Pfarrverband Isarvorstadt

Der Pfarrverband Isarvorstadt besteht aus den beiden Pfarreien St. Anton und St. Andreas in München

Die Schmerzhafte Kapelle

Schmerzhafte Kapelle, Geißelheiland
Jesus an der Geißelsäule

Die Anfänge

Im Jahr 1670 errichtete der Abdecker und Wasenmeister Bartholomäus Deibler „am Steig nach Thalkirchen“ (der heutigen Kapuzinerstraße) eine kleine offene Feldkapelle weit vor den Toren Münchens. Dort hängte er eine Kopie des Andechser Bildes „der Heiland an der Geißelsäule“ auf.

Durch die Lage zum Alten Südfriedhof, der 1563 als Pestfriedhof gegründet worden war, kamen bald zahlreiche Menschen hierher, eine regelrechte Wallfahrt setzte ein. Von 1677 bis 1857 wurden gar päpstliche Ablässe bewilligt. Da in dem Gebiet des „oberen Lehel“ in unmittelbarer Nähe zur damals noch nicht befestigten und regelmäßig über die Ufer tretenden Isar, noch kein Gotteshaus stand, entschloss man sich 1697 zum Kapellenbau.
Schmerzhafte Kapelle, altes Gnadenbild
Altes marianisches Gnadenbild
Der Baumeister des achteckigen Zentralbaus mit Kuppel war vermutlich der Münchner Maurermeister Wolfgang Zwerger, der auch die alte Sendlinger Kirche erbaute.

Am 3. Sonntag im Oktober 1705 wurde der Bau zu Ehren des „Leidens Christi und der Schmerzhaften Mutter Maria“ von Weihbischof Johann Franz von Zellner geweiht.

Die Seelsorge übertrug man zunächst der Pfarrei St. Peter, ab 1734 dem Priesterhaus St. Johann Nepomuk in der Sendlinger Straße.
Schmerzhafte Kapelle 1847
Kapelle 1847

Die Kapuziner kommen

1845 gelang es dem Benefiziaten von St. Peter, Urban Zacher, der bis zur Säkularisation Kapuziner gewesen war, Wallfahrt und Kapelle seinem inzwischen von König Ludwig I. wieder eingeführten Orden zu übertragen.

Am 24. August 1846 wurde der Grundstein zum Kloster gelegt. Der Kapuzinerchor (die jetzige Sakristei) wurde hinter dem damaligen Hochaltar an der Stelle der früheren Klausner- und Mesnerwohnung errichtet.

Die neue Kirchweihe zu Ehren der „Schmerzhaften Muttergottes“ fand am 3. Oktober 1847 durch Erzbischof Graf Karl August von Reisach statt. Zugleich wurde die Schmerzhafte Kapelle zur Kapuziner-Klosterkirche erhoben.

1895 löste die neu erbaute Antoniuskirche den kleinen Kirchenbau ab.
In ihrer Geschichte wurde die Schmerzhafte Kapelle mehrmals umgebaut, umfassend etwa von 1977 bis 1980. Am 8. Dezember 1980 weihte Weihbischof Matthias Defregger den damaligen Altar.

Die früheren Gnadenbilder existieren nicht mehr. Den Altarraum ziert heute eine Pietà, die Darstellung Marias mit dem Leichnam Jesu. Die Plastik stammt aus dem Jahr 1850 und ist ein Werk des Meraner Bildhauers Bendel.

Nutzung der Kapelle

Von 1945 bis 1954 feierte die ukrainisch-unierte Gemeinde ihre Gottesdienste in der Kapelle. Seit 1944 waren viele Ukrainer in einem Arbeitslager auf dem Firmengelände der optischen Werke Rodenstock untergebracht gewesen. Heute hat die ukrainisch-unierte Gemeinde in der Schönstraße in Untergiesing ihr Kirchenzentrum.

In den Jahren 2003 bis 2006 nutzte die georgisch-orthodoxe Gemeinde die Kapelle am Wochenende und feiertags für ihre Gottesdienste.
Schmerzhafte Kapelle heute
Schmerzhafte Kapelle heute
Von 2006 bis 2009 wurde der Raum abermals verändert: Im Rahmen des großen Umbaus des Kapuzinerklosters St. Anton trennte man das 1855 erbaute Langhaus der Schmerzhaften Kapelle vom historischen Kuppelbau ab. Im Langhaus errichtete man das Fernsehstudio des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp), die Journalistenschule der Deutschen Bischofskonferenz, die im Kloster unterkam. Auch die Pfarrei St. Anton erhielt in dem renovierten Klosterkomplex neue Gemeinderäume. Die Kapuziner ihrerseits bauten das benachbarte Pfarrhaus an der Isartalstraße 4 für sich in eine neue Niederlassung um. Zugleich verlegten sie ihr Provinzialat von St. Joseph in Schwabing nach St. Anton in die Isarvorstadt.

Der Zentralraum der Schmerzhaften Kapelle wurde komplett renoviert und bekam seine heutige Gestalt. Es wurde eine moderne Sakristei eingerichtet und darüber der neue Chor des Kapuzinerklosters.

Auch die liturgischen Orte erfuhren eine Neuordnung, Pietà, Geißelheiland, Kreuz und das Gemälde des Auferstandenen über dem Eingang wurden sorgfältig restauriert. Auch eine moderne Heizung nebst Elektrik und Beleuchtung wurde eingebaut, ein neuer Steinboden verlegt, ebenso die Bestuhlung erneuert. Innen- und Außenwände sowie die Kuppel leuchten heute schneeweiß.
Schmerzhafte Kapelle, Pieta heute
Pieta heute
Ein Paravent aus dunklem geräucherten Eichenholz nimmt nun die Rundung des Raumes auf und schafft einen harmonischen Gesamteindruck. Er ist, ebenso wie der neue Altar aus weißem Jurastein, ein Werk des Künstler-Ehepaars Claudia und Holger Bollinger aus Bergfeld im Landkreis Freising. Der Ambo ist eine Schmiedearbeit von Peter-Michael Reich, der Tabernakel wurde aus der alten Einrichtung übernommen.

Am 22. März 2009 fand die feierliche Altarweihe mit Erzbischof Reinhard Marx statt.
Heute dient der stille Gebetsraum als Konventkirche der Kapuziner, deren Friedhof sich an der Kapellenostseite anschließt. Die Pfarrei St. Anton feiert hier wie ehedem ihre Werktagsgottesdienste. Das Patrozinium wird jedes Jahr am 15. September, dem Fest „Mariä Sieben Schmerzen“, begangen.

Florian Ertl

Heiliges-Grab-Schmerzhafte-Kapelle-460

Heiliges Grab

An den Kartagen ist in der Schmerzhaften Kapelle ein heiliges Grab aufgebaut. Die Figur des Grabesheilands stammt aus den 1820er Jahren. Die Pieta im Altarraum wird während der Zeit des Heiligen Grabes mit einem roten Tuch verhängt und die Christusfigur liegt davor.

Öffnungszeiten

Karfreitag 17.00 bis 21.00 Uhr
Karsamstag 9.00 bis 15.00 Uhr
Auch in der Andreaskirche ist ein Heiliges Grab. ...mehr dazu