Pfarrverband Haar

St. Konrad, St. Bonifatius, St. Martin

10. Station: Frei werden Jesus wird seiner Kleider beraubt

„..., nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen. Sie nahmen auch sein Untergewand, das von oben her ganz druchgewebt und ohne Naht war. Sie sagten zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand.“ (Joh 19,23f.)
In dieses Bild muss sich der Betrachter besonders „hineinleben“. Dem gebückten Jesus im Vordergrund wird das Letzte, was er besitzt, vom Leibe gerissen. Hinter ihm ist jemand zu sehen, der ihn gleich schlagen wird - Jesus taumelt. Bei längerem Hinsehen kann man eine knieende Gestalt, die Jesus verhöhnt, erkennen.

Nun ist Jesus in allerhöchstem Maße der Erniedrigung als Mensch preisgegeben. Die Schergen nehmen ihm seine Kleider weg, damit er nackt vor den Augen der Menschen auch seine letzte Würde und sein letztes An-sehen verliert: „Schaut euch diese jämmerlich gescheiterte Gestalt an“ - Jesus nimmt auch diese letzte Entäußerung an - und behält seine Würde dabei.

Wenn einem Menschen das Letzte oder Einzige,
was er besitzt, genommen wird,
enthüllt sich das, was er eigentlich ist.
Jesus ist ganz frei; er hat nie etwas besessen
und nie etwas besitzen wollen.
Je weniger ich haben muss,
desto reicher, desto freier bin ich.
Ich kann Freiheit nur in kleinen Schritten lernen
durch Loslassen, Verzichten und Verlieren.

Herr, mach mich fei von allem Haben-Müssen.