Pfarrverband Isen

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Die Geschichte der Pfarrei Lengdorf

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Beschreibung der Pfarrkirche

Unsere Pfarrkirche ist im Kern ein Bau der Spätgotik.
Das Erbauungsjahr ist unbekannt, es fehlen dafür überhaupt alle schriftlichen Unterlagen. Kunstgeschichtliche Überlegungen führen uns in die Zeit kurz vor 1500. Ein wertvoller Anhaltspunkt ist dabei die Figur des hl. Petrus, die ursprünglich sicher auf dem nicht mehr erhaltenen spätgotischen Hochaltar stand, dann in der Außennische der Ostseite und heute wieder im Innern, an der Nordwand. Sie zeigt weitgehend noch die vielen, kurzen, kantigen Knitterfalten der Zeit nach 1450 und eine noch zögernde Übernahme der tief gehöhlten, langgezogenen Faltenzüge Leinbergers. Die erwähnte Nische finden wir auch in Walpertskirchen; dort flach, mit einem Fresko (Marientod). Eine weitere Gemeinsamkeit mit dieser Kirche sind die dreieckigen Strebepfeiler außen am Chorschluß, wie sie auch in Oberdorfen anzutreffen sind. Ernst Gandl vermutet bei den drei genannten Kirchen den gleichen Baumeister. Auch die Kirchen von Niedergeislbach, Matzbach, Außerbittlbach, und teilweise von Innerbittlbach, entstanden damals, so daß unsere Heimat in einem kurzen Zeitraum ihr künstlerisches Gesicht stark veränderte. Der ursprüngliche Turm sprang an der Westwand vor. Das war in romantischer Zeit allgemein üblich ( Obergeislbach), und er bestand in seinem Unterbau aus Buckelquadern (Nagelfluh) und zeigte als Schmuckmotiv der Zeit ein deutsches Band (über Eck gestellte Steine). Der weitere Aufbau mit seinen Spitzgiebel-Blendarkaden gehörte wohl schon der Gotik an. Es krönte ihn dann vielleicht eine hohe Spitze, wie in Oberdorfen, bis am 20. Juni 1710 dem Bericht Pfarrer Schuehbauers zufolge ..... in allhiesigen Kürchen Thurn zu Lengdorf ain solcher Ungemainer Wasserstraich (nicht zündender Blitz) geschehen, dz selbiger nit allain den thurn ab: Vnd abgeschlagen, sondern auch die Vorhandtene alte Vhr Neben der Khlainen glocken der gestalten Ruiniert, vnd verletzt, dz sambt dem glocken stul beide ganz vnbrauchbar wordten.
Daraufhin errichtete Johann Baptist Lethner, Stadtmaurermeister
von Erding, 1740 einen barocken Aufbau mit Pilastern und doppelter Kuppel, ähnlich der heutigen. So beschreiben ihn die Kunstdenkmale und zeigen ihn alte Ansichtskarten. Als Bautyp gleicht er vielen anderen in unserem Landkreis mit seinem nur vierseitigen (nicht achteckigen) Oberteil. Sie stammen alle von Kogler und Lethner. Es sei an Altenerding und Langengeisling erinnert.

Der heutige Turm wurde an der Nordseite des Altarraums errichtet und mit seiner Südwand auf die Nordwand des Altarraumes gestellt. Über diese Planung des Bezirksbaumeisters Ober war der heimische Maurermeister Franz Gandl aus Obergeislbach, der "Maurer Franz", derart erbost, daß er im Pfarrhof einen wütenden Auftritt lieferte - aber doch letzlich Recht behielt. Man kann eben keinen Neubau zum Teil auf ein schon seit Jahrhunderten bestehendes Bauwerk und "mit dem anderen Fuß" auf ein neu gelegtes Fundament setzen. Letzteres senkte sich, die Kirchenwand riß, und der Turm hat sich nach Norden geneigt.
Im übrigen bietet sich der heutige Turm als Ersatz des alten dar, wieder mit Spitzblendarkaden in der beschriebenen Höhe, barockem Oberteil mit Pilastergliederung und zweigeteilter Kuppel. Als weitere barocke Veränderung bemerken wir ein birnenförmiges Fenster an Stelle des heutigen querrechtickigen, zum ersten Turmobergeschoß führenden Oratoriumfensters. Der Grund für diese Abweichung ist heute nicht mehr zu erkennen.

Der Innenraum zeigt sich, wie vor allem für die ländliche Spätgotik in Altbayern kennzeichnend, nicht himmelanstrebend, sondern als bergender Raum, wie schützend über eine Kerzenflamme gehaltene Hände. An das Hauptschiff schließt sich südlich ein schmales, niedriges Seitenschiff an, das wohl von Anfang an, wie auch in Oberdorfen und Moosen, als Grablege gedacht war, hier für das Geschlecht der Kopfsburger und später der Preysinger. Das Dach übergreift beide Schiffe, das Hauptschiff hat somit über den Pfeilerbogen keine Fenster gegen Süden mehr. Es liegt also eine Staffelhalle vor, und zwar eine "einhüftige" , weil nur ein Seitenschiff angefügt ist. Die wesentliche Veränderung des Innenraums brachte das Rokoko. Die gotischen Rippen wurden abgeschlagen, wobei als letzte Spur hoch über dem Taufstein der Rippenansatz mit zugespitzter Konsole erhalten ist. Solche fanden sich bis zur Kirchenerweiterung auch noch in den westlichen Ecken. An die Stelle der Netzrippen traten nun Fresken und Rocaillestuck. Die beiden vorderen großen Deckengemälde zeigen im Chor die Schlüsselübergabe an Petrus und im Langhaus dessen Kreuzigung. Als Künstler weist sich der Freisinger Joseph Unterleutner aus, und zwar ist das Hauptgemälde unten rechts signiert: Johann Untersberger 1761. In dieser falschen Lesart liegt aber nach Feststellung Georg Brenningers ein Fehler des Restaurators vor, die abweichenden Buchstaben zeigen eine andere Form . Ein Vergleich mit anderen signierten Werken Unterleutners, etwa in Hohenpolding oder Niederding, läßt unschwer dessen künstlerische Handschrift erkennen.