Pfarrverband Haar

St. Konrad, St. Bonifatius, St. Martin

12. Station: Sich hin-geben Jesus stirbt am Kreuz

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ (Mk 15,34b.)
„..., und Jesus rief laut: Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist. Nach diesen Worten hauchte er seinen Geist aus.“ (Lk 23,46.)
Auffallend an dieser Station ist die Perspektive. Sie drückt gleichsam den Blick des Vaters auf die leidende Menschheit aus. Jesus hängt zwischen Himmel und Erde. Jesus ist ort-los geworden.

Das Kreuz ist der Ort der äußersten Verzweiflung Jesu – der Sohn Gottes, der Gott „verliert“. Es ist aber der Ort des Ringens Jesu um die größte Liebe zu den Menschen und zu Gott. Trotz allertiefster Schwärze – und Ausdruck absoluter subjektiver Gottverlassenheit – vertraut er sich mit seiner ganzen Existenz und Sendung Gott an – ein reiner Willensakt.

Maria und Johannes schauen wie erstarrt zu ihm empor, Jesus ist ihnen entzogen. Zuvor jedoch hat sie Jesus einander anvertraut. Damit ist Maria zur Mutter der Menschheit geworden (vgl. Joh 19,26f.). Hier setzt sich die neue, einzigartige Verbindung Gottes mit uns Menschen fort.
    Es ist vollbracht – das Sterben ist zu Ende.
Im Augenblick des Todes selbst hat sich erwiesen,
dass Liebe stärker ist als Leid und Tod.
Dank des Leidens Jesu brauche ich nie mehr wie erstarrt
in oder mit einem Schmerz stehen zu bleiben,
denn im Schmerz begegnet Er mir,
Er, der mich liebt.
Er, der auch um meinen Schmerz jetzt weiß –
und ihn damals schon im Voraus getragen hat.
Mit seiner Hilfe kann ich so „durch die Wunde gehen“,
weil ich im Schmerz dem Gekreuzigten und Verlassenen
begegne in der jeweiligen konkreten Situation.

So kann ich das tun, was zählt, im gegenwärtigen Augenblick die Liebe leben.
Herr, lass mich nie aufhören, auch im Schmerz zu lieben.