Pfarrverband Im Würmtal

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Vorgeschichte

Stockdorf ist vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert von Gauting aus gegründet worden. Die früheste urkundliche Erwähnung Staodorf datiert aus dem Jahr 1242; möglicherweise ist aber bereits 1048 diese Ansiedlung zwischen Gauting und Krailling mit Stadelaren bezeichnet worden. Weni-ger gewiss ist die Herkunft des Ortsnamens. Er weist vermutlich auf die Wurzelstöcke der gefällten Bäume hin, die nach Rodungen um die frühe-ren Bajuwarensiedlungen Gauting und Krailling herum stehen geblieben waren und Namens bestimmend bei der Anlage einer Ausbausiedlung waren. Die älteste Erwähnung eines Kirchenbaus findet sich 1315 in der so genannten Konradinischen Matrikel* , die eine Kirche zu Ehren des hl. Vitus in Stockdorf unter den drei Tochterkirchen von Gauting erwähnt. Ein Bericht aus dem Jahr 1560 spricht vom mangelhaften baulichen Zustand der Stockdorfer Kirche. Diese wurde wohl im 17. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt. Ab 1627 ist eine Reihe von Kirchenrechnungen erhalten, aus denen Einnahmen und Ausgaben, der Eingang von Stiftungsgeldern, erfolgte Reparaturen, Kriegssteuern, aber auch Kreditvergaben ersichtlich sind. Aus dem Jahr 1740 vermeldet die Chronik auch, dass in dem sehr armseligen Kirchlein St. Vitus jeden vierten Sonntag im Monat hl. Messe gelesen wurde. Dabei blieb es für lange Zeit, denn der 1911 gegründete Kirchenbauverein hatte „vor allem den Zweck, an den drei freien Sonntagen einen Geistlichen aus München zum Gottesdienst kommen zu lassen" und natürlich zu bezahlen. 

Wegen Baufälligkeit brach man Mitte des 19. Jahrhunderts das Kirchlein ab und errichtete 1857 ein neues Gotteshaus mit 40 Sitzplätzen in der Form einer einfachen Landkirche mit Sattelturm. Die Kosten trug die der Regierung von Oberbayern unterstellte Stiftungskasse der Erzdiözese, da kein anderes Kapital vorhanden war. Diese „Alte St. Vitus Kirche" umge-ben von einer kleinen Friedhofsanlage markiert auch heute noch den ältesten Stockdorfer Siedlungskern. 1963 wurde im Innenraum eine Kriegergedächtnistafel in Ergänzung des Freskos an der Außenwand angebracht. Die Kirche bietet bis heute einen würdigen Raum für regelmäßige Gottesdienste.

Über Jahrhunderte blieb die Einwohnerzahl Stockdorfs nahezu konstant. Die erste Einwohnerliste ist datiert auf das Jahr 1430 und führt acht Fami-liennamen auf, woraus man auf etwa 40 bis 50 Einwohner schließen kann. Im Jahr 1840 waren lediglich neun Häuser mit 64 Einwohnern registriert worden. Erst die Eröffnung der Eisenbahnlinie München-Starnberg 1855 mit Bahnhöfen in Planegg und Gauting, sowie die Einrichtung einer Vorortbahn mit einer Haltestelle in Stockdorf im Jahr 1902 veranlasste mehr und mehr Münchner, aber auch „Zugezogene", sich in Stockdorf niederzu-lassen. Mit der Entwicklung der Villenkolonie beiderseits der Bahnlinie und der Ansiedlung von etlichen Gewerbebetrieben stieg die Einwohnerzahl Stockdorfs rapide an: 1925 zählte man 117 Landhäuser und 750 Einwohner.

* Die Konradinische Matrikel ist ein Verzeichnis der Kirchen im Bistum Freising aus dem Jahr 1315. Es wurde vom Freisinger Bischof Konrad III. dem Sendlinger in Auftrag gegeben. Die Matrikel dient für die meisten Kirchen des Bistums als erster urkundlicher Nachweis.
Quelle: Broschüre des Kirchenbauvereins St. Vitus