug in die neue Pfarrkirche eine Wandbefestigung der Figuren notwendig wurde. Hierbei ist wahrscheinlich die Namenszuordnung auf den Konsolen von Ägidius und Vitus vertauscht worden.
Neben der bekannten Pieta von Salmdorf sind die Figuren der Vierzehn Nothelfer heute wohl das kunstgeschichtlich Bedeutendste und Wertvollste, was die Gemeinde Haar vorzuweisen hat.