Pfarrverband Haar

St. Konrad, St. Bonifatius, St. Martin

Die freudenreichen Geheimnisse

Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast.
Marias Leben schien zunächst in geregelten Bahnen zu verlaufen: sie war bereits als Kind von ihren Eltern einem Mann versprochen worden, wie es in ihrer Heimat so üblich war. Jetzt wartete sie darauf, von diesem Mann geheiratet zu werden, sie würde Kinder von ihm bekommen und für ihre Familie und den Haushalt sorgen. Nichts Spektakuläres also; ein ganz „normales“ Leben. Doch Gott hat andere Pläne mit ihr: sie soll die Mutter seines Sohnes sein. Maria hat zunächst ihre Einwände, ist aber letztendlich einverstanden und geht damit das Wagnis ein, sich auf eine ungewisse Zukunft einzulassen. Sie verläßt sich ganz auf Gott. Wenn wir ihr weiteres Leben betrachten, sehen wir, dass sie es gewiss nicht leicht hatte; Gott hat ihr kein Paradies auf Erden bereitet. Aber sie hat ganz entscheidend am Heilsplan Gottes mitgearbeitet, das ist ihr zur Lebensaufgabe geworden.
So durchkreuzt Gott auch oft unsere Lebensplanung und läßt uns nicht selten in der Ungewissheit, wohin er uns letztendlich führen wird. Das Beispiel Marias zeigt uns, dass er nicht unbedingt einspontanes „Ja“ erwartet, sondern wir durchaus unsere Bedenken einbringen dürfen. Er wird sie erst ausräumen, damit wir danach in Freiheit seinem Willen folgen können.

Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.
Maria besucht ihre Cousine. Eine Frau, für die das Leben bereits gelaufen schien. Sie galt jahrelang als unfruchtbar, zu ihrer Zeit der Inbegriff von menschlichem Versagen und Strafe Gottes zugleich. Doch plötzlich geschah das Unerwartete: im Alter, als „alles schon zu spät“ war, wurde sie doch noch schwanger. Und ihr Sohn wird kein Geringerer sein als der, der besonders auf Jesus hinweisen darf. Dieses Ereignis deutet sich bereits bei der Begegnung der beiden Schwangeren an, als das Kind in ihrem Bauch „vor Freude hüpft“.
Elisabeths Beispiel kann uns Hoffnung machen in scheinbar ausweglosen Lebenssituationen. Für Gott ist nichts zu spät und nichts unmöglich. Oft heißt es lange geduldig warten, bis wir Gottes Pläne erkennen dürfen.

Jesus, den du, o Jungfrau, (in Betlehem) geboren hast.
Die Geburt eines Kindes ist in den meisten Fällen ein Grund zur Freude. So auch für Maria und Josef, auch wenn die Umstände denkbar schlecht sind: unterwegs und ohne feste Unterkunft. Doch nur auf diese Weise kann Gott die Menschen erreichen, die ihm wichtig sind: die Hirten. Ausgerechnet in einem unscheinbaren Viehstall tritt Gott in dem Kind Jesus in die Welt.
Gott kann oftmals im scheinbar unpassendsten Augenblick in unser Leben treten. Vielleicht tut er es gerade deshalb, um uns so anzutreffen, wie wir ihm wichtig sind. Vertrauen wir ihm, dass er unserem Leben auch in den dunklen und schwierigen Situationen Erfüllung und Freude schenken kann.

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast.
Der Erstgeborene gehörte nach dem Gesetz Gott. Die Eltern mussten ihn mit dem vorgeschriebenen Opfer auslösen. So taten das auch Maria und Josef mit ihrem Sohn. Bei dieser Art „Familienfeier“ begegnen sie jedoch zwei Menschen, die bisher nichts mit ihnen zu tun hatten. Es sind zwei alte Menschen, die ihr ganzes Leben darauf gewartet hatten, den Messias zu sehen. Jetzt sehen sie die entscheidende Stunde gekommen: sie erkennen in dem kleinen Kind den späteren Erlöser. Doch trotz aller Freude klingt der Leidensweg für Jesus, ebenso für Maria, bereits an.
Oft brauchen wir andere Menschen, die uns bei unserer Suche nach Gott und Gottes Willen behilflich sind. Ihre Glaubenserfahrung kann uns neue Perspektiven für unser Leben aufzeigen. Sie werden uns deswegen nicht „den Himmel auf Erden“ versprechen, sondern uns vielmehr darlegen, dass der Weg Gottes nicht immer leicht sein wird.

Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast.
Jesus bleibt als Zwölfjähriger bei der Wallfahrt nach Jerusalem im Tempel zurück, während seine Familie schon wieder auf dem Heimweg ist. Maria hat gedacht, Jesus sei in der Pilgergruppe bei den Verwandten. Als er nirgends zu finden ist, gehen sie zurück und finden ihn noch immer im Tempel bei den Schriftgelehrten. Jesus versteht nicht, warum sie ihn überhaupt gesucht hatten, da er ganz selbstverständlich im Haus seines Vaters war.
Es gibt Situationen im Leben, wo wir feststellen, dass wir Gott scheinbar verloren haben. Wir gehen unseren Lebensweg weiter, ohne ihn groß in Frage zu stellen. Plötzlich weicht die Sicherheit der Frage, wo denn Gott geblieben ist. Manchmal ist ein vermeintlicher Rückschritt, eine Umkehr erforderlich, um wieder zu Gott zu finden. Doch Jesus gibt uns zu verstehen, dass wir in unserem Innersten immer wissen, wo wir ihn wieder finden können.